Titel: Drei Aufsätze über den inneren Konflikt
AutorIn: Gross, Otto
Datum: 1920
Quelle: Gescannt aus: Otto Gross, Von geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe, Edition Nautilus 2000.
Bemerkungen: Abgeglichen mit der Erstveröffentlichung als Abhandlungen aus dem Gebiete der Sexualforschung. Band II, Heft 3; A. Marcus & E. Webers, Bonn 1920. In der Veröffentlichung von Ed. Nautilus wurde der Sperrdruck im Original nicht beachtet, hier wird der Sperrdruck des Originals kursiv wiedergegeben.

    I.

    II.

    III.

I.

Über Konflikt und Beziehung


Die neue Denkweise in der Psychopathologie führt Seelenstörungen auf inhaltlich bestimmte Grundbedingungen zurück; sie ruht auf der Kenntnis der typischen Ausgangslage für schädigende Konstellationen der psychischen Inhalte, des Aufeinandertreffens von unvereinbaren Impulsen. Der Ursprung dieses Wissens war die Entdeckung C. Wernickes von der Bedingtheit affektierter Überwertigkeiten durch das Bestehen von unlösbaren inneren Konflikten.

Die eigentliche moderne Psychologie, die Lehre S. Freuds vom Unbewußten, steht auf der Kenntnis der Veränderung im Ineinandergreifen der Funktionen, der Spaltung der Bewußtseinseinheit durch den inneren Konflikt. Sie rechnet mit der Ablösung unbewußter Komplexe, der »Verdrängung« als Folge jeder Unvereinbarkeit von unaufgebbaren Impulsen mit der Gesamteinstellung der Persönlichkeit.

Die ungeheure, von Freud entdeckte Bedeutung des Sexuellen für das unbewußte Seelenleben ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß hier der Widerstreit von unzerstörbarem eigenen Wollen und übermächtigen Suggestionen — der Summe der bestehenden Moralprinzipien und Institutionen auf dem Gebiete der Sexualität — mit absoluter Unausbleiblichkeit den unlösbaren inneren Konflikt erzeugt. Der sexuelle Grundcharakter der Neurose liegt nicht im eigentlichen — am wenigsten im angeborenen — Wesen der Sexualität, sondern in der Tatsache, daß das Gebiet der Sexualität von äußeren Faktoren zum eigentlichen Gebiet des hoffnungslosen inneren Kampfes gemacht wird.

Freud hat die Ansicht ausgesprochen, die ursprüngliche sexuelle Anlage des Menschen und die erste Sexualität des Kindes sei »allsexuell«. Sie enthalte die Summe aller überhaupt existierenden Perversionen in sich. Die »normale« Richtung der Sexualität entstehe nach und nach durch Eindämmungsarbeit, durch Verdrängung der perversen Teilkomponenten, und diese Verdrängung wäre nach Freud im letzten Grund ein Resultat der Erziehung, ein Machteffekt der allgemeinen Anschauung, eine Anpassungsleistung — also ein Endprodukt alles dessen, was ich die »Summe aller Suggestionen« genannt habe.

Die Tatsachen, auf welche Freud diese Meinung stützt, soweit sie das Bestehen aller möglichen Perversionen in der Kindheit und im Unbewußten jedes einzelnen erweisen, sind einwandfrei. Allein die prinzipiellen Annahmen Freuds über das Wesen der sexuellen Anlage, über die Art der angeborenen Sexualität, sind davon streng zu scheiden und ich bekenne, daß ich mich in diesem Punkt im Gegensatz zur Meinung des großen Meisters befinde.

Ich definiere Perversion als Übertragung sexueller Triebenergie auf etwas seinem Wesen nach nicht Sexuelles, und nehme an, daß jede wirkliche Perversion, wie im letzten Grunde jede seelische Störung überhaupt, auf ungünstige Einwirkung von außen her, auf eine den angeborenen Anlagen, dem angeborenen Artcharakter und der Individualität entgegenstrebende Fremdeinwirkung zurückgeht. Die Summe aller Perversionen, die allerdings in der Seele des Kindes, und zwar ausnahmslos jedes Kindes, und ebenso im Unbewußten jedes Menschen überhaupt sich haben nachweisen lassen, ist meiner Meinung nach die Folge der auf jedes Kind und jeden Menschen überhaupt einwirkenden, im großen und ganzen gleichgerichteten Familien- und Milieusuggestion. Ich schicke dies hier als Behauptung voraus und werde später genauer auf diese Dinge zurückkommen.

Ich erinnere an die Definition, die ich [1] vom inneren Konflikt an sich gegeben habe: es ist der Kampf des Eigenen und Fremden in uns. —

Vor dem Versuch eines näheren Eingehens auf diese Definition ist eine Überlegung einzuschalten. Sie bezieht sich auf die Lehre Alfred Adlers und auf den Gegensatz zwischen den beiden großen psychoanalytischen Schulen, zwischen Adler und Freud, ein Gegensatz, der meiner Meinung [nach] im letzten Grund nur ein scheinbarer ist und einer gegenseitigen Ergänzung, einer Kombination von beiden Richtungen zu einem Ausbau der Erkenntnis vom inneren Konflikt Platz machen könnte.

Adlers Lehre geht letzten Grundes auf eine psychanalytische Vertiefung von Nietzsches Idee vom »Willen zur Macht« zurück. Nach Adler ist es das treibende Prinzip des Individuums, sein Ich um jeden Preis, mit jedem Mittel zur Geltung zu bringen und — dies ist das geniale Neue in seiner Lehre — vom Unbewußten heraus zu protestieren gegen die Unterdrückung von außen her. Nach Adler ist das sexuelle Moment in der Psychoneurose selbst nur Symbolik, symbolischer Ausdruck für jene revolutionäre, aber auch vergewaltigende Tendenz. Was Adler vor allem über den inneren Widerstand der Frau gegen die ihrem Geschlecht widerfahrende Unterdrückung und über die psychologischen und psychopathischen Ausdrucksformen dieses Widerstandes gelehrt hat, das gehört zum Tiefsten, das ein Forscher erfassen konnte [2].

Ich selber halte nun den »Willen zur Macht«, d.h. den »Ichtrieb« in seiner Gestalt als vergewaltigende Tendenz für ein sekundäres, im letzten Sinn bereits pathologisches Phänomen, für die durch ewige Unterdrückung verbildete und zugleich hypertrophierte Form jenes ursprünglichen Triebes, den ich als »Trieb zur Erhaltung der eigenen Individualität in der ihr eigenen, angelegten Wesensart« bezeichnet habe. Ich nenne diesen Trieb in seiner ursprünglichen, also nicht durch Widerstand und Überkompensation veränderten Form, in der er also noch nicht auf Vergewaltigung anderer gerichtet ist, das »revolutionäre Moment« im psychologischen Sinne.

