Vor 10 Jahren stellte der Apple-Guru Steve Jobs das erste I-Phone vor und gab somit quasi den Startschuss für das Smartphone. Es war für die meisten sicherlich weit hergeholt, dass dieses neue intelligente Handy vielmehr den Handlangern der Herrschaft wie Politiker*innen, Marktwissenschaftler*innen und Bullen helfen wird, als den Benutzenden des Smartphones selbst. Der Traum der Herrschaft, dass nun zukünftig jeder und jede sein Ortungs-, Kontroll- und Optimierungsgerät mit sich herumschleppen wird, versteckte sich klammheimlich in dem „nerdigen“ Auftreten von Jobs, mit seinem schwarzen Pullover, Jeans und weißen Turnschuhen.

Das soziale Netzwerk Facebook, das zugleich massenhaft Daten sammelt, wäre ein weiteres Beispiel für das unschuldige Daherkommen von Tech-Firmen. Und es gibt bestimmt noch bessere Beispiele, die sich bei Facebook, Google, IBM, Siemens, Apple, Microsoft oder einer anderen Tech-Firma finden lassen. Das Auftreten ist immer das gleiche: sich als innovativer Konzern zu verkaufen und im mehr oder weniger dunklen Zimmer zu forschen. Um den Kontrollapparat und das Militär zu verstärken, die Marktinteressen durchzusetzen oder den Menschen auf Atome oder Algorithmen zu degradieren. Die neuen Tech-Firmen sind nicht nur ein elementarer Bestandteil der Herrschaft geworden, sondern haben die Macht auf neue Ebenen ausgebaut.

Wenn nun Google für Ende 2017 plant, in der Ohlauer Str. in Kreuzberg Start-Up-Büros zu eröffnen, hat dies nicht nur einen Einfluss auf die Aufwertung des Kiezes selbst, wo es immer schwieriger wird, ohne hohes Einkommen wohnen zu bleiben. Es soll hinter den Mauern des Umspannwerks Raum entstehen, in dem IT-Expert*innen im Namen von Google Forschung betreiben, um an einer Welt zu basteln, in der kein Platz ist für freie Menschen und selbstbestimmtes Leben – einer Welt, der einer ohne Herrschaft und Unterdrückung feindlich gegenüber steht. Denn Google ist nicht bloß eine Suchmaschine, sondern forscht in der Künstlichen Intelligenz, Robotik, Verbesserung der Datensammlung, Autonomisierung von Maschinen, Programmierung vom Menschen, etc. Einem Ausbau der Macht auf alles und jeden mit Hilfe der Technologie.

Dabei ist Google nicht der Übeltäter, sondern Google handelt, wie auch andere Tech-Firmen, aus einer Logik der Herrschaft heraus. Einer Herrschaft die immer dezentraler, integrativer und somit unübeschaubarer wurde und keineswegs verschwand! Der Vorschlag von einem spezifischen Kampf gegen Google kann also nur in eine weiterreichende Perspektive eines Kampfes gegen jegliche Herrschaft verstanden werden. Die Wahl von spezifischen Angriffspunkten hilft dabei, nur die Verworrenheit der Macht zu enthüllen und konkret angreifen zu können.