Titel: Die soziale Revolution
Datum: 16. Juli 1887 - 31. Dezember 1887
Quelle: Aus: Die Autonomie. Anarchistisch-communistisches Organ. 2. Jahrgang. London.
Bemerkungen: Die 9 Teile erschienen: I: No. 19, 16. Juli 1887; II: No. 20, 30. Juli 1887; III: No. 21, 13. August 1887; IV: No. 22, 27. August 1887; V: No. 23, 10. September 1887; VI: No. 26, 22. October 1887; VII: No. 27, 5. November 1887; VIII: No. 29, 3. December 1887; IX: No. 31, 31. December 1887.

      I.

      II.

      III.

      IV.

      V.

      VI.[3]

      VII.

      VIII.[4]

      IX.

I.

Dass wir uns am Vorabend einer mächtigen, die Gesellschaft bis in ihr innerstes Mark erschütternden sozialen Umwälzung befinden, wird so allgemein und von allen Gesellschaftsklassen empfunden, dass wir wohl nicht nöthig haben, darüber viele Worte zu verlieren. Aus Aller Munde ist der hoffnungsvolle Schmerzensruf zu vernehmen: "So kann es nicht mehr lange fortgehen;" und in allen Ländern ächzt und bangt das leidende Volk, wie nach langer Dürre der Landmann bei einem nahenden Gewitter, nach der erfrischenden und vor der möglicherweise vernichtenden Wirkung der nahenden Revolution.

Die herrschende Klasse ist sich der Situation vollständig bewusst, sie fürchtet das Schlimmste und arbeitet mit allen Kräften die ihr drohende Gefahr abzuwenden oder doch wenigstens so weit als möglich in die Ferne zu schieben. Wie sie das thut, ob mit mehr oder weniger Geschick und Erfolg ist hier Nebensache, denn es kann nicht unsere Aufgabe sein, sie auf ihre Fehler aufmerksam zu machen, wodurch der Sache des Volkes doch nur geschadet würde. Es genügt uns die Thatsache zu konstatiren, dass sich die herrschende Klasse zum äussersten Widerstande gegen die drohende Revolution der von ihr unterjochten Völker vorbereitet.

Die sogenannte Mittelklasse, d.i. jene Klasse Menschen, welche von den gesellschaftlichen Genüssen noch nicht gänzlich ausgeschlossen, zu Parias gesunken sind, befindet sich in einem fatalen Dilemma zwischen Bangen und Hoffen, aus welchem sie sich nicht zu befreien vermag. Sie besitzt weder die moralische Kraft, noch befindet sie sich unter der zwingenden Macht der Verhältnisse: ihr Interesse in den Interessen der Gesammtheit zu suchen; bis der Kampf der beiden extremen Elemente entschieden sein wird. Sie liebt die behäbige Ruhe und wünscht auch die Sicherheit ihrer noch behäbigen Existenz, die sie unter den derzeitigen Verhältnissen nicht hat; aber sie scheut auch eine gründliche Veränderung dieser Verhältnisse, aus Furcht, es könnte "noch schlechter werden!" Sie fürchtet, sie möchte auch noch diese unsichere Existenz verlieren. Die Mittelklasse ist mithin ein zweifelhafter Faktor in dem grossen Problem der sozialen Umgestaltung. Ihr vorherrschender Charakterzug ist der Hang zu dem Bestehenden — Conservativismus.

Die revolutionäre Macht und Thatkraft ruht also allein in der grossen Armee der Enterbten, von allen sozialen Genüssen ausgeschlossenen Parias, den Proletariern, welche in der bestehenden Gesellschaft nichts zu verlieren als ihre Ketten, durch die Vernichtung derselben aber eine Welt zu gewinnen haben. In dieser Masse finden die Saatkörner neuer Ideen den fruchtbarsten Boden, weil sie die Hoffnung auf Erlösung erwecken. In ihnen ruht die Kraft des menschlichen Fortschrittes, weil das Proletariat kein Interesse an der Erhaltung des Bestehenden hat, sie hat und kann keine Furcht vor Neuerungen haben, weil ihre Existenz nicht noch schlechter werden kann als ihr die Perspective der bestehenden Verhältnisse heute bietet.

In der That bestehen die Vertheidigungsmassregeln der herrschenden Klassen darin: die Furcht der Mittelklasse vor Neuerungen zu nähren, für die Vertheidigung der bestehenden Einrichtungen zu begeistern, und die Fesseln, mit welchen sie das Proletariat in Knechtschaft hält, zu verstärken und zu befestigen. Allein die Wirkungen der bestehenden sozialen Ungerechtigkeiten sind mächtiger als alle diese Anstrengungen der herrschenden Klasse; sie vermögen wohl die drohende Katastrophe aufzuhalten, nicht aber abzuwenden.

Die soziale Revolution ist ein nothwendiges Produkt der bestehenden Verhältnisse selbst; dieselbe abwenden, bedingt diese Verhältnisse beseitigen, wozu sich die herrschenden Klassen, wie wir in unseren vorhergehenden Artikeln nachgewiesen[1], niemals gutwillig verstehen werden.

Die Thatsache, dass die Menschheit vor dem Ausbruche eines furchtbaren, gewaltigen Ringkampfes zwischen einer alten und neuen Welt steht, ist also ausser allem Zweifel. Hie, das aller Macht und Mittel beraubte, zum keuchenden Lastthiere degradirte Proletariat, dessen einzige Kraft in seiner erdrückenden Massenhaftigkeit und seiner Solidarität des Elends und der Liebe zur Gerechtigkeit besteht; da die herrschende, im Ueberfluss erstickende, mit allen Machtmitteln ausgerüstete Klasse, jeden Augenblick bereit, die Emanzipationsbestrebungen der Ersteren in einem Meere voll Blut zu ersticken. Hie, die Vertreter der Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit; da die Vertreter der Tyrannei, Ausbeutung und Niederträchtigkeit, sie werden sich als Todtfeinde messen und die Entscheidung kann nur in der vollständigen Niederwerfung oder Vernichtung des einen oder des andern Kämpfers bestehen.

Die Revolution ist eine nothwendige, aus den bestehenden sozialen Zuständen entspringende Folge, die nicht von uns „gemacht“ wird. Alles was wir — die Pioniere der Revolution — thun können ist: die Anstrengungen der herrschenden Klassen, dieselbe aufzuhalten, zu paralisieren; und, was die Hauptsache ist, dieselbe zu einer gründlichen, definitiven sozialen Revolution zu gestalten.

Kein Zweifel, die erdrückende Massenhaftigkeit des Proletariats hat, wenn von einer einheitlichen Idee beseelt, zum vorhinein den Sieg über ihre Feinde, die herrschenden Klassen, in der Hand, zumal die Macht der herrschenden Klassen zum grössten Theile in den Händen der zum Söldnerdienst gezwungenen Proletarier selbst ruht. Wir wissen, dass sich Revolutionen weder auf Commando, noch nach vorher gezeichneten Schablonen vollziehen; aber wir wissen auch wie leicht sich das Volk in revolutionären Perioden, von den momentanen Erfolgen geblendet, auf falsche Bahnen drängen, und von geriebenen Betrügern seine errungene Macht wieder aus den Händen winden lässt. Um dies zu verhindern, haben wir die Pflicht, das Volk zum vorhinein auf die Gefahren, sowie auf alle jene Massregeln aufmerksam zu machen, durch welche es sich eines effektiven Sieges versichern kann. Die Gefahr einer eventuellen Niederlage des Volkes liegt weniger in der Ungleichheit physischer Machtmittel, als in den moralisch geistigen; denn die herrschende Klasse rechnet besonders auf die in den Volksmassen noch herrschenden Vorurtheile, welche sie mit allen Kräften ausnützt und noch mehr im kritischen Momente der Entscheidung, wenn die physische Gewalt bereits entschieden, auszunützen hofft.

Die Geschichte der Revolutionen hat uns bittere Lehren hinterlassen, welche zu beherzigen die Pflicht jedes aufrichtigen Menschenfreundes ist. Die Völker waren bisher bei allen Revolutionen, ob Sieger oder Besiegte, die Betrogenen. Sie hatten für die Freiheit gekämpft und geblutet und hatten schliesslich nur ihre Sklavenketten gewechselt. Das zu verhüten, ist die vornehmlichste Pflicht der Anarchisten, und wir werden in den nächsten Nummern klar zu legen suchen, dass dies nur auf der Basis der anarchistisch-communistischen Prinzipien möglich ist.

II.

Wir bemerkten in unserem vorigen Artikel, dass das Proletariat in seiner Massenhaftigkeit den Sieg über seine Feinde in der Hand hat, wenn — von einer einheitlichen Idee beseelt. Wir haben da selbstverständlich nicht die utopische Meinung, als könne die ganze Masse der Proletarier für ein zum Voraus ausgeklügeltes Gesellschaftssystem gewonnen und begeistert werden; oder mit anderen Worten, unter einen einzigen Parteihut gebracht werden. Nein, weit entfernt davon! Was wir unter "einer einheitlichen Idee" in diesem Falle verstehen, sind die zunächstliegendsten, absolut nothwendigsten Massregeln, welche die um Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit kämpfende Arbeiterschaft schon während des revolutionären Kampfes zu ergreifen hat.

