Was wir von den libertären Freundinnen und Genossen der „Platzbesetzungen“ lernen können !

Einige Tipps und Erfahrungen !

„…die Herrschaft der gewöhnlichen Seele die sich über ihre Gewöhnlichkeit klar ist,

aber die Unverfrorenheit besitzt für das Recht der Gewöhnlichkeit einzutreten und es überall durchzusetzen.“(Ortega y Gasset)

- Es ist für das Ganze schon wichtig, zusammen zu kommen. Wenn es dann schon mal geschieht und ihr nun dabei sein wollt, kann aber die einzige organisatorische Form, die existieren kann, ohne vereinnahmt zu werden, nur die des „Encuentro“ sein, eine Begegnung, wo die Menschen ihre Meinung sagen, ihre Ideen austauschen, Hilfe für eigene Initiativen bitten, wo sie anfangen, ohne jemand um Erlaubnis zu fragen. Es ist keine organisatorische Form vorgegeben, um an der sozialen Bewegung auch wirklich teilnehmen zu können.

Anwesenheit plus Kritik. Anwesenheit bedeutet, dort zu sein, aber es bedeutet auch, teilzunehmen, ein integraler Bestandteil dessen zu sein, was ist und was wird.Aber auch das Gehirn nicht zu Hause zu lassen, nur weil ihr glaubt, die anderen mit Euren Gedanken und Ideen zu erschrecken. Es bedeutet, sich zu äußern, auch zu zuhören, das eigene Verhalten reflektieren.Wenn es ein Mikro gibt, überlasst es nicht denen, die diese Art gewohnt sind. Redet von euren Ideen, euren Utopien. Andere werden es sehen und hören, Mut fassen und auch was sagen oder neugierig sein, nachfragen

- Die Menschen reagieren selten souverän, eher situationsbedingt. Die meisten sind nicht die „souveränen Coolen“, die permanent ihre Überzeugungen leben. Sie antworten eher auf Situationen. Heute kann eine Person auf einen libertären Text gleichgültig reagieren, am Abend vielleicht schon ihn lesen und vom Sturz des Systems reden.

- Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen libertären Gruppen. Es kann nur vorteilhaft sein, mit verschiedenen Perspektiven und Strategien agieren zu können.

- Dezentralisierung ist keine Auflösung.…wenn wir anarchistische Ideen ehrlich, bescheiden und leidenschaftlich rüberbringen, kann es durchaus passieren, dass viele von denjenigen, die ruhig und für sich selbst blieben, bereits teilweise auf unserer Seite sind. Trägheit und gewöhnliche Werte arbeiten gegen uns und bevorzugen den Populisten und Demokraten, aber anarchistische Ideen gewinnen fast immer in einer Debatte, weil sie mit einem unveräußerlichen Impuls zur Freiheit sprechen, die in jedem besteht, der noch ein Herz hat. Die wichtigste Sache ist dann, an der Debatte teilzunehmen, so lange diese Debatte nicht durch offizielle politische Kanäle gesteuert wird, sondern dazwischen, zwischen gewöhnlichen, normalen Leuten stattfindet…

- Gewaltlosigkeit ist kein Dogma. Wir engagierten und engagieren uns in den Kämpfen für Besetzungen, gegen Vertreibungen, gegen Zwang, Ausbeutung und Missbräuche aller Art, die wir täglich erlebt haben und erleben. Wir haben soziale Zentren aufgebaut, Bibliotheken, Zeitungen, Gegeninformationen, bauen Gärten und kämpfen innerhalb und außerhalb von Gefängnissen. Wir praktizieren direkte Aktionen gegen die Symbole unserer Unterdrückung, gegen die Polizei, die Politiker und die Banken. Es ist immer die Stimme der jeweils Herrschenden, der, die Sorge haben die Kontrolle zu verlieren, die uns sagen, dass z.B. das Blockieren einer Straße Gewalt ist.

- Direkte Demokratie ist eine repräsentative Demokratie im kleinen.Es freut die Expert*innen, die Zentralisten, die inneren Politiker*innen. „Freiheit“ und „Demokratie“ geht nicht zusammen, denn Demokratie führt zu einer noch stärkeren sozialen Kontrolle, wird Zwangsherrschaft mit „lächelndem Antlitz“. Ob Ausschuss oder Plenum, ob Regierung – immer wird sich auf eine Kollektivität , auf eine Einheitlichkeit, die „übergeordnete Idee“bezogen, die alle Normen festlegt. Ihr braucht nicht andere, die euch erzählen, was ihr tun könnt . Wir interessieren uns aufrichtig für das Schaffen von Beziehungen zwischen uns allen, aber durch die Solidarität in und zwischen den Kämpfen.

Sätze, die wir nicht deshalb nicht mehr hören können:

„Wir haben uns hier einen Raum geschaffen, um uns alle zu äußern“ --- Damit werden alle anderen Räume zum Schweigen gebracht. Da, wo unkontrollierte Initiativen entstehen, Zusammenhänge neu wachsen.

„Dazu haben wir jetzt keine Zeit, dass müssen die Kommissionen machen.“ Keine Zeit und dann in die Kommissionen?

Ersetzt das Monopol der Kommissionen durch eine Vielzahl sich organisierenden Gruppen, viele Möglichkeiten, viele Räume für jede/n, Teilnahme zu entwickeln, ohne Minderheiten durch „Zentralismus“ zum Schweigen zu bringen. Diese Gruppen kommunizieren in sich, arbeiten zusammen mit anderen, wenn es angebracht ist.

Wandelt die zentralen Versammlungen in allgemeine Begegnungen um, tauscht Informationen und Möglichkeiten aus, sucht Verbündete, ohne nun eine/r wegen der „übergeordneten“ Idee zu nötigen, widersprecht, wenn von „Homogenität“ und „Einigkeit“ gefaselt wird. es ist die Fassade des künftigen Politikers(Politikerin) …

Wehren wir uns gegen die Reproduktion der selben Scheisse , die im Parlament, in der Fabrik und in der Schule existiert. Wenn wir keine Führer*innen haben, brauchen wir keine homogenisierten Handlungen mehr. Was euch zusammenhält, ist die Tatsache, dass ihr hier seid und euren Widerstand selbst organisiert.

Die Menschen auf dem Tahrirplatz begriffen, dass mit dem Ende der Diktatur erst der Anfang des Kampfes ist. Es gab und gibt eine Reihe von Streiks, von Aufständen in den Fabriken und verschiedenen Strassen – nicht nur Plätze. Nichts anders sollten auch wir wollen: Möglichkeiten eröffnen, darum zu kämpfen was wir wirklich wollen: die Selbstorgansation unseres Lebens und das Ende der Ausbeutung und der sozialen Hierarchien.

Dazu ist ein „zentraler “ Platz aber zu wenig.

„Was haben wir hier eigentlich erwartet? Es ist einfach nur ein Stück der Scheiße hier. Es ist dieselbe Welt, in der wir jeden Tag leben. Wir haben noch einiges zu tun.“

„Aufstehen – nicht Hinsetzen“