Ich kann es nun ausschließlich bei einem inneren Konflikt zwischen einander entgegengerichteten, koexistenten Trieben für möglich halten, daß ein Trieb der Verdrängung unterliegt und dadurch aus dem Unbewußten heraus symbolische Äußerungen findet, d.h. also, pathologische Symptome schafft. Nur durch die Annahme eines inneren Konfliktes scheint mir die Tatsache der Hypertrophierung eines Triebes verständlich zu werden. Und eine solche Hypertrophierung stellt doch der Wille zur Macht, der vergewaltigende »Ichtrieb« im Sinne Adlers, dem ursprünglichen Selbstschutzinstinkte gegenüber dar, den ich als »revolutionäres Moment« bezeichnet habe.

Mit anderen Worten: der »Ichtrieb« im Adlerschen Sinne, der »Wille zur Macht« in seiner ungeheuren, von Adler richtig erkannten psychologischen Bedeutung ist nur verständlich als eine Komponente eines antagonistischen Kräftepaares. Und so erscheint die Synthese der Adlerschen mit der Freudschen Anschauung möglich und geboten, denn die andere Komponente des Triebkräftepaares identifiziert sich von selbst mit der Sexualität im Sinne Freuds.

Wir hätten also die beiden, einander entgegengerichteten Triebe, den Ichtrieb und die Sexualität, und zwischen diesen beiden wäre der krankmachende innere Konflikt.

Es ist aber nicht möglich, anzunehmen, daß in der ursprünglichen Anlage, artgemäß prädisponiert, zwei Triebe angelegt sein könnten, deren naturgemäße Bestimmung es wäre, miteinander in einen unlösbaren, krankmachenden Konflikt zu geraten. Wir müssen hier annehmen, daß durch allgemeinwirkende äußere Schädlichkeiten der ursprüngliche Charakter der angelegten Triebe verändert wird, daß sie durch »Triebverschränkung« — nach Adlers klassischem Ausdruck — mit reaktiven Impulsen des Individuums in unbewußte, immer fester werdende Verbindungen geraten, daß sie durch diese »Verschränkungen«, ich möchte sagen, mit Verzweiflungsreaktionen des Individuums entarten, daß sie durch Kämpfe mit der Außenwelt und endlich miteinander hypertrophieren, so immer mehr konflikterregend werden und endlich Ausgangspunkte neurotischer Symptome sind.

Es steht also das Problem: Wodurch geschieht es, daß die angelegten großen, in ihrem ursprünglichen Charakter doch notwendigerweise harmonisch koordinierten Triebe zu den beiden antagonistischen Triebkomponenten werden, die nun als »Wille zur Macht«, als krankhafter Ichtrieb im Sinne Adlers einerseits und als »allsexuell« gewordene, alle Perversionen umfassende, verdrängungsbedürftige und Psychoneurosen erzeugende Sexualität im Sinne Freuds anderseits vor Augen stehen?

Mit anderen Worten: Ich gab vorhin die Definition — die ich vorläufig als Behauptung hingestellt lasse —: der eigentlich krankmachende Konflikt ist der Konflikt des Eigenen und Fremden in uns. Dann, beim Versuch der Synthese der Adlerschen und Freudschen Lehren hatten wir gefunden: der prinzipielle innere Konflikt ist der des Ichtriebs und der Sexualität. Wenn beide Annahmen richtig sind, so ergibt sich daraus: die zweitgenannte Form ist das Resultat von Veränderungen, welche der ursprüngliche Zustand des Seelenlebens und sein ursprünglicher Konflikt — der zwischen Eigenem und Fremdem im Widerspiel von Anpassung und Widerstand, durch »Triebverschränkungen« und Hypertrophierung der Triebe im gegenseitigen Kampf erlitten haben. Es bleibt das Problem: Durch welche Einflüsse und nach welchen Mechanismen geht diese Veränderung vor sich?

Von der ursprünglichen, artgemäß angelegten Sexualität können wir zusammenfassend wohl nur das eine sagen: die Sexualität als angelegter Trieb und also auch die ursprüngliche Sexualität des Kindes ist Trieb nach Kontakt, im physischen und psychischen Sinne.

Der Trieb nach der Erhaltung der eigenen Individualität, wie ich ihn nenne, ist der Verteidigungsinstinkt zum Schutze aller angelegten Wesensart mit ihren angeborenen Trieben, mit Einschluß natürlich der Sexualität in ihrer individualitätsgemäßen Art.

Es ist selbstverständlich, daß diese beiden Triebe miteinander zunächst harmonisch koordiniert sein müssen — wie alle ursprünglichen Triebe und Anlagen überhaupt.

Nun wirkt der Druck der Umgebung auf das Kind als Zwang zur Anpassung, d.h. als Unterdrückungstendenz dem Instinktleben gegenüber. Die Umgebung versagt dem Kinde den Kontakt im physisch-sexuellen Sinne überhaupt gänzlich, im psychischen bindet sie die Aussicht auf Kontakt — der durch das verschwindend geringe psychologische Verständnis des Erwachsenen für das Kind schon auf ein Minimum und fast auf Surrogate beschränkt ist — an die Bedingung der Anpassung, des Verzichtes auf individualitätsgemäßes Sein.

Es ist dies jenes Geschehen, das ich als die »Vereinsamung des Kindes« durch die bestehenden Milieuverhältnisse bezeichnet habe [3].

Ich sehe in der Einsamkeit, in die das Kind versetzt wird, den eigentlichen Ursprung aller neurotischen Angst und damit jenes eigentümlich angstvollen, verzweifelt-rücksichtslosen Charakters, der allen aus dem Unbewußten hervorbrechenden Impulsen ein so spezifisches Gepräge verleiht.

Der erste dem Kinde notwendig gewordene innere Konflikt, der Konflikt des Eigenen mit dem eindringenden Fremden, verliert also seine Reinheit eigentlich schon von Anfang her durch eine Triebverschränkung, die einen von den eigenen Instinkten, die Sexualität, mit einer Anpassungstendenz an andere, d.h. mit einer Bereitschaft zur Aufnahme von Fremdsuggestionen zusammenbindet. Der seelische Selbsterhaltungsinstinkt hat fortan zu kämpfen nicht nur gegen die Suggestionen von außen her, sondern auch gegen die eigene Sexualität als solche, welche die affektive Energie für die suggerierten Inhalte zu stellen begonnen hat.

Und damit hat der eigentliche antisexuelle »Protest« im Sinne Adlers eingesetzt. Er ist seinem Wesen nach auf Isolierung gerichtet. Der »Ichtrieb« als antisexueller Protest ist jetzt der Instinkt der Selbsterhaltung um jeden Preis, er zielt auf die Erhaltung der großen Einsamkeit um einen herum durch eigene Kraft.

Erklärlich ist die Existenz und die Entwicklungsrichtung dieses Triebes allein durch seinen nie aufhörenden Antagonismus mit einem gleichstarken, immerwirkenden, entgegengerichteten Triebe, den mit der Sexualität als Kontaktbedürfnis um jeden Preis, welche den Trieb der Anpassung, der Hingabe des eigenen Ich an andere, der Selbstaufgabe in sich aufgenommen hat.

Damit, daß die infantile Sexualität den Impuls zur Hingabe des eigenen Ich an Andere, der Unterwerfung zwecks Vermeidung der Vereinsamung in sich aufgenommen hat, ist ihr das masochistische Moment zu eigen geworden. Wir können sagen, der Masochismus ist der Versuch des Kindes, sich mit der ihm gegebenen passiven Situation zu identifizieren und so durch Unterwerfung einen gewissen Kontakt mit der Umgebung zu erlangen. Das treibende Motiv im Masochismus ist die Angst vor der Einsamkeit, Angst vor der Einsamkeit ist aber ein Motiv, das auch das ganze Leben hindurch zur Geltung kommen muß. In den bestehenden Verhältnissen ist die Art der gegenseitigen Beziehungen der Menschen zueinander — die inneren Gründe für diese Beziehungen sind auch Gegenstand unserer Problemstellung hier — in so hohem Grade korrumpiert, daß die Alternative zwischen Einsambleiben und sich vergewaltigen zu lassen wohl jedem und immer in seinem ganzen Leben entgegensteht. Die infantile Tendenz, durch Unterwerfung Anschluß zu erreichen, wird damit dauernd erhalten. Nun haben wir früher gesagt, die masochistische Tendenz ist ein Sichabfinden-wollen und eine Bejahung der infantilen Situation dem Erwachsenen gegenüber. Zwar ist ein Mensch wohl selten im späteren Leben in Wirklichkeit so einsam, wie er als Kind gewesen ist, aber ein Kind hat wenigstens noch die Hoffnung auf eine Erleichterung dieser Einsamkeit um den Preis der Unterwerfung. Durch eine unbewußte Erinnerung an diese Hoffnung fixiert sich eine Sehnsucht und Tendenz ins Infantile zurück durchs Leben hindurch. Wir können also den Masochismus auch definieren als das Bestreben zur Wiederherstellung der infantilen Situation den Erwachsenen gegenüber.

Wir können annehmen, daß der Masochismus ursprünglich und vielleicht wirklich während einer bestimmten, einen Zeitabschnitt ausfüllenden Periode mit der Sexualität als solcher, als dem Kontaktbedürfnis um jeden Preis, zu einer Einheit zusammenschmilzt. Demgegenüber stellt der Selbsterhaltungstrieb der Persönlichkeit, als antagonistische Komponente, zunächst den antisexuellen Protest als solchen dar. Allein es kommt wohl sehr bald schon dazu, daß die infantile Tendenz, durch Unterwerfung zum Kontakt mit den anderen zu kommen, auch rein dem sexuellen Bedürfnis gegenüber als unzureichend empfunden wird. Die Angst der Einsamkeit, die sexuelle Isolierung selbst muß auch die Tendenz entspringen lassen, den sexuellen Kontakt, wenn auch nur in grobphysischer Form, und doch auch irgendeine surrogative Art von seelischer Beziehung, wenn möglich, erzwingen zu wollen. Das Kind hat die verzweifelte Sehnsucht, erwachsen zu sein: dies Erwachsensein-wollen ist seinem Wesen nach, in genauem Gegensatz zur Lage der Dinge beim Masochismus, ein souveräner Inhalt der Selbsterhaltungstendenz.

Erwachsensein und überhaupt stark sein bedeutet aber auch eine Aussicht auf Erfüllung des Wunsches, sich Sexualität erzwingen zu können. So kommt es zu einem Kompromiß zwischen der Sexualität und der Selbsterhaltungstendenz in ihrer hypertrophischen Form, zu einer Triebverschränkung von Sexualität und Willen zur Macht. Gerade der seelische Zustand des Kindes, die Einsamkeitsangst und das Ohnmachtsgefühl, die seinem Unbewußten einen der Angst naheverbundenen Gehalt von Haß und Rache verleihen, führen zu den oft so gewaltsamen und grauenhaften Charakterzügen der Vergewaltigungstendenz. Das Verbindungsresultat der Sexualität mit dem Willen zur Macht, in seinem Wesen ein Kompromißgebilde aus Angst vor der Einsamkeit und Willen zur Erhaltung der Einsamkeit, ist die sadistische Triebkomponente.

Wir können also sagen: Es wird durch äußeren Druck, durch die das Kind umgebende Alternative zwischen Selbsthingabe und Einsamkeit in jedem Menschen ein masochistisches Moment geschaffen als Ausdruck der Unüberwindlichkeit des Bedürfnisses nach Kontakt. Demgegenüber bildet sich der »antisexuelle Protest« als kompensierende Hypertrophierung des seelischen Selbsterhaltungstriebes. Nunmehr aber kommt es zu einem Kompromiß zwischen diesem auf Erhaltung der Einsamkeit gerichteten Triebe mit der Sexualität, mit anderen Worten: es bildet sich auch eine sexuelle Teilkomponente heraus, in welcher die Erhaltung der eigenen Isolierung zugleich mit sexuellem Sichauslebenwollen zustande kommt. Es wird der hypertrophische Ichtrieb in seinem Wesen als Abwehr des Kontaktes und Durchsetzen des eigenen Ich dem andern gegenüber, also »der Wille zur Macht« zu einem sexuellen Ausdruck gebracht. Dies aber ist, das Wort in seinem weitesten Sinne genommen, das Wesen des Sadismus. Es bildet sich also auch in jedem Menschen ein sadistisches Moment als Ausdruck der Unüberwindbarkeit des seelischen Selbsterhaltungstriebes. So wird der große innere Konflikt, ursprünglich der Konflikt zwischen dem Eigenen und Fremden, dann als Konflikt zwischen der Sexualität und dem Ichtrieb, zwischen Hingebungstendenz und Willen zur Macht, zuletzt als Ganzes in das Gebiet des Sexuellen hineingezogen und fixiert sich als Konflikt zwischen zwei antagonistischen Triebkomponenten sexueller Natur, zwischen dem masochistischen und sadistischen Moment.

Auf den Konflikt in dieser letzten Form geht weiterhin alle innere Zerrissenheit des Individuums zurück und alles ewige Mißlingen in den Beziehungen der Individuen zueinander. In der sadistisch-masochistischen Verbildung der großen Triebe beruht die Pathologie der Beziehung. —

Ich gab vorhin die Definition: Die Sexualität in ihrer ursprünglichen Form ist das Bedürfnis nach Kontakt mit den anderen, im physischen und psychischen Sinne. Und: Jede Perversion ist Übertragung sexueller Energie auf ursprünglich Nichtsexuelles.

Ich habe mich ferner gegen die Auffassung Freuds von der Allsexualität, die alle Perversionen vom Ursprung her mit umfasse, gewendet. Es scheint nun ein Widerspruch zwischen dieser meiner Meinung und meiner eigenen Definition. Denn dieser letzten nach umfaßt die ursprüngliche Sexualität die homosexuelle Komponente in sich.

Es fragt sich nun, inwieweit diese homosexuelle Komponente tatsächlich eine Perversion bedeutet. Nach der gegebenen Definition müssen wir die Frage stellen, inwieweit die Richtung der homosexuellen Komponente tatsächlich in das Gebiet der durch ursprüngliche Anlage umgrenzten, eigentlich sexuellen Inhalte fällt. Ob etwas durch Anlage vorgebildet sein kann, entscheidet sich durch das Bestehen oder Fehlen einer biologischen Zweckmäßigkeit.

Dies Problem ergibt sich also, inwieweit in der homosexuellen Triebkomponente eine artgemäße Zweckmäßigkeit, ein — sit venia verbo — teleologisches Moment gelegen ist.

Ich glaube, der angeborenen, also »normalen« Sexualität ist eine homosexuelle Komponente angeschlossen und es ist deren Funktion, die Einfühlung in die sexuelle Einstellung des anderen Geschlechtes zu ermöglichen. Denn Einfühlen kann man sich nur in das, was man innerlich miterlebt, und das bedeutet im Falle der Einfühlung in sexuelle Empfindungen des anderen Geschlechtes, in sich selbst ein homosexuelles Partialmotiv zur Geltung kommen zu lassen.

Wohin die biologische Zweckmäßigkeit dieses Vorganges eingestellt ist, wird am besten verständlich, wenn man sich die mit der Unterdrückung der homosexuellen Komponente unvermeidlich gegebene Unterdrückung der sexuellen Einfühlung in das andere Geschlecht vor Augen stellt. Es ergibt sich dann, daß durch diesen Verdrängungsvorgang das Erleben der sexuellen Situation als einer Gemeinsamkeit, einer verbindenden Welteinwirkung von vornherein unmöglich gemacht ist, also im sexuellen Vorgang eines das andere nur als das Werkzeug seiner Befriedigung empfinden kann, gegen dessen eigenes sexuelles Tun und Empfinden sich die dem eigenen Miterleben — als einem homosexuellen Motiv — entgegengerichtete Verdrängungstendenz verneinend und fernhaltend einsetzt. Und dies genügt fast schon allein zur Erklärung für die grauenerregende Universalität jener Erscheinung, für die August Strindberg den Ausdruck gefunden hat: »Der Haß der Geschlechter gegeneinander ist ohne Namen, ohne Grenzen, ohne Ende.«

Die Unterdrückung und Verdrängung der angeborenen homosexuellen Teilkomponente — ich nenne dieselbe in ihrer ursprünglichen Gestalt, im Gegensatz zu ihrer durch komplizierte Triebverschränkungen modifizierten und verbildeten »sekundären« Erscheinungsform die »primäre« Homosexualität — erfolgt zunächst einmal durch die ihr entgegengerichteten Moralsuggestionen der Umgebung. Die Summe aller dieser Suggestionen an sich wäre noch eher — als reiner seelischer Fremdkörper — einer späteren Ausstoßung fähig. Unendlich erschwert aber sind für jeden solchen Eliminierungsversuch die hinzukommenden Triebverschränkungen der homosexuellen Komponente mit wirklichen Perversionen, vor allem mit dem sadistisch-masochistischen Kräftekomplex und mit der Perversion, für welche Freud Begriff und Ausdruck der »Analerotik« gefunden hat.

Wir wollen hier zuerst die Triebverschränkung der Homosexualität mit der Analerotik — welche aus Gründen, die wir sogleich besprechen werden, nur beim Mann von größerer Wichtigkeit ist — besprechen und dann zum Homosexualitätsproblem und seinen tiefen Zusammenhängen mit unserem eigentlichen Thema, dem sadistisch-masochistischen Kräftekomplex und den Störungen der Beziehung im engeren Sinne zurückkehren.

Die Entstehung der Analerotik kann man mit der des Masochismus in eine gewisse Parallele bringen. Man kann sagen, der Masochismus ist in erster Linie Resultat und Fixierung der Erniedrigung, welche das psychische Moment des Kontaktbedürfnisses erfährt, von der Analerotik gilt dasselbe in bezug auf das physische Moment der Sexualität. Wie die Verschiebung sexueller Energie auf das Gebiet der analen Region und der exkrementellen Funktionen, also nach meiner Terminologie auf ein anlagegemäß und seinem Wesen nach nichtsexuelles Gebiet zustande kommt, das wird verständlich, wenn man sich das folgende vor Augen stellt. Das physisch-Sexuelle wird im Kind, soweit es der Umgebung als solches erkennbar, d.h. soweit es eben anlagegemäß auf die natürlichen Regionen und Funktionen der Sexualität konzentriert ist, mit allen Mitteln unterdrückt und zur größtmöglichsten Verdrängung gebracht. Die exkrementellen Funktionen dagegen lassen sich nicht unterdrücken und nicht verdrängen, auf diesem Gebiet bedarf das Kind während einer größeren Lebensperiode einer Hilfe von seiten des Erwachsenen und kommt mit ihnen auf diesem Gebiet in eine körperliche Berührung. Das sexuelle Kontaktbedürfnis des Kindes, durch die Unterdrückung von seiten der Umgebung in Verdrängung begriffen, der Kontrolle des Bewußtseins dadurch entzogen und somit der Korrekturmöglichkeit gegenüber Verirrungen beraubt, mit der Suggestion der moralischen Verneinung belastet und damit an sich schon im Niveau erniedrigt, ist dadurch vorbereitet zur Verschiebung seiner sexuellen Energie auf jenes einzige Gebiet, auf welchem die physische Berührung mit der Umgebung ermöglicht und gegeben ist, auf das Gebiet der Körperpflege und seiner Intimitäten, und so ist für das Kind gewissermaßen die Übertragung sexueller Empfindungen auf das analerotische Gebiet zur Bedingung geworden, unter welcher es doch noch irgendeinen physisch-sexuellen Kontakt mit der Umgebung, und sei derselbe auch noch so surrogativ, als solchen erleben kann. Und überdies: Vom Unbewußten des Erwachsenen her zu dem des Kindes kommt die im Erwachsenen seinerseits bestehende latente Analerotik der korrespondierenden Entwicklung im Kinde entgegen.

Die eigentlich folgenschwere Verankerung der Analerotik der Homosexualität ist übrigens aus körperlichen Gründen natürlich nur beim Mann existent, denn der bleibend fixierte, voll entwickelte Ausdruck dieser Verankerung ist selbstverständlich die Päderastie. Wesen der Päderastie ist die Verschmelzung von drei besonderen Triebmotiven: Homosexualität an sich, Analerotik und symbolische Darstellung des einen Geschlechtes durch das andere. (Wir werden auf dieses letzte Moment noch später in anderem Zusammenhange zu sprechen kommen.) Infolge dieser besonderen, typisch symbolischen, in einer spezifischen Sexualgeste fixierten Triebverschränkung der Homosexualität mit der Analerotik beim Mann ist auch bei diesem die Verdrängung der Homosexualität eine viel radikalere und intensivere als beim Weib. Soviel ich sehe, hat die Homosexualitätsverdrängung auch nur beim Mann die besondere Qualität des Ekels.

Wir kommen nun zu unserem engeren Thema zurück.

Wir haben gesagt, daß die Homosexualität ursprünglich und ihrer Anlage nach nicht nur antagonistisch zur Heterosexualität eingestellt ist, sondern im Gegenteil eine Hilfskomponente derselben bedeutet. Wir sehen aber, daß dieser Zustand sich im Verlaufe der Veränderungen, welche die Sexualität in ihrer Entwicklungsrichtung gestalten, in sein vollkommenes Gegenteil zu verwandeln pflegt. Tatsächlich finden wir der Regel nach die heterosexuelle und homosexuelle Komponente in denkbarst scharfem Antagonismus stehend. Es ist nun das Problem, wodurch dieser Antagonismus geschaffen wird und inwiefern seine Herausbildung mit der des sadistisch-masochistischen Gegenkraftpaares in Wechselwirkung verbunden ist.

Die wertvollste psychologische Definition der Homosexualität, die wir bisher besitzen, ist die von W. Stekel. »Die homosexuelle Neurose«, sagt er in seinem großen Werk über Onanie und Homosexualität, »ist eine durch die sadistische Einstellung zum entgegengesetzten Geschlecht bedingte Flucht zum eigenen Geschlecht.« Ich glaube hinzufügen zu müssen: sadistische oder masochistische Einstellung. Wir werden sehen, daß diese Umschaltung notwendig wird, wenn Stekels Definition auf die Homosexualität der Frau adaptiert werden soll. —

Wir setzen also den Fall, es sei in der Heterosexualität eines Mannes die sadistische Komponente zu intensiver Ausbildung gelangt. Vorausgesetzt, daß diese Triebrichtung nicht zur absoluten Beherrschung des ganzen Seelenlebens kommt — daß also nicht eine bewußte, komplette Perversion entsteht — so muß der Impuls zur Flucht vor dem sadistischen Impuls und zu seiner Überkompensierung durch das Gegenteil zur Geltung kommen. Die Flucht vor der Perversion erfolgt nun einerseits in der Richtung auf den Masochismus hin, andererseits aber auch — da wir ja eine heterosexuelle Orientierung des Sadismus angenommen haben — in der Richtung auf das homosexuelle Empfinden zu. In diesem Falle wären also Homosexualität und Masochismus Strebungsziel einer Triebtendenz und Wirkungen einer Ursache. Es ist darum naheliegend, daß zwischen diesen Motiven, der Homosexualität und dem Masochismus, eine Triebverschränkung zustande kommt, daß also eine masochistisch geartete Homosexualität sich herausbilden wird. Besonders wenn wie im gegebenen Falle noch durch allgemein wirkende, typische Momente ein innerer Zusammenhang zwischen Homosexualität und Masochismus hergestellt wird. Wir werden solche typischen Momente später kennen lernen [4].

Oder wir nehmen an, es sei in der Heterosexualität einer Frau der Masochismus zu dominierender Intimität gelangt, so ist es naheliegend, daß sich als Abwehr gegenüber der eigenen Tendenz zur Unterwerfung unter den Mann einerseits eine Überkompensation in Form des Willens zur Macht, bzw. der sadistischen Einstellung und andererseits eine Flucht in das lesbische Empfinden zur Geltung bringen wird. Es ergäbe sich dann eine Triebverschränkung des Willens zur Macht mit dem lesbischen Empfinden, besonders wenn auch hier, wie im oben angenommenen Fall, typische psychologische Momente den inneren Zusammenhang der beiden Triebkomponenten vermitteln.

Mit anderen Worten handelt es sich darum, welche Komponente vom sadistisch-masochistischen Antagonistenkomplex der Regel nach mit der Heterosexualität, welche mit der Homosexualität in Verbindung tritt, unter welchen Voraussetzungen und aus welchen Gründen in einem Falle die eine, im anderen Falle die andere Kombination zustande kommt. Wir werden sehen, daß diese Kombinationen nicht so sehr von den zufälligen individuellen Schicksalen bestimmt werden, als daß sie sich vielmehr im wesentlichen in zwei typische, große Gruppen ordnen. Sie sind typisch verschieden für Mann und Weib.

Wir kommen hier auf ein Moment zu sprechen, dessen Aufdeckung eine der großen Entdeckungen Alfred Adlers bedeutet. Wir wissen durch ihn, daß die Begriffe »Mann« und »Weib« — für das Unbewußte, als Abspiegelung der bestehenden Institutionen in Sozietät und Familie — die Bedeutung von »überlegen« und »unterliegend« anzunehmen pflegen. Es wird, als seelischer Niederschlag der bestehenden Zustände, das gegenseitige Verhältnis der Geschlechter zu einem Symbol der Herrschafts- bzw. Unterwerfungssituation.

Mit der geradezu gesetzmäßigen Festlegung — dem Adlerschen Symbolgesetz — ist der typische symbolische Ausdruck, die typische fixierte Geste für die beiden Komponenten des masochistisch-sadistischen Komplexes von selbst gegeben. Der »Ichtrieb«, der Wille zur Macht und Vergewaltigung, der Sadismus verschmilzt und identifiziert sich bei beiden Geschlechtern mit dem Leitmotiv: »Mann sein wollen«, das Kontakt- und Hingabebedürfnis, die Unterwerfungstendenz, der Masochismus — in Ablösung seiner ursprünglichen Symbolik: »Kind sein wollen« — mit dem Leitmotiv: »Weib sein wollen«.

Daraus ergibt sich also: Beim Mann ist die sadistische Komponente heterosexuell, die masochistische Komponente homosexuell orientiert. Beim Weib ist die masochistische Komponente heterosexuell, die sadistische oder hier besser gesagt, die auf Erhaltung der Persönlichkeit gerichtete aktive Komponente homosexuell orientiert.

Ich hebe hervor, daß es sich hier nur um den dominierenden Typus, d.i. um das Geschehen im Unterbewußtsein des Nicht-Perversen handelt. —

Wenn es der typische notwendig gegebene Ausdruck des Unterwerfungsbedürfnisses ist, Weib sein zu wollen, so muß der Masochismus des Mannes notwendigerweise zunächst einmal — von der Zurückwendung der homosexuell verschränkten Komponente auf das andere Geschlecht werden wir später sprechen — seinen homosexuellen Wesenszug bekennen. Wir können das ganze Gebiet der passiven Homosexualität des Mannes, in welchem Grade der Ausprägung bzw. der Bewußtseinsbeherrschung sie sich zeigen mag, und ebenso im Grunde jeden Masochismus beim Mann wohl am besten verstehen als Triebverschränkung der Homosexualität mit der masochistischen Komponente.

Und wenn es der typische notwendige Ausdruck des Ichtriebes ist, Mann sein zu wollen, so muß der »Ichtrieb« der Frau in jedem Grade seiner Ausbildung, sei es als eigentlicher Sadismus, als Willen zur Macht oder auch nur als Selbsterhaltungstrieb der Persönlichkeit im engeren Sinne, sich unvermeidlich in der Triebverschränkung mit der Homosexualität fixieren. Die homosexuelle Komponente in der Frau spielt ihre größte dominierende Rolle als Realisierung des »Protestes« gegen die der Frau in ihrer gegenwärtigen Situation geschehende Unterdrückung, und durch den Protestcharakter gewinnt das lesbische Moment seine eigenartige psychologische Charakteristik. Es muß hier aber noch einmal betont werden: das lesbische Protestmotiv richtet sich nicht nur gegen die Unterdrückung von außen her, sondern vor allem auch gegen den Impuls im eigenen Innern, dieser Unterdrückung entgegenzukommen, also gegen die eigene masochistische, speziell also heterosexuell-masochistische Hingabetendenz [5].

Wir fassen das Gesagte zusammen. Aus den großen ursprünglichen Trieben, dem Kontaktbedürfnis — der primären Sexualität — und dem Trieb zur Erhaltung der eigenen Persönlichkeit werden unter dem Druck der Umgebung, dem Zwang zur Anpassung als Kontaktbedingung und der Angst vor der Einsamkeit die antagonistischen Triebtendenzen zum Durchbrechen der Einsamkeit um den Preis der Unterwerfung — der Masochismus — und zum Durchsetzen der eigenen Persönlichkeit um den Preis des aktiven Erhaltens der eigenen Einsamkeit, auch in der Sexualität durch Vergewaltigung des Sexualobjektes — der Sadismus.

So bildet sich also der masochistisch-sadistische Antagonistenkomplex als dominierender Ausdruck des inneren Konfliktes. Durch typische Verschränkung mit der homosexuellen und heterosexuellen Einstellung gewinnen die masochistisch-sadistischen Impulse ihre weitere Ausgestaltung in verschiedenem Sinne. Unter dem Einfluß der bestehenden besonderen Lage der Frau, durch welche für das Unbewußte die Begriffe Männlichkeit und Weiblichkeit zu Symbolen eines Herrschafts- und Unterwerfungsverhältnisses werden, gewinnt beim Mann das Unterwerfungsbedürfnis, bei der Frau der Selbsterhaltungstrieb und Wille zur Macht notwendigerweise seinen symbolischen Ausdruck durch das homosexuelle Motiv. Und damit formt sich der sadistisch-masochistische Antagonistenkomplex zu zwei für beide Geschlechter verschiedenen, typischen Kräftepaaren: beim Mann heterosexueller Sadismus und passive Homosexualität, bei der Frau heterosexueller Masochismus und aktive Homosexualität.

Dies ist, so weit ich sehe, die typische Entwicklung des großen Antagonistenkomplexes. Es ist wohl selbstverständlich, daß alle Bildungen des Unbewußten und der im Unbewußten verankerten Triebe selbst immer wieder Ausgangspunkt noch weiterer, umwandelnder und, wie wir wissen, kompensierender und kontrastierender Entwicklung sind. Die Grundeinstellungen beim Mann und Weib, die wir zu formulieren versucht haben, sind wohl als wirkende und richtende Faktoren in der Tiefe fixiert, doch schafft die weitere Entwicklung des Innenlebens das Auftauchen auch entgegengesetzter, das äußere Geschehen oftmals beherrschender Erscheinungen.

Als modifizierende Faktoren wirken vor allem jene, welche im einzelnen Falle die Ausbildung manifester, totaler Homosexualität bewirken. Welche Momente hier ursächlich in Frage kommen — Inzestabwehr, spezielle Überkompensationen —, liegt nicht in unserem engeren Fragegebiet. Soviel ist ohne weiteres verständlich: wo mehr [oder] minder das ganze sexuelle Empfinden in das Gebiet der Homosexualität hinübergezogen wird, dort ist kein Einstellungsunterschied zwischen der sadistischen und masochistischen Komponente mehr in Wirksamkeit. In Fällen totaler Homosexualität ist jede Komponente des Antagonistenkomplexes im Sinne der dominierenden gerichtet. Wir werden diese Frage noch einmal kurz zu berühren haben.

Ferner: Als modifizierende Faktoren der typischen Grundeinstellung können besondere, aus dem infantilen Leben und den infantilen Situationen her persistierende Motive wirken. Es scheint, daß eine Anzahl von Individuen durch eine Art von Entwicklungsverzögerung überhaupt nicht dazu kommt, das eigentliche große Problem des Erwachsenen, die Frage der gegenseitigen Beziehung der Geschlechter zueinander und die Auseinandersetzung mit den Macht- und Kampfmotiven zwischen den Geschlechtern überhaupt anzuschneiden. Für die unbewußte Orientierung solcher Individuen kommt nicht das Macht- und Unterwerfungsverhältnis zwischen Mann und Weib, sondern das souveräne Problem der infantilen Periode, das Machtverhältnis zwischen Kind und Eltern bzw. zwischen Kind und Mutter als persistierend führendes Motiv zur Geltung. In solchen Fällen kann, im Widerspruch zum Adlerschen Symbolgesetz, die Mutter bzw. das Weib als Macht- und Überlegenheitssymbol fungieren, das Weib also zum Objekt der Unterwerfungstendenzen werden.

Bei Frauen ergibt solche Persistenz der infantilen Muttersymbole den lesbischen Masochismus.

Beim Mann ergibt sich beim Persistieren derselben Symbolik — der weiblichen Machtsymbolik — als unmittelbares Resultat ein heterosexueller Masochismus. Soweit ich sehe, scheint mir dieser primäre heterosexuelle Masochismus — im Gegensatz zur typischen, sekundären Form, deren komplizierterer Aufbau später besprochen werden wird — in einem Teil der Fälle selbst zu einer schweren Perversität gesteigert, im anderen durch eine absolute Überkompensierung umgekehrt und in totale Absperrung der Beziehung zur Frau verwandelt zu werden. In diesen Fällen wird der als Überkompensierung entwickelte Machtwille dann in das Gebiet der Homosexualität verschoben, so daß sich resultierend reine Fälle von aktiver (sadistischer) totaler Homosexualität beim Manne ergeben. Ich gedenke diesen Problemen in einer späteren Arbeit näherzutreten.

Des weiteren: Wie in dem einen Falle die Nachwirkungen aus dem Infantilen modifizierend zur Geltung kommen, so sind es im anderen die Realitäten des Lebens, in das der Erwachsene eintritt, welche als praktische Nötigungen gewissen im Unbewußten festgelegten Gefühlsorientierungen entgegentendieren bzw. auf ihre Überkompensierung hinarbeiten. Als reguläres Geschehen vollzieht sich ein solcher Prozeß im typischen Verhältnis von Mann zu Mann. Es ist nicht möglich, daß dieses Verhältnis — ich spreche von der allgemeinen Entwicklung, dort, wo die Homosexualität nur als unbewußter Impuls und latentes Konfliktmotiv fungiert — ausschließlich von der passiven masochistischen Einstellung diktiert bliebe. Das Persistieren einer solchen Disposition würde das betreffende Individuum in seinen Existenzbedingungen derart schädigen, es derart zum Unterliegen im Ringen um den Lebensplatz bestimmen, daß es entweder zum Untergang oder zur Korrektur durch überkompensierende Momente kommen muß. Natürlich spielt sich diese Weiterentwicklung nicht mehr in der Form als solcher erkennbarer sexueller Motive ab. Vielmehr sind diese Vorgänge recht eigentlich Gebiet der Kämpfe um Macht und Geltung der Persönlichkeit, deren klassisches Bild uns Adler gezeichnet hat. —

Wir kommen auf unser eigentliches Problem zurück: auf die Beziehung der Geschlechter zu einander und ihre Wechselwirkung mit den großen typischen pathogenen Faktoren, dem sadistisch-masochistischen Antagonistenkomplex und seinen typischen Gestaltungen bei Mann und Weib.

Ich sehe bei diesem Geschehen eine typische Korrektur der Homosexualität, die sich wiederum in Form einer Kompromißbildung vollzieht. Im Lauf der Entwicklung kommt bei der überwiegenden Mehrzahl der Menschen — bei allen, bei denen nicht ganz besondere psychische Bedingungen vorliegen, also vor allem besonders intensive Konflikte mit besonders starken und besonders stark unterdrückten inzestuösen Einstellungen heterosexueller Art — die von der Anlage her überwiegende Extensität und Intensität des heterosexuellen Fühlens zur dominierenden Geltung. Nun steht die homosexuelle Komponente in ihrer anlagegemäßen primären Gestalt — das wurde schon gesagt — mit der heterosexuellen in einem keineswegs antagonistischen Verhältnis, sie stellt ja im Gegenteil ihrer biologischen Bestimmung nach eine Hilfskomponente dar. Allein in ihrer primären Form ist die Homosexualität wohl bei keinem Individuum mehr erhalten, sie ist durch die Triebverschränkungen, die wir besprochen haben, verändert worden und steht in dieser »sekundären« Gestalt im ausgesprochensten Antagonismus zum heterosexuellen Empfinden. Zwischen Homosexualität und Heterosexualität wird nahezu bei allen Menschen ein Zustand absoluter Unvereinbarkeit geschaffen. Die Korrektur dieses Zustandes geschieht nunmehr, soweit ich sehe, auf zweierlei Art. Es wird entweder die heterosexuelle Komponente unter Beibehaltung ihres qualitativen Charakters auf das homosexuelle Objekt übertragen — das sind dann die Fälle von totaler Homosexualität — oder es geschieht das Umgekehrte: Das homosexuelle Moment wird in der qualitativen Beschaffenheit, die es im Ablauf seiner Entwicklung erhalten hat, inhaltlich auf das heterosexuelle Objekt gerichtet [6].

Wir haben früher die beiden typischen Gestaltungen des großen Antagonistenkomplexes bei beiden Geschlechtern formuliert: beim Manne heterosexueller Sadismus und passive Homosexualität, beim Weib heterosexueller Masochismus und aktive Homosexualität. Aus diesen Prämissen heraus vollzieht sich die Rückinversion als Übertragung der beiden homosexuellen Komponenten auf das andere Geschlecht. Es wird also beim Manne der ursprüngliche homosexuelle Masochismus inhaltlich auf das Weib gerichtet und beim Weib die lesbische Aktivität auf den Mann [7].

Mit dieser Rückinversion der homosexuellen Komponenten ist der Komplex der großen Antagonisten in seiner Ganzheit in die Heterosexualität zurückgezogen, der innere Konflikt spielt sich von da an innerhalb des heterosexuellen Gebietes ab. Das große Triebkräftepaar, von dem der innere Konflikt getragen wird, hat damit seine Inhaltsbildung abgeschlossen und seine für den Nichtperversen typische, definitive Gestalt erreicht.

Bei beiden Geschlechtern sind nunmehr beide Komponenten des sadistisch-masochistischen Antagonistenkomplexes auf dasselbe Objekt [gerichtet], das heterosexuelle, und damit unmittelbar einander entgegengerichtet, als unmittelbare, einander gegenseitig überkompensierende und miteinander direkt konkurrierende Gegenkräfte.

Und damit sind wir den eigentlichen Problemen unserer Untersuchung nahegekommen. Wir fragen uns: welche Bedeutung hat die Hereintragung der homosexuell gewordenen Komponenten des großen inneren Konfliktes für die Beziehung der Geschlechter zueinander?

Wir müssen zunächst erkennen, daß hier ein Vorgang der korrigierenden Überkompensation gegeben ist. Der auf das heterosexuelle Objekt zurückgewendete Masochismus des Mannes wirkt nunmehr seinem heterosexuellen Sadismus entgegen und die auf den Mann bezogene lesbische Aktivität der Frau ihrem heterosexuellen Masochismus.

Wir haben gesehen: Der Masochismus des Mannes hat die Grundtendenz »Frau sein wollen« und die lesbische Aktivität der Frau die Grundbedeutung »Mann sein wollen«. In der Hereintragung dieser Komponenten in das gegenseitige Verhältnis von Mann und Frau liegt eine Ausgleichtendenz gegenüber der Differenz der Geschlechter.

Und diese Ausgleichtendenz hat eine im höchsten Grade teleologische Bedeutung. Wir müssen bedenken, daß die psychischen Typen »Männlichkeit« und »Weiblichkeit«, so wie wir sie heute kennen, ein künstlich geschaffenes Produkt, ein Resultat der Anpassung an bestehende Verhältnisse sind. Die heutige Familienordnung bedingt noch immer die Abhängigkeit der Frau vom Mann, sie hat den Willen zur Macht in der Sexualbeziehung des Mannes zur Frau und die Tendenz zur Unterwerfung der Frau dem Mann gegenüber zur Grundbedingung und schafft damit eine Anpassung beider Geschlechter an die ihnen aufgezwungene Form des gegenseitigen Verhältnisses. Mit anderen Worten: Der Sadismus des Mannes und der Masochismus der Frau werden durch den Druck der bestehenden Verhältnisse und durch die unter diesem Druck erfolgende Umbildung des sexuellen Empfindens zu den allgemein charakteristischen Wesenszügen der Typen »Männlichkeit« und »Weiblichkeit«, so wie wir sie heute kennen.

Daß die Herausbildung dieser beiden Typen dem eigentlichen tiefsten Sinn des Individuums und der Beziehung, das Ausreifen der eigenen persönlichkeitsgemäßen Anlagen und die Erreichung innigen gegenseitigen Kontaktes zugleich zu vollenden, absolut hindernd entgegensteht, ist selbstverständlich. Daß sie dem angeborenen und unverlierbaren Streben der menschlichen Natur gegenüber einen ewig störenden Fremdkörper darstellt, beweisen die verzweifelten Versuche des Unbewußten zu ihrer Korrektur und Überkompensation.

Die Einbeziehung des Masochismus beim Manne und der lesbischen Aktivität bei der Frau in das gegenseitige Verhältnis — also die Tendenz eines jeden von beiden Teilen, sich mit dem anderen Geschlecht zu identifizieren — bedeutet aber eine Strebung nicht nur nach Ausgleich, sondern auch nach Umkehrung des bestehenden Herrschafts- und Unterwerfungsverhältnisses. Sie streben damit, wie alle in Antagonistenkomplexe eingeordneten Triebkomponenten, über den eigentlichen biologischen Sinn, die wirkliche biologische Zweckmäßigkeit hinaus. Das ist ja Wesen und Begriff der Überkompensation.

Die lesbische Aktivität der Frau, auf den Mann übertragen, wirkt also innerhalb der gegenseitigen Beziehung in zweifacher Art: einerseits als Wille zur Gleichordnung und andererseits als überkompensierter hypertrophischer Trieb, darüber hinaus als »Wille zur Macht« und als antisexueller Protest. Als Wille zur Gleichordnung der Geschlechter ist diese Tendenz der Träger aller Strebungen der Frau, welche auf geistige Differenzierung und freiheitliche Entwicklung der gegenseitigen Beziehung gerichtet sind. In ihrer hypertrophischen Form bedeutet sie die stete, von realen Gründen unabhängige Angst vor einer Unterwerfungsmöglichkeit — die Angst vor der eigenen masochistischen Tendenz — und schließt damit letzthin die Möglichkeiten vollkommener unmittelbarer Gefühlsbeziehung aus.

Der Masochismus des Mannes, auf die Frau übertragen, führt einerseits zu einem Kompromiß mit dem Protest der Frau und wird in vielen Fällen zum allerdings überkompensierten Ausdruck für ein Kontaktbedürfnis auf Grund der Gleichordnung. Es ist dies die resignierte Geste des Mannes, der auf die Anerkennung der eigenen Person in der Beziehung verzichtet hat.

Andererseits liegt es im Wesen jedes überkompensierenden, einem Antagonistenkomplex angehörenden Triebes, daß er seinen Antagonisten selbst wieder wach erhält. Mit anderen Worten: Die masochistische Tendenz des Mannes, als ein übertreibendes, über die Gleichordnung der Geschlechter hinaustreibendes Moment, erzeugt einen Gegendruck im eigenen Innern, sie läßt den durch die eigene Hingebungstendenz stets gefährdeten Trieb zur Selbsterhaltung nicht zur Ruhe kommen und bringt ihn als Impuls der übertriebenen Selbstbewahrung, der Abwehr oder Rache, immer wieder an die Oberfläche.

Es ist im Wesen des Korrekturversuches durch Überkompensation, daß er zuletzt doch immer nur den Kampf der Extreme ergeben kann und nicht das seelische Gleichgewicht, weder im Innern des Individuums noch in der Beziehung der Individuen zueinander. Und dennoch ist in ihm das Beste, das wir haben: das Streben nach Beziehung. —


II.

Über Einsamkeit


Im folgenden ist ein populäres »Kosmos«-Referat, welches mir eben zur Verfügung steht, im Wortlaut wiedergegeben; es bezieht sich auf Forschungsergebnisse eines Kinderarztes Prof. Ibrahim, die mir gerade für unsere Probleme entscheidend scheinen.

»In einer alten Chronik steht eine seltsame Geschichte. Friedrich II., der romantische Hohenstaufenkaiser, warf die Frage auf, in welcher Weise sich Kinder miteinander verständigen würden, die niemals ein gesprochenes Wort gehört hätten. Er ließ zur Lösung dieser Frage eine Anzahl verwaister Säuglinge von Ammen aufziehen mit dem Befehl, sie zwar mit allem bestens zu versorgen, aber niemals ein Wort oder eine Liebkosung an sie zu richten. Des Kaisers Frage blieb ungelöst; die Kinder starben. Sie konnten, sagt die Chronik, nicht leben ohne den Beifall und die Gebärden, die freundlichen Mienen und Liebkosungen ihrer Wärterinnen; deshalb nennt man die Lieder, die das Weib dem Kinde an der Wiege singt, den Ammenzauber.«

An der Wahrheit dieser Geschichte kann man zweifeln; ihre Wahrhaftigkeit ist durch die moderne Wissenschaft erwiesen. Ohne Liebe kann ein Kind nicht leben.

Mehr als ehedem müssen in diesen Kriegszeiten Tausende von Müttern ihren Berufspflichten nachgehen und ihre Kinder selbst im zartesten Alter fremder Obhut überlassen. Die verwaisten Säuglinge aufzunehmen, haben sich zahlreiche Horte, Heime und Krippen geöffnet. Die Mehrzahl von ihnen wird einwandfrei geleitet. Sie stehen unter ärztlicher Aufsicht, sind mit allen technischen und hygienischen Einrichtungen der Säuglingspflege ausgestattet, mit Nahrungsmitteln versorgt, von einem geschulten Personal bedient. Und dennoch gedeihen, namentlich bei längerem Aufenthalt, die Kinder in diesen großen Anstalten nicht annähernd so sicher und kräftig wie in mütterlicher Obhut, mag diese auch an Reichtum der Mittel weit hinter jenen zurückstehen. Selbst in der Einzelpflege einer fremden Frau, der sogenannten Ziehmutter, ist das Ergebnis der Kinderzucht bei sonst einwandfreier Versorgung besser, als es bis vor wenigen Jahren in den öffentlichen Anstalten gewesen ist. In diesen verfielen die Kinder fast durchweg einem schleichenden Siechtum, das man als Hospitalkrankheit, Hospitalismus, bezeichnete und das sich bei längerer Anstaltspflege im Nachlassen des Appetits und damit des Wachstums und im Auftreten von Verdauungsstörungen und nervösen Erscheinungen wie Unruhe und Schlaflosigkeit, Neigung zu Katarrhen und Drüsenerkrankungen äußert. Der Hospitalismus war bis vor kurzem die Seuche der Säuglingsheime wie einst der Hospitalbrand in den Wundlazaretten und das Wochenbettfieber in den Geburtsanstalten. Alle Verbesserungen der Pflege, aller Reichtum der Ausstattung, alle zeitgemäße Bekämpfung der Ansteckung wurde des unheimlichen Leidens nicht Herr, bis die gründliche Erforschung des Übels als überraschende Ursache fand: Mangel an Liebe! Die Kinder gehen, wie sich einer der führenden Erforscher des Hospitalismus ausdrückt, an seelischem Hungertode zugrunde, der kindliche Instinkt nach Mutterliebe bleibt unbefriedigt und das Seelchen stirbt dahin. Die zahllosen psychischen und körperlichen Anregungen zu Essen und Bewegung, Wachen und Schlaf, die das glückliche Kind in den Armen der liebenden Mutter empfängt, das Lächeln und Lieben, das Singen und Wiegen, das Aufgehobenwerden von der Mutter nach dem ersten Wimmerlaut der Nacht und das süße Wiederversinken in Träume unter der Flüstermelodie der Hüterin, die Befriedigung, die das Kind empfindet, auf den ersten Schrei nach Nahrung zu gewohnter Stunde an die nährende Brust gelegt zu werden und die halb bewußt-unbewußte erste Wollust des Daseins, saugend am warmen Busen der Mutter zu liegen, all diese traumhaften, kaum empfundenen und doch dem Kinde nötigen Wonnen des ersten Lebens, fehlen dem Kinde der Anstalt. Ihm fehlt der Ammenzauber. Kümmerhaft lebt es im Schatten des Schicksals liebeentbehrend dahin ... Der Mensch ist keine Maschine, die man mit Öl und Kohle speist und nach einem Fahrplan laufen läßt. