Ping. Hallo? Hat jemand geantwortet? Pieppiep. Immer noch nicht? Was gibts neues? Stimmt, ich brauche ja noch neue Turnschuhe – mal eben bestellen. Brrrbrrr.


WhatsApp-Antwort.


Noch keine Antwort im Mailpostfach? Instagram checken, Facebook-like.


Googeln: Leistungssteigerung.


Stopp. Ruhe.


Doch plötzlich kommt die Unruhe. Die Gewöhnung an andauernde Feedbacks, Pings und Interaktionen mit Geräten gibt das Gefühl etwas zu verpassen, wenn sie nicht da sind. Nicht mehr Teil haben zu können. Und das Gehirn lernt, Glücksgefühle aus jeder zehnten guten Nachricht zu ziehen, wie bei einem Spielautomat. Es ist eine Sucht, ich muss den Knopf drücken…
Das ist nicht zufällig so, dies sind Konzeptionen und Designs von Geräten und Programmen. Natürlich fragen sich die Konzerne: wie können wir die Kund*innen binden, was hängt sie an unseren Tropf? Schon E-mails, Serien und Computerspiele bedienen dieses Konzept, Facebook und soziale Netzwerke treiben es auf die Spitze. Wir verlernen dabei, unsere Befriedigungen aus möglichst selbstbestimmten Handlungen zu ziehen. Sind nicht-automatisierte Vorgehen erst einmal anstrengend und erfordern oft körperliche und geistige Anstrengung, senken moderne Technologien möglichst weit die Anstrengung. Sie automatisieren. Ohne google ein gutes Restaurant oder gar Rezept finden? Das würde bedeuten, Leute direkt anzusprechen, sich zu überwinden, unberechenbare Antworten zu bekommen, eventuell selbst zu experimentieren.

Doch diese Anstrengungen bilden neue Verknüpfungen im Gehirn, sie helfen, selbst nachdenken zu können. Um zu lernen, zu wachsen, braucht der Mensch Herausforderung, Anstrengung und verschlungene Wege, auf denen allerlei weiteres zu finden ist.

Die Herabsetzung aller Hürden verhindert das selbstständige Lernen. Das Spielekonzept, der einfache Knopf, verlangt nach andauerndem Drücken. Der Konsum wird bestimmendes Verhalten. Nun können wir uns selbst daran machen, dieses Verhalten zu reflektieren, uns der Methodiken der Technologien bewusst werden und stattdessen versuchen, eigenständiges Handeln auszuweiten. Doch der allgemeine Einschluss der Herrschaft durch technologische Mittel wird immer enger, das Netz dichter. Dass man unter Umständen den Job nicht bekommt, weil man keinen Facebook-Account hat, ist erst ein Anfang. Nischen zu finden, sich bestimmten Dingen zu entziehen, wird kaum noch möglich sein. Außer der Bewusstseinswerdung über die neuen Strategien des Einschlusses der Herrschaftssysteme, braucht es also mehr. Wir dürfen nicht vergessen, dass all diese Technologien in Dingen manifestiert sind. Ich muss es mir nicht gefallen lassen, wenn mich einfach jemand abfilmt und mich damit zu Googles Gesichtserkennung schickt. Man kann auch kaum mehr ein Werktor blockieren, um etwas zu behindern, da sich das Netz der Herrschaft mit seinen Glasfaser- und Stromkabeln überall befindet. Aber diese Ströme können unterbrochen, die Allmachtphantasien dazu zerlegt werden…