Die Idee der Verwandlung des Privateigenthums in Gemeineigentum, sowie der sozialen Gleichberechtigung ist bereits heute schon der Zielpunkt der klassenbewussten Arbeitermassen aller Länder geworden, aber es handelt sich hier um diejenigen Massregeln, durch welche dieses Ziel erreicht werden soll. Und da trennen sich leider die Meinungen bis zu den extremsten Gegensätzen. Während z.B. die Sozialdemokraten behaupten: die Arbeiterschaft habe sich zunächst der politischen Macht der bestehenden Staatsorganisationen zu bemächtigen und durch dieselbe die wirtschaftliche Umgestaltung vorzunehmen, stehen wir Anarchisten auf dem Standpunkte: die Arbeiterschaft habe zunächst die wirtschaftliche Umgestaltung, d.h. die Besitzergreifung der sozialen Güter (wie Grund und Boden, Rohmaterial, Maschinen, Werkzeuge, Fabriken, Häusern, fertigen Waaren etc. etc.) zu Gunsten der Gesammtheit vorzunehmen und die gesammte Staatsorganisation — mithin auch die damit verbundene politische Macht — zu zerstören.

Wie man sieht, stehen sich diese beiden Bestrebungen über die zunächst zu ergreifenden Massregeln bei der kommenden Revolution diametral gegenüber, und sie müssen notwendigerweise schon im Augenblicke des Sieges über die heute herrschenden Klassen zu einem mörderischen Bruderkriege der revolutionären Arbeiterschaft untereinander führen, wenn diese Frage nicht bereits vorher unter der revolutionären Arbeiterschaft genügend ventilirt ist, damit dieselbe darüber eine einheitliche Idee gewinne.

Die Wichtigkeit dieser Frage ist in die Augen springend. Von ihrer Entscheidung hängt nach unserer Meinung der endliche Sieg, oder die abermalige Niederlage der Sache des Volkes bei der kommenden Revolution ab.

Wir Anarchisten sind von der tief innersten Ueberzeugung durchdrungen, dass das Autoritätsprinzip in der gesellschaftlichen Organisation der tödtlichste Stachel für die Freiheit der Völker ist; und jede Staatsorganisation, einerlei welchen Namen dieselbe trage, hat das Prinzip der Autorität zu ihrer Basis. Wir bekämpfen daher den Staat nicht in seiner Form, sondern in seinem Wesen, mithin stehen wir dem sozialdemokratischen Staate ebenso feindlich gegenüber als wie dem Feudal- oder Bourgeoisstaate. Wir wissen, dass die Sache der Völkerfreiheit in dem Momente abermals verloren ist, in welchem sich irgend eine staatliche Autorität der Revolution bemächtigt, um dieselbe nach den Köpfen einzelner Personen — und wären es selbst die Besten aus der Mitte des Volkes gewählt — zu lenken und zu leiten, weil die soziale Umgestaltung nur durch die Völker selbst und ihre eigene Initiative vollzogen werden kann. Wir wissen, dass die politische Macht eines Staates nicht in den Händen des gesammten Volkes ruhen kann, sondern immer und unter allen Umständen in den Händen einzelner Personen. Und wir halten es für einen Selbstmord, wenn ein Volk oder Völker ihr eigenes Geschick, ihre eigene Macht in die Hände einzelner Personen legen.

Der sozialdemokratische, resp. autoritär-sozialistische Standpunkt über die zunächst zu ergreifenden Massregeln der Arbeiterschaft ist somit eine doppelte Gefahr für die soziale Revolution.

1) Ist jede staatliche Autorität überhaupt unfähig die gesellschaftliche Umgestaltung aus eigener Initiative vorzunehmen, wenn dieselbe nicht von den Volksmassen vollzogen wird (und dann ist sie überflüssig); sie dient aber den herrschsüchtigen Elementen der Gesellschaft, besonders aus den heute herrschenden Klassen, dazu, diese Macht zur abermaligen Knechtung des Volkes zu benützen und ein neues Herrschaftssystem auf den Trümmern des alten zu errichten.

2) Würden die anarchistisch gesinnten Arbeiter sofort gegen die Begründer einer neuen Staatsorganisation aus den soeben angeführten Gründen Front machen und machen müssen, wollten sie nicht zu Verrätern an ihrer eigenen Ueberzeugung und an ihren Idealen werden. Dieselben hätten aber auch ebensowenig Rücksicht und Schonung von den an der Macht befindlichen autoritären Sozialisten zu erwarten, wie die Herbertisten, Maratisten etc. von den Jacobinern bei der grossen französischen Revolution. Kurz die unvermeidliche Folge würde ein gegenseitiges Abschlachten des revolutionären Volkes unter einander sein. Die beste Gelegenheit für die Reaction, ihre Schreckensherrschaft aufs neue und grausamste zu begründen.

Dagegen bietet der Standpunkt, welchen wir Anarchisten in dieser Frage einnehmen, absolut keine Gefahr einer Reaction, weil keine Macht der Erde dem Volke die von der herrschenden Raubgesellschaft expropriirten Güter wieder zu entreissen vermag, um so weniger, wenn der Staat und die nothwendiger Weise damit verbundene politische Macht zertrümmert sind. Der soziale Verkehr bedarf keiner autoritären Institution, der wird sich — wie wir später noch zu zeigen Gelegenheit haben werden — ganz von selbst nach Bedürfniss und Zweckmässigkeit durch die Interessenten vollziehen.

Die revolutionäre Arbeiterschaft — welcher Schule oder Partei dieselbe auch angehört — ist sich der Notwendigkeit der Besitzergreifung der sozialen Güter zu Gunsten der Gesammtheit längst bewusst, die Idee der Gütergemeinschaft bricht sich bereits in der grossen Masse Bahn; warum daher nicht das einfachste und sicherste Mittel ergreifen, um diese Idee zu verwirklichen? Warum eine Autorität (Regierung) mit einer Sache betrauen, welche nur vom Volke selbst gut und sicher gemacht werden kann ?

Das fragen wir alle Jene, welche noch immer im Schlepptau des autoritären Sozialismus gezogen werden.

III.

Die autoritären Sozialisten behaupten, die politische Emanzipation müsse der ökonomischen vorangehen. Für diese Behauptung stützen sie sich wie gewöhnlich auf ihre "Wissenschaft," nach welcher es als eine nothwendige Folge der geschichtlichen Entwickelung sei, dass sich die Arbeiterschaft ihre politische Freiheit durch die Besitzergreifung der politischen Macht erringe, um, wie schon ausgeführt, sich auch ihre ökonomische Freiheit zu begründen.

Diese Theorie wurde jedoch von den Anarchisten schon längst als falsch verworfen. Sie betrachten die ökonomische Unabhängigkeit der Menschen als die Grundlage aller sozialen Freiheit und Gerechtigkeit, ohne welche jede Freiheit in der Gesellschaft undenkbar, ein Phantom bleibe, und zwar aus sehr leicht begreiflichen Gründen.

Die Geschichte beweist, dass die Völker im gleichen Grade an persönlicher Freiheit verloren, in welchem sie ökonomisch entrechtet, das heisst von dem Besitz und Genüsse der sozialen Güter beraubt wurden. Und gerade die Geschichte der Neuzeit beweist auf das Schlagendste, wie die politische Macht mit dem Eigenthum und Eigenthümern unzertrennlich verbunden ist. Das selbe beweist aber auch die Geschichte des Alterthums und des Mittelalters. Zu allen Zeiten war die politische Macht in den Händen der besitzenden Klasse. Der Sklave durfte und konnte kein Eigenthum erwerben und war rechtlos: ebensowenig kann der Leibeigene oder Hörige als Eigenthümer betrachtet werden und seine persönliche Freiheit — wenn von einer solchen überhaupt die Rede sein kann — war von seiner ökonomischen Lage abhängig. Und so bis zum modernen Lohnsklaven, dessen persönliche Freiheit genau so weit reicht als er ökonomisch unabhängig ist. Die Form der Sklaverei hat sich allerdings verändert, aber dem Wesen nach ist sie genau dasselbe geblieben wie im grauen Alterthum. Der moderne Lohnsklave darf heute ebensowenig persönliche Freiheit gemessen, wie sein antiker Klassenbruder. Was damals durch die Lederpeitsche erreicht wurde, wird heute durch die Hungerpeitsche besorgt. Kurz, die Geschichte hat kein einziges Beispiel aufzuweisen, wo die Besitzlosen, die Arbeiterklasse, mit dem Besitzenden sozial gleichberechtigt gewesen, oder auch nur jemals im Stande gewesen wären, sich der politischen Macht zu bemächtigen. Im Gegentheil beweisen alle Revolutionen und Aufstände, dass das rebellirende Volk stets da am erfolgreichsten war, wo es vor allen Dingen auf die Besitzergreifung der in seinem Bereiche liegenden Güter bedacht war. Dagegen niemals etwas an persönlicher Freiheit gewann, wo es nur die politische Macht zu erobern suchte.

Es wird sehr häufig von autoritär-sozialistischer Seite behauptet, die Bourgeoisie habe sich durch die bei der grossen französischen Revolution errungene politische Macht ökonomisch frei gemacht, während gerade das Gegentheil der Fall ist. Die noch in ihren Keimen befindliche Bourgeoisie, der damalige Handwerker und Handelsstand, war bereits vor der Revolution ökonomisch unabhängig. Der Adel mit dem Fürstenthum an der Spitze war ökonomisch bankerott, an den Handelsund Gewerbestand finanziell verschuldet und dadurch politisch machtlos, so machtlos, dass er der Bürgerklasse einen Platz an der Herrschaft einräumen musste! Und das, was das Volk, die grosse Masse der Enterbten, durch die Revolution von 1789-93 gewann, blieb auf jenen Theil beschränkt, was sie an ökonomischen Gütern von Adel und Pfaffen expropriirten.

Was ist "politische Freiheit?" — Ein vager, unbestimmter Begriff einer Summe von persönlichen Rechten innerhalb einer Gesellschaftsorganisation, auf der Basis des Herrschaftsprinzipes. Nur Herrscher bestimmen das Mass der persönlichen Freiheit des Volkes, d.h. sie beschränken die persönliche Freiheit des Individuums, und den Spielraum innerhalb dieser Schranken nennt man "politische Freiheit."

Das revolutionäre Volk von heute will sich aber seine persönliche Freiheit nicht mehr beschränken lassen, es will nicht mehr beherrscht werden; es kämpft um volle und ganze Freiheit, und da kann von einer "politischen" Freiheit keine Rede mehr sein. Sein nächstes Ziel ist die Sicherung seiner ökonomischen Unabhängigkeit, durch welche seine persönliche Freiheit ganz von selbst zur Geltung kommen wird.

IV.

Eine andere wichtige Frage für die Arbeiterschaft ist die: wie und auf welche Art und Weise die ökonomische Unabhängigkeit des Individuums gesichert werden kann?

Auch hier stehen sich die Meinungen nicht nur zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten, sondern auch zwischen den anarchistischen Collectivisten und kommunistischen Anarchisten diametral gegenüber.[2] Man ist vielfach geneigt, diese Frage als eine nebensächliche zu betrachten, über welche zu streiten der zukünftigen Gesellschaft überlassen bleiben solle; wir betrachten dieselbe jedoch als eine der wichtigsten Prinzipienfragen, von deren Lösung der Sieg oder die Niederlage der sozialen Revolution mit abhängig ist.

Nach den Collectivisten soll "Jeder nach seinen Leistungen" gemessen, während unsere Devise "Jeder nach seinen Bedürfnissen" lautet.

Versetzen wir uns einen Augenblick in die Situation der sozialen Umgestaltung: die Arbeiterschaft ist sich der Nothwendigkeit der Besitzergreifung aller vorhandenen Güter bewusst: Grund und Boden, Rohprodukte, Fabriken, Maschinen, Minen, Transportmittel, Gebäude, Genussmittel etc. etc. sind als Gemeingut erklärt und sollen vom Volke benützt werden. Die überwiegende Mehrheit stände auf dem Standpunkte, dass Jeder nur "nach seinen Leistungen" zu gemessen berechtigt sei — was durch die schön klingende Phrase: "Keine Rechte ohne Pflichten" motivirt und keine Pflichten ohne Rechte beschönigt wird.

Die nächste Folge müsste eine allgemeine Werthschätzung aller Genussmittel und — was noch wichtiger — eine Werthschätzung der Leistungen jedes einzelnen Individuums sein, damit die Summe seiner "berechtigten" Genussansprüche bemessen werden kann. Wer soll, fragen wir da, diese Werthschätzungen vornehmen? Das in Revolution befindliche Volk? Das hat in solchen Zeiten keine Zeit zu Dingen, welche unter stabilen Verhältnissen langer und peinlicher statistischer Zusammenstellungen und Berechnungen bedarf. Eine speziell hierfür eingesetzte Delegation, deren Competenz von jedem Einzelnen bestritten werden kann? Diese kann ihre Entscheidungen nur dann zur Durchführung bringen, wenn sie mit allen autoritären Machtmitteln ausgerüstet die Unzufriedenen zu deren Annahme zwingen kann. Aber noch bevor eine solche Commission zu Resultaten kommt, hat das Volk seine Bedürfnisse zu befriedigen. Sofort, in derselben Stunde der Besitzergreifung der sozialen Güter, müssen diese Bedürfnisse befriedigt werden. Oder sollen in der Zwischenzeit die sozialen Güter einer Verwaltungscommission übergeben werden, welche je nach Laune, oder nach "gleichem" Mass und Gewicht, z. B Jedem 2 Hemden, 1 Rock, 1 Pfund Fleisch u.s.w. vertheilt? Wäre nicht in jeder dieser Eventualitäten die Basis einer neuen Herrschaft gelegt, welche die persönliche Freiheit des Individuums mit Füssen tritt? Und jeder Einzelne hätte das Recht, gegen eine solche Entschädigung resp. Entlohnung nach seinen Leistungen zu rebelliren, indem er der Gesellschaft zuruft: "Ihr habt kein Recht, meine Genüsse nach meinen Leistungen zu beschränken und mich so persönlich für die Sünden der Gesellschaft verantwortlich zu machen. Denn, wären meine Eltern nicht durch das schmachvolle Sklavenjoch physisch und geistig verkrüppelt worden, wäre meine körperliche und geistige Entwickelung nicht schon im Mutterleibe verkrüppelt, würde auch ich leistungsfähiger sein! Und was könnten die Herren Cellektivisten darauf antworten ? — Nichts!

Das "Jeder nach seinen Leistungen" ist nichts als eine Modification des bestehenden Lohnsystemes, die Basis einer neuen Klassengesellschaft der von der Natur und den gesellschaftlichen Zuständen ohne ihr eigenes Dazuthun Begünstigten und Vernachlässigten. Ein Hohn gegenüber den Grundsätzen sozialer Gerechtigkeit. Gleichzeitig wird damit das Prinzip der individuellen ökonomischen Unabhängigkeit von seinen Nebenmenschen aufgehoben. Anstatt dem Individuum seine ökonomische Freiheit zu garantiren, müsste dieses System zur ökonomischen Knechtschaft führen. Was uns jedoch in diesem Kapitel am meisten interessirt, ist: dass dieses Prinzip während der Periode der sozialen Umgestaltung absolut undurchführbar, weil ungerecht, ist. Es ist theoretisch die denkbar komplizirteste Gesellschaftsorganisation immer neue Complizirungen und Verwickelungen schaffend, während dasselbe praktisch überhaupt undurchführbar ist, weil unvereinbar mit der individuellen Freiheit.

Die Gesetze des gesellschaftlichen Lebens bewegen sich nicht vom Complizirten zum Einfachen zurück, sondern umgekehrt vom Einfachen zum Complizirten hinauf.

Nach vollzogener Expropriation hat Niemand — weder Majoritäten noch Minoritäten — ein besonderes Recht über die sozialen Güter zu verfügen, dieses Recht steht Allen und Jedem ungetheilt und unbeschränkt zu. Jeder geniesst davon nach Bedürfniss und wo immer der Vorrath nicht hinreicht, die Bedürfnisse zu befriedigen, wird dies den Betreffenden ein Sporn zur Beschaffung eines genügenden Quantums sein. In Fällen, wo dies durch Verhältnisse und Umstände unmöglich ist, wie gerade in revolutionären Perioden, da ist auch eine Vertheilung nach "Leistungen" unmöglich und der Genuss wird auf Grund freier Verständigung rationirt, wie dies noch in allen solchen Fällen in so edelsinniger Weise vom Volke geübt wurde, ohne auch nur den geringsten Widerspruch zu erwecken.

Die Volksmassen haben sich noch immer in Zeiten grösser Bedrängniss in der erhabensten Solidarität und Opferwilligkeit gezeigt und wie es z.B. während der Pariser Commune zu Gunsten der Kranken, Verwundeten und Schwachen auf den Genuss von Milch, Fleisch etc. verzichtete so wird es auch in Zukunft seine Genüsse gern freiwillig beschränken, wenn einzelne Produkte nicht hinreichend vorhanden, die Bedürfnisse Aller zu befriedigen. Wo genügend Produkte vorhanden sind, ist jede Genussbeschränkung des Einzelnen eine Vergewaltigung.

Der denkende Leser wird daraus bereits zu der Einsicht gekommen sein, dass die Frage des Genussrechtes einen integrirenden Theil der sozialen Revolution selbst bildet, von deren Entscheidung die Basis der zukünftigen Gesellschaftsform abhängt.

Wir werden in unserem nächsten Artikel noch eingehender darauf zurückkommen und die verschiedenen Einwände gegen den "Genuss nach Bedürfniss" widerlegen.

V.

Bevor wir auf die einzelnen Fragen über das Genussrecht des Individuums eingehen, wird es nöthig sein, uns über die Frage des persönlichen Verdienstes des Individuums klar zu werden.

Die bestehende Gesellschaft befindet sich hierbei — wie in allen anderen sozialen Beziehungen der Menschen untereinander — in einem Zustande entsetzlichster Anomalie. Sie umklammert das Individuum durch ihre autoritäre Organisation geistig und moralisch mit eisernen Armen, so dass dasselbe in allem seinem Thun und Lassen beherrscht wird, und doch macht sie das Individuum für sein Thun und Lassen verantwortlich! Während sie einer Klasse, einer verschwindenden Minderheit, alle Mittel und Gelegenheiten zur Entfaltung menschlicher Fähigkeiten zur Verfügung stellt und derselben ein Vorrecht auf die Genüsse der gesellschaftlichen Güter giebt, entlieht sie der andern Klasse, der grossen Mehrheit, alle Mittel und Gelegenheiten ihre Talente und Fähigkeiten zu entfalten, und entzieht ihr dafür das Anrecht auf den Genass der gesellschaftlichen Güter. Was aber das Schlimmste dabei ist: das allgemeine Rechtsbewusstsein der Menschen hat dermassen unter diesen Zuständen gelitten, dass man es ganz in der Ordnung findet, wenn die sogenannten "höheren" Thätigkeiten mit einem höheren Anrecht auf den Genuss der sozialen Güter verbunden sind.

Man findet es z.B. selbst unter der Arbeiterklasse als etwas ganz Selbstverständliches, wenn der Arzt, der Professor oder der Jurist etc. (ganz abgesehen von den grossen Drohnen der Gesellschaft wie Fürsten, Couponabschneider, Pfaffen u.s.w.), wenn diese "geistigen" Arbeiter zehnmal mehr Genussansprüche machen als der geschickteste Handwerker. Dem einzelnen Individuum wird also damit ein besonderes Verdienst, ein Vorrecht zuerkannt, was gar nicht sein persönliches Verdienst ist.

In der Regel wird dieses Vorrecht durch die verausgabte grössere Lebensthätigkeit zur Vorbereitung und Ausbildung für diese "höheren" Berufszweige motivirt, und vergisst dabei, dass diese Ausbildung auf Kosten der gesellschaftlichen Güter — geistiger und materieller — gemacht wurden. Je länger die Ausbildung zu einem bestimmten Berufe dauert, je mehr Kosten und Wissen zu dieser Ausbildung erforderlich sind, desto grösser ist die Summe der gesellschaftlichen Güter, welche das betreffende Individuum in sich aufgesaugt hat, und in Folge dessen ist auch die Summe der der Gesellschaft zu leistenden Dienste, welche der Betreffende zu leisten moralisch verpflichtet ist, eine um so grössere. Nie und nimmer aber geben sie ihm ein Vorrecht gegenüber seinen Nebenmenschen, dessen Arbeitsfrüchte er während der Zeit seiner Ausbildung genossen hat. Zudem soll die Wahl eines Berufes, eine Sache persönlicher, individueller Neigung und Anlagen sein. Heute ist sie eine Sache des Klassenvorrechtes, gehegt und gepflegt zur Erhaltung der Klassenherrschaft.

Bildet der Beruf des Arztes, des Professors etc. kein höheres persönliches Verdienst, als wie der Beruf des Feldarbeiters, des Bergarbeiters, Schusters etc., so ist auch jedes Vorrecht in den Genussansprüchen eine Ungerechtigkeit. Selbst dem Genie oder aussergewöhnlich talentirten und leistungsfähigen Individuum steht ein solches Vorrecht nicht zu, weil Genie und Fähigkeiten nicht persönliche Verdienste sind, sie sind eine Summe menschlicher, jahrtausender langer Kulturarbeit auf einzelne Individuen — ohne deren Dazuthun — übertragen, und somit ein Theil allgemeiner gesellschaftlicher Güter. Und wo Jeder nach seinen Bedürfnissen geniessen kann, werden Genies und Talente nicht verkümmern.

* * *

Wenn wir uns die mannigfaltigen Berufszweige der menschlichen Gesellschaft betrachten, so finden wir, dass die Theorie von dem "Genuss nach Leistungen" überhaupt undurchführbar ist, ohne die Grundsätze der Gleichheit und Gerechtigkeit zu verletzen. Die durchschnittlich nothwendige Arbeitszeit, als Massstab der Werthschätzung von Produkten und Arbeitsleistungen, lässt sich auf die, der Gesellschaft nützlichen und nothwendigen intellektuellen Thätigkeiten gar nicht anwenden. Wie kann z.B. die Thätigkeit der Aerzte, Apotheker, Botaniker, Chemiker, Lehrer, Techniker, Gelehrter und Schriftsteller, Künstler aller Branchen etc. etc. nach durchschnittlicher, nothwendiger Arbeitszeit bemessen werden, um deren Genüsse nach ihren Leistungen festzustellen? In der Regel sucht man über diese Frage mit der Phrase hinwegzugehen: "das soll der zukünftigen Gesellschaft überlassen bleiben zu entscheiden." Allein diese Frage wird eine sofortige Entscheidung verlangen, sobald das bestehende Wirtschaftssystem gestürzt ist. Sollten diese Berufszweige gegenüber anderen in dem Genussrechte begünstiget werden, wäre der Grund zu einer neuen Klassenbildung, und damit zu einer neuen Klassenherrschaft gelegt. Die intellektuellen Berufszweige auf ein gleiches Niveau mit den manuellen zu stellen, steht mit dem Grundsatze: "Jedem nach seinen Leistungen" im Widerspruch. Kurz, endlose Fehden und Kriege der verschiedenen Berufszweige untereinander würde die Folge sein. Stoff und Gelegenheit für die Contre-Revolution!

Das Hauptargument gegen das: "Jedem nach seinen Bedürfnissen" bildet die angeblich angeborne Arbeitsscheu der Menschen: "Wenn Jeder nach seinen Bedürfnissen geniessen kann, wird Niemand arbeiten und nur geniessen wollen, die Folge werde ein Zurücksinken in die Barbarei sein, in welcher der Stärkere über den Schwächeren Sieger bleibe." Diese "angeborene" Arbeitsscheu besteht jedoch nur in der Phantasie der betreffenden Opponenten. Denn wäre dieselbe dem Menschen wirklich angeboren, so wäre die Menschheit niemals aus der Barbarei herausgekommen. Vielmehr ist den Menschen die Arbeitslust angeboren, sie würden sonst nicht, fast ausschliesslich für eine kleine Anzahl Drohnen arbeiten, sich gutwillig die Früchte ihrer Arbeit wegnehmen und sich obendrein noch alle Schmach und Misshandlung dafür gefallen lassen.

Die heutige Arbeitsscheu hat ihre Ursachen zum Theil in der Schmach, welche auf der Arbeit lastet, und zum anderen Theil in den Ehren und Prämien, welche der durch die bestehenden Institutionen sanktionirte Müssiggang erhält. Man beseitige diese Ursachen, bringe die Arbeit zu Ehren und den Müssiggang zu Schmach, und es wird keine Müssiggänger mehr geben! Die Bedürfnisse der Menschen werden der Sporn zur Thätigkeit sein, um dieselben befriedigen zu können. Die Bedürfnisse sind die Triebfedern menschlicher Thätigkeit, zur Harmonie, Kultur und Fortschritt. Das Recht auf Genuss nach Bedürfniss ist die einfachste und einzig sofort praktisch durchfuhrbare Form des wirtschaftlichen Lebens an Stelle des Bestehenden, und gleichzeitig die sicherste Garantie der individuellen Freiheit und ökonomischen Unabhängigkeit.

VI.[3]

Wie das Gespenst der "angebornen Faulheit," so spukt auch das Gespenst nur in der, von Vorurtheilen kranken Phantasie unserer Opponenten: "Die Menschen würden alle bei freiem Genuss nach Bedürfniss Champagner trinken, Trüffeln essen, spielen, jagen, reisen etc. wollen, und die produktiven, zum Leben nothwendigen Arbeiten würden vernachlässigt werden. Man würde sich um die seltenen, schwer zu beschaffenden Genüsse streiten und die unangenehmen Arbeiten zu thun verweigern. Der Starke wird im Genuss wie in der Arbeitsleistung über dem Schwachen im Vortheile sein, ergo — so wird gefolgert — ist die Folge Barbarei; oder man wird sich genöthigt sehen, irgend eine Autorität — ein Etwas — einzusetzen, was alle diese Dinge regelt."

Man blicke doch einmal hinein in’s volle Menschenleben und die beste Antwort findet sich da von selbst. Da ist ein Hochzeitsschmauss wohlhabender Bauern, duftende Braten, köstliche Getränke und leckere Bissen aller Art stehen in Hülle und Fülle zum Genüsse bereit; auch lustige Weisen, fröhliche Lust würzet das Mahl. Und siehe! sobald sie nach Lust geschmaust, gezecht und gejauchzt, tritt Ueberdruss ein, und besser schmeckt wieder die kernige Kost, der labende Trunk aus sprudelndem Quell, und man geht erleichtert, dass das Fest vorüber, der gewohnten Beschäftigung nach.

Man nehme Landarbeiter aus Meklenburg, Pommern, Baiern, Schwaben, Böhmen, Steiermark, Ungarn, der Normandie, Gascogne, aus Andalusien oder Posen, kurz aus welcher Provinz immer, oder Industriearbeiter aus irgend einer Stadt oder einem Industrie-Orte und setze sie in ein mit allem Luxus ausgestattetes Palais, mit lukullisch gefüllter Küche und Keller, und es werden sich von hundert neunundneunzig unbehaglich, ja unglücklich darin fühlen und mit Sehnsucht und Freude lieber nach ihrer traulichen Stube, nach einer bescheideneren, ihrer Gewohnheit entsprechenderen Umgebung zurückkehren. Wo Mangel, wünscht man Besserung, aber keine Extreme. Ja freilich — wird man uns sagen — aber der Mensch gewöhnt sich allmählich auch an den Gegensatz des Gewohnten; allein damit haben wir es hier nicht zu thun. Es genügt, dass sich die Menschen mit der Befriedigung der gewohnten Bedürfnisse nach der Vernichtung der bestehenden "Ordnung" zufrieden geben. Bis sich ihre Bedürfnisse soviel gesteigert haben, ist eine solche ungeheuere Revolution in allen sozialen Einrichtungen und besonders der ökonomischen, vor sich gegangen, dass jene Gespenster erst recht nicht mehr zu fürchten sind.

Wie viele tausend Menschen finden am Champagner keinen besondern Geschmack, haben einen förmlichen Ekel vor Austern und Trüffeln und fühlen nur vorübergehend Freude am Reisen und Jagen. In der That reizt den Menschen das am meisten, was er nicht haben kann; sobald es ihm zum Genusse frei steht, ist er desselben bald überdrüssig oder er fühlt nur in der Abwechslung Befriedigung. Warum haben die Menschen so verschiedenen Geschmack ? Warum trägt nicht Jeder Kleider nach einer besonders schönen Façon, von besonders schönem Stoff, wenn es ihnen selbst heute die Mittel erlauben? Warum geht nicht Jeder in’s Theater, zu einem schönen Conzert, selbst wenn es ihnen Zeit und Verhältnisse erlauben ? u.s.w. u.s.w. Die Antwort ist: weil nicht Jeder dasselbe liebt. Weil Geschmack und Bedürfnisse der Menschen unendlich mannigfaltig und verschieden sind, und sich fortwährend vermehren und verändern. Und diese Mannigfaltigkeit der Bedürfnisse kann nur im freien Genüsse befriedigt werden.

Aber, gerade der Reiz, diese mannigfaltigen Bedürfnisse zu befriedigen, ist die mächtigste Triebkraft der menschlichen Thätigkeit. Und da die härtesten und oft schmutzigsten Arbeiten gerade zur Befriedigung der nothwendigsten Bedürfnisse dienen, so gehört in der That eine sehr kranke Phantasie dazu, zu befürchten, diese Arbeiten würden bei vollster individueller Freiheit nicht gemacht werden, oder der physisch Stärkere würde den Schwächeren dazu zwingen. Im Gegentheil, gerade durch den freien Genuss und die vollste individuelle Freiheit sind alle Jene, welche die sogenannten "unangenehmen" Arbeiten verrichten, mit denen, welche die "angenehmen" verrichten, sozial vollständig gleichgestellt, und da auch in den menschlichen Thätigkeiten die Neigungen ebenso verschieden, wie bei den Genüssen sind, werden sich in Hülle und Fülle Leute finden, die an solchen Arbeiten Freude haben. Die thatsächlich empfundenen Unannehmlichkeiten werden ein mächtiger Sporn sein, dieselben durch technische Hilfsmittel auf Null zu reduziren.

So treibt in diesem grossen, complizirten Mechanismus des sozialen Lebens ein Rad das andere. Und — wir können dies nicht genug betonen — diese Harmonie des sozialen Lebens ist kein idealer Traum der Anarchisten, ist kein spezifischer Theil des Anarchismus als solcher, sondern ist aktuelle Wirklichkeit, Fleisch und Blut, ist das natürliche Bewegungsgesetz der menschlichen Entwickelung überhaupt. Die bestehenden sozialen Einrichtungen als Autorität, Herrschaft, Gesetze, Eigenthum etc. sind künstlich geschaffene Schranken dieses natürlichen Bewegungsgesetzes, Hindernisse der menschlichen Entwickelung. Der Anarchismus hat damit nur soviel zu thun, dass er dieses natürliche Bewegungsgesetz erforscht, herstellt und — so traurig als es zu sagen ist — seine Existenz den Völkern zum Bewusstsein, bringt.

Wahrlich, es ist eine sehr bedauerliche Sache, dass wir uns noch über diesen Punkt herum streiten müssen. Aber so lange den Menschen die elementarsten socialen Bewegungsgesetze ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch sind, so lange die Menschen das sociale Leben nur durch die Brille stupiden Aberglaubens und knechtischer Vorurtheile betrachten, wird Tyrannei und Knechtschaft triumphiren und wir müssen, wohl oder übel, gegen diesen Aberglauben und diese Vorurtheile ankämpfen.

* * *

Wir glauben, dass das bisher Ausgeführte genügen dürfte, jedem denkenden Leser die Wichtigkeit der Trage über das Genussrecht am Tage der Zerstörung der alten Gesellschaft vor Augen geführt zu haben. Und Jeder, der in der socialen Revolution nicht nur eine gewaltsame internationale Zerstörung der bestehenden Herrschaftsform, sondern eine gründliche und endgiltige Umgestaltung des alten Gesellschaftssystems erblickt, der wird mit uns darüber einig sein, dass der freie Genuss nach Bedürfniss den natürlichen socialen Bewegungsgesetzen nicht nur logisch, sondern auch praktisch entspricht. Gleichzeitig ist aber auch die Anwendung dieses Grundsatzes die einzige Garantie der ökonomischen Unabhängigkeit des Individuums und somit eine der wichtigsten Massregeln zur Sicherung des Sieges der socialen Revolution.

VII.

Nebst der Sicherstellung der ökonomischen Unabhängigkeit, nach der Zerstörung der alten ökonomischen Welt, durch eine rationelle Vergesellschaftlichung der sozialen Reichthümer nach dem Grundsatz des unbeschränkten Benutz- und Genussrechts für jedes Individuum, ist — soll die nächste Revolution eine soziale werden — eine andere eben so wichtige Massregel zu ergreifen: die Verhinderung jedweder Regierungsform. Diese Massregel ist eigentlich von der ersteren ganz unzertrennlich, weil die eine die andere bedingt, denn so lange es noch irgend eine Form der Herrschaft gibt, wird es kein freies Benutz- und Genussrecht der sozialen Güter geben, und so lange das Individuum nicht ökonomisch vollständig unabhängig ist, so lange gibt es auch keine soziale Freiheit.

Die Verhinderung jedweder Regierungsform, oder nennen wir es die Sicherung der sozialen Unabhängigkeit, wird bei der bevorstehenden Revolution eben so schwierig sein als die der ökonomischen. Während die Vorurtheile über das Privateigenthum dank der langjährigen, ausdauernden und gründlichen Kritik aller sozialistischen Schulen in den Volksmassen gebrochen oder doch vollständig erschüttert wurden und so die Idee der Gütergemeinschaft als logisch nothwendige Folge den modernen revolutionären Bewegungen ihre Signatur aufdrückt, wuchern die Vorurtheile über die "Nothwendigkeit irgend einer Regierungsform" in der üppigsten Weise in den Volksmassen, ja selbst bis in die fortgeschrittensten Kreise hinein, ruhig fort. Die individuelle Freiheit ist den meisten Sozialisten noch ein platonisches Ideal, wie der revolutionären Bourgeoisie die bürgerliche Gleichheit, durch Gesetze und Codexe reglementirt und paragraphirt. Ja Viele gehen noch weiter, indem sie selbst das Princip der individuellen Freiheit bekämpfen, angeblich — weil dieselbe mit den Interessen der Gesammtheit unvereinbar sei! —

Fragen wir diese Leute, wie sie die Beziehungen der Individuen durch Gesetze reglementiren und paragraphiren wollen, wer das thun soll, so sind sie sofort mit der Antwort bereit: "Durch das allgemeine Rechtsbewusstsein des Volkes, durch das Volk, die Gesammtheit." Wir lassen uns jedoch nicht mit schönen, aber hohlen Phrasen abspeisen und zeigen auf die unendliche Verschiedenheit im Rechtsbewusstsein der Individuen, wie jeder Stand, jedes Land, jede engere Gemeinschaft, ja jeder Einzelne je nach seiner Veranlagung, nach seiner Umgebung, kurz, je nach den Einflüssen auf sein Seelenleben und verschiedenen Gesichtspunkten andere Begriffe über das, was in den respectiven Fällen Recht oder Unrecht sei, hat, und wir fragen, wie dieses so mannigfaltige, sich widersprechende Rechtbewusstsein der Gesammtheit von dieser selben Gesammtheit für die Gesammtheit rechtlich giltig codifizirt und paragraphirt werden kann, so sind die guten Leute mit ihrem Latein zu Ende. Denn was man uns da antwortet, wird uns auch jeder Bourgeois antworten: "Man kann nicht Jedem Recht thun ..." , "die Minderheit muss sich der Mehrheit fügen ..." Und man gibt schliesslich auch zu, dass sich nicht alle sozialen Beziehungen der Individuen untereinander paragraphiren lassen; "man wird nur die hauptsächlichsten Punkte, die einen mehr allgemeinen Charakter tragen und über die bereits allgemein anerkannte Rechtsbegriffe herrschen, feststellen."

Allein wir Anarchisten lassen uns damit nicht abfertigen, wir sind nun einmal solche "exaltirte Querköpfe" und erwidern: dass eine gerechte Gesellschafts-Organisation allen ihren Mitgliedern gerecht werden muss oder doch jedem Einzelnen das Recht einräumen, nach seiner Ueberzeugung zu leben; dass die Herrschaft der Mehrheit Unterdrückung der Minderheit bedeutet, mithin ungerecht ist; wir zeigen durch unzählige Beispiele, wie durch Unverstand, Vorurtheile, Intriguen, Sophistik und allerhand betrügerische Einflüsse das Urtheil der Masse getrübt wird und so Majoritäten von interessirten Personen gewonnen werden, das Recht zum Unrecht und Unrecht zum Recht zu machen. Wo aber über Punkte "allgemein anerkannte Rechtsbegriffe'' herrschen, ist jede Codifizirung und Paragraphirung vollständig überflüssig, weil da die Individuen ohnehin aus eigener Initiative nur so handeln, wie es ihren eigenen und den allgemein anerkannten Rechten entspricht.

Bis hierher haben wir jedoch immer noch die Voraussetzung gelten lassen, dass das Volk, die Gesammtheit — wie es immer heisst — die betreffenden Gesetze mache. Ist die Gesammtheit aber überhaupt im Stande, die Gesetze machen zu können? Wir sagen Nein! und mit uns wahrscheinlich auch alle Sozialisten.

Wie wir schon oben gesagt, sind die Meinungen über Recht und Unrecht je nach herkömmlichen Gewohnheiten, Sitten, intellectuellen Fähigkeiten und Einflüssen unendlich verschieden. Nun sollen diese Menschen aber über irgend einen Punkt entscheiden, was Recht oder Unrecht ist, um das Resultat zu einem allgemein gütigen Gesetz zu machen. Wenn diese Menschen nichts weiter thun würden als diskutiren, so würden sie in zehn Jahren noch nicht über einen Punkt einig sein. — Selbst angenommen, es wäre möglich, die Gesammtheit auf einmal und an einem Orte zu versammeln, was unmöglich ist — zudem haben die Menschen auch an tausenderlei andere Dinge zu denken und zu arbeiten. Die Sozialisten denken auch gar nicht daran, auf diese Weise Gesetze zu machen; sie sind von der Unmöglichkeit, dass die Gesammtheit Gesetze machen kann, ebenso überzeugt wie wir; sie machen es einfach wie die Bourgeoisie und lassen die Gesammtheit "Repräsentanten" wählen, die die spezielle Aufgabe haben, darüber zu entscheiden, was Recht oder Unrecht ist, und — vorausgesetzt, das Resultat der Wahlen ist wirklich der Ausdruck der Volksmeinung d.h. dass jeder Gewählte die Meinung der Mehrheit seiner Wähler vertritt — also an und für sich schon ein verkrüppelter Willens- und Meinungsausdruck der Gesammtheit — so haben wir dasselbe Spiel im Kleinen, was die Berathungen der Gesammtheit im Grossen wären: ein Babylon berechtigter, doch heterogenster Meinungen, endloser Discussionen, Parteibildungen und Parteikämpfe mit allen deren Lastern und schlimmen Folgen, bis die eine oder die andere sich mächtig genug fühlt, ihren Willen durchzusetzen und Institutionen zum Schutze und zur Anerkennung ihrer Gesetze zu schaffen. Die in ihren Rechten verletzte Minorität will sich das nicht gefallen lassen, widersetzt sich, die stärkere greift zu Gewaltmitteln — selbstverständlich immer im Interesse der Gesammtheit — um die Widerspenstigen, die Krakehler, die „Stänkerer" zur Raison zu bringen, sie unschädlich zu machen, und die Gesellschaft steht auf demselben Punkte wo sie heute steht: Tyrannei und Knechtschaft. Die Revolution ist noch zu machen.

Das Alles jedoch, wie wir gezeigt, unter einer ganzen Menge der günstigsten Voraussetzungen, die in Wirklichkeit sammt und sonders nicht vorhanden sind — am allerwenigsten am Tage nach dem Sturze der alten Gesellschaft.

Die gewählten "Repräsentanten" werden ebensowenig wie heute nur die Meinung und den Willen ihrer Wähler zu vertreten suchen, sondern die Gelegenheit benützen, um ihren Ehrgeiz, ihre Herrschsucht zu befriedigen; sie werden suchen, ihre Meinung und ihren Willen zu dem ihrer Wähler zu machen. Sie werden, wie heute, ihren Einfluss, ihre Macht zu befestigen, zu verewigen suchen, und jene Partei wird die meisten Anhänger finden, welche das Prinzip der Conservativen am consequentesten und geschicktesten vertritt. Da kann dann von einer auch nur annähernd gerechten Bedienung des Volks absolut keine Rede mehr sein. Die wenigen rechtschaffenen Elemente, die es mit ihrer "Volksvertretung" ehrlich meinen, sind ohnmächtig. Im günstigsten Falle sind sie wohl im Stande, das Werk der Reaction in seinem Tempo zu erschweren, nicht aber zu verhindern.

Freilich da, wo die Repräsentanten ihre eigenen Sonderinteressen vertreten, da findet sich schnell Uebereinstimmung einer Majorität, besonders so lange, als man sich noch nicht um den Besitz der Herrschaft, sondern nur noch um die Einrichtung oder Erhaltung der Herrschaft streitet, doch nicht, so lange es sich um die Frage dreht: Herrschaft oder Anarchie.

VIII.[4]

Ist die Ohnmacht und Schädlichkeit eines Repräsentativ-Systems selbst unter normal gedachten friedlichen Verhältnissen für den denkenden Menschen offenbar schon Grund genug, demselben den Rücken zu kehren, so muss ein solches System für die soziale Revolution geradezu Selbstmord bedeuten. Es ist die Tödtung des Kindes (soziale Unabhängigkeit) im Mutterleibe (Gesellschaft), noch ehe dasselbe geboren wurde.

Nachdem das Volk mit einem mächtigen Ruck seine Ketten gesprengt, das Joch der herrschenden Tyrannei abgeschüttelt, den mächtigen Apparat der bestehenden Gewaltherrschaft zum Stillstand gebracht, dann beginnt erst das eigentliche Werk der sozialen Revolution. Dann gilt es, so rasch als möglich den ganzen Schutt des alten Bauwerks hinwegzuräumen und den Grund für das neue Gesellschaftsgebäude zu legen. Wer Anders vermag jedoch dieses Riesenwerk zu vollbringen, als die Volksmassen selbst? Begeht das Volk den alten Fehler und überträgt diese Arbeit irgend einer Repräsentativ-Körperschaft, so beugt es in demselben Augenblicke seinen Nacken unter das Joch einer neuen Herrschaft.

Man betrachte sich nur einmal die verschiedenartigen Differenzen, welche unter dem revolutionären Theile der Volksmassen bestehen. Die alte Welt wird aber nicht von diesem Theile allein gestürzt, noch die neue aufgebaut werden. Sobald das Volk als Masse mit auf den Plan tritt, bringt dasselbe naturgemäss auch eine Masse anderer — neuer und alter — Ideen mit auf den Plan. Würde es jetzt schon den verschiedenen Richtungen des revolutionären Theils unmöglich sein, sich über eine allgemein giltige Gesellschaftsform selbst nur in den wesentlichsten Punkten zu einigen, wieviel weniger würden sich die Vertreter der Volksmasse, der Gesammtheit, darüber einigen können? Schon die Wahlen zu einer solchen Körperschaft müssen zu Spaltungen und Feindseligkeiten der revolutionären Streitkräfte unter einander führen, und das zu einer Zeit, wo mit dem Aufgebot aller gemeinsamen Kräfte an dem grossen Werk der sozialen Umgestaltung gearbeitet werden soll.

Aber selbst angenommen, die Wahlen würden sich ohne Feindseligkeiten vollziehen, es würden alle Richtungen ihre verhältnissmässige Anzahl Vertreter wählen; was kann die so gewählte Körperschaft der Revolution nützen?

Nehmen wir ferner an, diese Körperschaft einige sich wirklich über einen wichtigen Punkt, z.B. die Expropriation alles Privateigenthums zu Gunsten der Gesammtheit mit beschränktem oder auch unbeschränktem Genussrecht der Individuen. Welchen Werth hat ein solcher Beschluss? Entspricht derselbe nicht den Ideen der Volksmasse, so wird sie denselben nicht ausführen und Alles beim Alten lassen. Was ist da zu thun? Der Körperschaft eine executive Gewalt und die nöthigen Machtmittel geben, damit sie nötigenfalls ihre Beschlüsse mit Gewalt durchsetzen kann? Aber die Volksmasse ist gegen den Beschluss, folglich muss die Executivgewalt aus ergebenen Creaturen der Körperschaft bestehen, welche bereit sind, gegen das Volk zu gehen — und wir sind überzeugt, dass sich solche Creaturen genügend finden würden — aber dann ist es erst noch die Frage, wer Sieger bleibt. Siegt das Volk, so ist der ganze revolutionäre Beschluss ein todter Buchstabe. Siegt die Executive, so ist das Volk der Gnade oder Ungnade seiner gewählten Körperschaft preisgegeben, und dieselbe kann dann aber auch mit demselben Erfolge die infamsten reactionärsten Beschlüsse durchführen, was unter solchen Umständen auch unzweifelhaft geschehen würde.

Ist aber im Gegentheil die Volksmasse mit dem Beschlusse einverstanden, ist sie von der Zweckmässigkeit desselben durchdrungen, dann ist ja der ganze Beschluss nichts Anderes als was das Volk ohnehin wollte, und mithin die ganze Decretirerei und Beschliesserei einer solchen Körperschaft überflüssig.

Kann man sich eine erbärmlichere, schmachvollere Farce vorstellen als die, dass ein freies Volk sich Diener wählt und dann von diesen "Dienern" erst die allergnädigste Bewilligung dafür erwartet, was es selbst thun will oder zu thun gesonnen ist?!

Und das und nichts Anderes wäre es, wenn ein Volk in Revolution sich eine Körperschaft wählt, welche beschliessen soll, was das Volk selbst thun will oder zu thun hat.

Allein unsere Voraussetzung ist nur eine theoretische Fiction. Eine solche Körperschaft fasst keine solchen Beschlüsse, am allerwenigsten einstimmig. In ihrer Zusammensetzung enthält sie naturgemäss die heterogensten Elemente und Meinungen. Ueber die einfachsten Dinge entwickeln sich unendliche Debatten. Die Anträge der energischen revolutionären Fraction werden von den Einen mit "Wenn" und "Aber," von den Andern mit Widerspruch aufgenommen, um schliesslich nach vielem Hin- und Herreden, Amendiren und Streichen als ein verkrüppeltes Zwitterding, das keinen Menschen befriedigt, angenommen zu werden. So wird die Zeit verbummelt, das Volk wartet auf grosse Beschlüsse seiner "Repräsentanten," und sieht sich schliesslich enttäuscht. Viele sind bereits aus ihrer Begeisterung zu der gewohnten Lebensweise zurückgekehrt. Die Reaction ist aber inzwischen nicht müssig gewesen. Sie hat sich von ihrem ersten Schreck erholt und nützt die Zeit zur Vorbereitung der Contrerevolution aus. Die Ohnmacht der Repräsentativ-Körperschaft ist ihr nicht entgangen, sie sucht mit allen Mitteln der Intrigue, der Verleumdung und des Verraths die Differenzen zu erweitern, Misstrauen und Zwietracht unter den noch nicht zielbewussten Massen zu verbreiten, und eines schönen Tages ist sie Herr der Situation; was dann folgt, ist zu bekannt, als dass wir nöthig hätten, weiter ein Wort darüber zu verlieren.

Gar viele der revolutionären Sozialisten haben schon dieser Idee den Rücken gekehrt. Da sie aber trotzdem mit dem Herrschaftsprincip nicht brechen wollen, so glauben sie einen Ausweg in einer revolutionären Dictatur gefunden zu haben.

Die Dictatur leidet jedoch an denselben Gebrechen wie eine Repräsentativ-Regierung. Sie ist entweder ohnmächtig, unmöglich, oder eine Gefahr für die Revolution.

Soll die Gewalt oder Macht einer Dictatur auf dem Willen und der executiven Thatkraft des revolutionären Volkes beruhen, so ist sie unmöglich, weil keine der verschiedenen revolutionären Parteien sich unter die Gewalt der Dictatur einer anderen Partei beugen wird. Und eine Dictatur, die allen Richtungen Rechnung tragen will oder soll, ist ein Unding, eine Absurdität.

Soll die Macht einer Dictatur aber auf einem Staatsapparat beruhen, so wird sie sicher zum Henker der Revolution.

Vergegenwärtigen wir uns einen Augenblick die Situation: Die bestehende Herrschaft ist gestürzt — denn wohlgemerkt, die alte Herrschaft muss gestürzt sein, bevor sich eine revolutionäre Dictatur etabliren kann — und nun handelt es sich darum, auf welche Weise die revolutionären Ziele verwirklicht werden können. Es werden sich da mindestens drei verschiedene Meinungen begegnen. Die Einen wollen an die Souveränität des Volkes appelliren: es soll eine revolutionäre Regierung wählen; die Andern wollen eine revolutionäre Dictatur, und die Dritten werden gegen Beides Front machen und jeder Art von Regierung den Krieg erklären. Je nach der überlegenen Stärke und Thatkraft wird die eine dieser Parteien die Oberhand gewinnen. Nehmen wir an, die Dictatur kommt zur Herrschaft. Schon von vornherein hat sie nicht mehr auf die volle revolutionäre Volkskraft zu rechnen, sondern muss im Gegentheil sofort Massregeln zu ihrem Schutze ergreifen, um ihre Gegner unschädlich zu machen, und in demselben Augenblicke wird sie zum Henker der Revolution. Es ist aber auch sehr wahrscheinlich, dass sich die beiden Ersteren vereinigen, um auf alle Fälle das Princip der Regierung gegenüber den Anarchisten aufrecht zu erhalten. So sitzt die Dictatur zwischen zwei Stühlen, den Einen wird sie nicht radikal genug, den Andern zu radikal sein. Grund genug für das reactionäre Gesindel, dasselbe Spiel zu treiben wie bei einer Repräsentativ-Regierung, und zwar so lange, bis die Dictatur in ihren Händen ist.

Die Dictatur stösst aber auch bei ihren besten Absichten auf Widerstand im Volke selbst, weil es absolut unmöglich ist, dass einige Menschen oder ein Mensch den tausendfältigen Wünschen und Bedürfnissen, welche in den Volksmassen leben, Rechnung tragen können. Sie wird also bald da, bald dort mit ihren Massregeln das Rechtsgefühl im Volke verletzen und sich dasselbe zum Feinde machen. Damit wird aber nicht nur die Dictatur unter graben, sondern die revolutionäre Sache überhaupt.

Jeder Widerstand reizt die Dictatur unwillkürlich, ihre Macht und Machtmittel zu befestigen und zu vermehren. Dieser Reiz ist um so mächtiger, je unfähiger die Dictatoren sind, die wahren Triebkräfte und Ziele der Revolution zu begreifen. Dabei, von einer Legion von Mameluken, Schmarotzern und Schmeichlern unterstützt, werden die Dictatoren allmählich blind, zu Tyrannen, und die Opfer, die das Volk für die Revolution gebracht, dienen einigen Personen zur Befriedigung ihres Ehrgeizes und ihrer Herrschsucht.

Die verderblichste Wirkung, die beiden sogenannten revolutionären Regierungsformen — dem Repräsentativ-System wie der Dictatur — gemeinsam ist, wird jedoch auf das revolutionäre Volk ausgeübt; sie nimmt dem Volke die Initiative und lähmt seine Thatkraft.

In dem Augenblicke, wo sich eine Regierung gebildet hat, glaubt das Volk nichts ohne deren Weisung unternehmen zu dürfen. Es erwartet alles Heil von seiner Regierung. Hat das Volk schon während der Wahlen und den damit verbundenen Kämpfen eine unersetzliche kostbare Zeit und Kraft für das grosse revolutionäre Werk verloren, so wird dann in Erwartung dessen, was die Regierung beschliessen wird, erst recht nichts gethan, um sich des Sieges zu versichern, und da in den sozialen Verhältnissen noch keine wesentlichen Aenderungen eingetreten sind, so geht die grosse Masse allmählich wieder zu ihrer früheren gewohnten Lebensweise zurück. Das politische Demagogenthum und revolutionäre Charlatane suchen sie noch in einen falschen Siegesrausch einzulullen, bis die Reaction wieder ihre blutigen Triumphe feiert.

Nein, Revolution und Regierung sind, wie so trefflich Genosse Krapotkin ausführt[5], zwei unvereinbare Gegensätze; die Existenz der einen ist die Negation der anderen. Wer das Eine will, kann das Andere nicht wollen. Die heiligste Pflicht eines jeden aufrichtigen Revolutionärs ist, Alles aufzubieten, um die Etablirung jeder neuen Regierungsform nach dem Sturze der bestehenden zu verhindern.

Doch man sagt uns ja, "die individuelle Freiheit sei mit den Interessen der Gesammtheit unvereinbar," und so sollte man meinen, dass eine Regierung die Interessen der Gesammtheit vertritt, denn die Regierung hebt die individuelle Freiheit auf, wie an Stelle der Regierung die individuelle Initiative d.h. die individuelle Freiheit tritt. Die logische Folgerung wäre somit, dass eine Revolution ohne Regierung mit den Interessen der Gesammtheit unvereinbar sei.

Welch räthselhafter Widerspruch! Individuelle Freiheit unvereinbar mit den Interessen der Gesammtheit! Individuelle Initiative unvereinbar mit Revolution! Wie leicht könnte man da nicht zu der Schlussfolgerung kommen, eine erfolgreiche Revolution sei überhaupt nicht durchführbar!

Allein dieser räthselhafte Widerspruch löst sich bei näherer Betrachtung als gar nicht vorhanden auf.

So lange es Regierungen gab, so lange es Menschen gegeben hat, die regierten oder darnach strebten zu regieren, haben dieselben stets behauptet, die Regierungen seien im Interesse der Gesammtheit da und die individuelle Freiheit sei mit diesen Interessen unvereinbar. So lange die Völker dumm genug waren, diese schwindelhafte Behauptung zu glauben, so lange konnten naturgemäss die Völker um die Früchte der Revolutionen, durch die Regierungen, betrogen werden. Sobald jedoch die Völker in der individuellen Freiheit die natürliche Basis ihrer Gesammtinteressen erkennen, ist für die herrschsüchtigen Regierungsapostel kein Platz mehr, und darum das wüthende Geschrei unserer Regierungs-Sozialisten gegen die individuelle Freiheit.

Dabei ist es hoch interessant, zu beobachten, welche urkomischen logischen Purzelbäume diese Leute in ihrer "wissenschaftlichen" Klopffechterei schlagen. So sind sie z.B. seit Jahren bemüht, nachzuweisen, dass Revolutionen von keiner Partei gemacht werden können, und — obwohl sie uns schon immer gern aufdisputiren möchten, wir wollten Revolutionen "machen" — sind wir darin ganz ihrer Meinung, indem wir schon wiederholt nachgewiesen haben, wie Revolutionen nur aus dem Schoosse der Volksmassen, also aus der individuellen Initiative des Volkes entspringen. In der Geschichte ist wenigstens kein einziger Fall bekannt, dass eine Revolution[6] auf Beschluss einer revolutionären Regierung stattgefunden hätte. Sie entsprangen alle unvorbereitet, d.h. ohne vorher bestimmt und organisirt zu sein – aus der individuellen Initiative, als der erhabensten, grossartigsten Manifestation der individuellen Freiheit, dem Schoosse der Volksmassen.

Die Menschheit zeigte sich niemals so hoch und edel, als in den Augenblicken, wo sie ihre vollste individuelle Freiheit genoss, so lange noch keine revolutionäre Regierung ihre natürlichen Bewegungen hemmte. Und trotzdem soll die individuelle Freiheit mit den Interessen der Gesammtheit unvereinbar sein?!

Auch die kommende Revolution wird sich keine revolutionäre Regierung vorher geben. Die Individuen werden sich also die Freiheit nehmen, die Revolution zu schlagen, ohne um die Erlaubniss einer Regierung zu fragen. Und hoffentlich werden sie sich auch noch die Freiheit nehmen, Jeden über den Haufen zu schiessen, der es wagen will, eine neue Herrschaft unter irgend einer Regierungsform "im Interesse der Gesammtheit" zu gründen.

IX.

Wer unseren bisherigen Ausführungen[7] mit einiger Aufmerksamkeit gefolgt ist, der wird gleich uns bei einigem ernsten Nachdenken — sofern der gute Wille, das Wahre zu erkennen, vorhanden ist — zu der Ueberzeugung gelangt sein, dass Anarchismus und autoritärer Sozialismus, unter welchem Namen der letztere auch immer auftreten möge, nichts Gemeinsames haben als ein und dasselbe Gebiet der Kritik: die bestehende soziale Ordnung, und ein bis zu einem gewissen Punkt parallel laufendes Ziel: die Vernichtung dieser sozialen Ordnung.

Allein selbst in der Kritik besteht zwischen beiden ein wesentlich principieller Unterschied. Während die Sozialisten nur das Princip der bestehenden ökonomischen Ordnung und des Privateigenthums ganz verwerfen, halten sie an dem Princip der politischen Ordnung, der Autorität fest und kämpfen nur gegen die Form, während wir Anarchisten gegen das ganze System der bestehenden sozialen Ordnung zu Felde ziehen und das Princip des Privateigenthums sowie der Autorität bekämpfen. In Folge dessen sind auch die Endziele beider Richtungen verschieden und, wie wir gezeigt, in den wesentlichsten Punkten diametral entgegengesetzte.

Unter solchen Umständen von einem geschlossenen Zusammengehen beider Richtungen faseln, heisst entweder die Tendenzen beider total verkennen oder wissentlich seine Ueberzeugung verrathen.

Ein solches Zusammengehen von Fall zu Fall, wo es sich um bestimmte einzelne gemeinsame Ziele handelt, ist nicht nur löblich, sondern auch naturgemäss, weil die Arbeitermassen in solchen Fällen die Macht der Solidarität der Interessen fühlen, sowie eich ihrer Kraft bewusst werden. Man hüte sich jedoch, die Differenzen des grossen Zieles auch nur einen Augenblick zu vergessen, um auf Kosten desselben einen momentanen Vortheil zu gewinnen.

Man vergesse z.B. bei einer gemeinsamen Zerstörung der bestehenden Herrschaftsform niemals, dass die autoritären Sozialisten ihre Herrschaft zu etabliren bestrebt sind, während wir Anarchisten jede Herrschaft zu verhindern haben, sobald einmal die bestehende gestürzt ist. Vergessen wir Anarchisten diesen Unterschied in dem allgemeinen Einigkeitsdusel, der bei solchen gemeinschaftlichen Actionen, wie die Stürzung der bestehenden Herrschaft, zu Tage tritt, auch nur einen Augenblick, so ist die anarchistische Sache, die volle und ganze Befreiung des Volkes, auf unabsehbare Zeiten hinaus wieder verloren. Es bildet sich eine Regierung, welche — mag sie sich nennen wie sie will — wie wir gezeigt haben, fatalerweise zum Henker der Revolution werden muss.

Wir wissen und wir haben dies schon wiederholt betont, dass die grosse Masse der Arbeiter im Lager der autoritären Sozialisten mehr oder weniger bewusst dasselbe wollen wie wir, dass sie nach vollster individueller Freiheit streben und keine Herrschaft mehr wollen. Allein Vorurtheile und Ignoranz über die wahren anarchistischen Ideen halten sie noch ab, sich uns voll und ganz anzuschliessen und sich um das Banner der Anarchie zu schaaren. Das nach der neuen Herrschaft strebende Führerthum ist gleich den religiösen Pfaffen auf das eifrigste bemüht, seine gläubigen Schafheerden in diesen Vorurtheilen und dieser Ignoranz zu erhalten. Wie diese aus der Freiheit und Aufklärung ein Schreckgespenst machen, so machen jene aus der individuellen Freiheit und dem Anarchismus ein Schreckgespenst und suchen mit allen Mitteln ihre Gläubigen zu verhindern, dass sie mit diesen Teufels- und Irrlehren nicht in Berührung kommen. Oder sie suchen auch, wie die modernen schlauen Jesuiten Wissenschaft und Religion, Anarchismus mit Sozialdemokratie durch sophistische Verdrehungen zu verschmelzen.

Daher ist es für jeden aufrichtigen Anarchisten heiligste Pflicht, doppelt auf der Hut zu sein, Alles zu vermeiden, sei es in der Propaganda, sei es in der Action, was diesem Treiben Vorschub leistet; besonders aber stets und überall die anarchistischen Ideen mit möglichster Schärfe und Klarheit, mit eiserner Consequenz unter den Massen zu verbreiten zu suchen. Unbekümmert um die momentanen Erfolge, den momentanen Beifall oder Missfall, unbekümmert um die persönlichen Gefahren, die damit verknüpft, gilt es seiner einmal gewonnenen Ueberzeugung treu zu bleiben, bis das Ziel erreicht ist. Und wenn wir uns durch keine Macht der Erde auf Abwege und falsche Bahnen drängen lassen, können wir auch des baldigen Sieges gewiss sein.

* * *

Fassen wir nun das bisher Ausgeführte kurz zusammen:

Das arbeitende Volk hat innerhalb der bestehenden Gesellschaft weder auf ökonomischem noch politischem Gebiet eine Besserung seiner Lage zu erwarten. Alle sogenannten "Reformen" tragen nur dazu bei, im Volke falsche Hoffnungen zu erwecken und so die endliche Befreiung zu verzögern. Daher ist jedes Bestreben, innerhalb der bestehenden Gesellschaft die Lage des Volkes zu verbessern, nicht nur Utopie, sondern antirevolutionär und dient dazu, die bestehende Knechtschaft zu verlängern. Die autoritär-sozialistische Propaganda sucht die Grundlagen der alten mit der neuen Welt zu versöhnen resp. das Princip der Herrschaft des Menschen über den Menschen nur umzuformen, da sie das Princip der Autorität — die Wurzel aller Knechtschaft — bestehen lässt und vertheidigt. Sie ist daher in einem unlösbaren Widerspruch mit den Grundsätzen der Freiheit und Gleichheit und folglich im Widerspruche mit den Tendenzen der menschlichen Culturentwicklung und den natürlichen Gesetzen des sozialen Lebens der Menschen.

Die menschliche Gesellschaft bedarf zur Regelung ihrer gegenseitigen Beziehungen der Individuen untereinander keiner Autorität; dieselben regeln sich durch die natürlichen Gesetze der Soziabilität, welche den Menschen innewohnen, von selbst. Zu deren Bethätigung und Entwickelung — und darin besteht die menschliche Culturentwickelung überhaupt — bedarf das Individuum der vollsten unbeschränktesten Freiheit, das heisst: den anarchistischen Communismus.

Will das Volk wirklich frei und unabhängig sein, so muss es, einmal die bestehende Herrschaft gestürzt, mit allen Mitteln zu verhindern suchen, dass sich eine neue Regierung unter welchem Namen immer etablire; es muss die Expropriation der sozialen Reichthümer selbst aus eigener Initiative vollziehen und nach eignem Gutdünken deren Reproduction organisiren und in die Hand nehmen.

Das ist in gedrängter Form das Resumé unserer bisherigen Betrachtungen, und wir werden später noch unsere Ansichten über die Durchführbarkeit unserer Principien in den Hauptpunkten des gesellschaftlichen Lebens darzulegen suchen.

* * *

Wir können dieses Kapitel nicht schliessen, ohne noch eine Bemerkung über eine in letzter Zeit viel discutirte "Opportunitätsfrage" zu machen.

Es scheinen sich nämlich manche unserer Genossen noch nicht klar darüber geworden zu sein, was sie für eine Stellung einzunehmen haben, falls beim Ausbruch einer Revolution irgend eine Form des autoritären Sozialismus die Oberhand gewinnt. Es ist da Mancher noch der Meinung, man müsse in einem solchen Falle aus Opportunität gute Miene zum bösen Spiel machen und vom Uebel das kleinste wählen und eine solche Regierung gegen eine reaktionäre unterstützen.

Wir theilen, wie wir schon früher angedeutet, diese Meinung durchaus nicht. Fürs Erste: thun die Genossen bis dahin voll und ganz ihre Pflicht, wie ihnen ihre anarchistische Ueberzeugung gebietet, so wird ein solcher Fall gar nicht eintreten, weil wie gesagt die grosse Masse aller sozialistischen Schulen mehr oder weniger bewusst unsere Ideale theilt; zweitens muss, wie wir gezeigt, jede Regierung fatalerweise zum Henker der Sache der Revolution und der Freiheit werden, und wir würden durch unsere Unterstützung oder auch nur stillschweigende Duldung einer solchen zu den erbärmlichsten Verräthern dieser Sache wie unserer eigenen Ueberzeugung werden, weil wir dadurch auch die Zukunft verrathen. Wir haben jede Regierung, jede Herrschaft bis zum letzten Blutstropfen zu bekämpfen. Unterliegen wir, so unterliegen wir aber dann mit dem Bewusstsein, dass die Nachkommenschaft unsere Ideen als heiliges Vermächtniss wieder aufnehmen wird, um sie zum endlichen Siege zu führen.

[1] Nr. 6 - 18 der "Autonomie ."

[2] Siehe an anderer Stelle den Aufruf spanischer Genossen, sowie unsere Stellung zur "freien Gesellschaft" von Brgr. Most.

[3] Siehe Nr. 19 bis 23 dieses Blattes.

[4] Musste wegen Raummangels zurückgestellt werden.

[5] Siehe die Broschüre "Revolutionäre Regierungen."

[6] Wir meinen da selbstverständlich Revolutionen im wahren Sinne des Wortes und keine blossen Putsche oder Regierungsstürzvereine.

[7] Siehe die Artikel "Anarchie und praktischer Sozialismus" (Nr. 6—12), "Revolutionäre Propaganda" (Nr. 13—16) und "Die soziale Revolution" (Nr. 19, 20, 26—28 der "Autonomie").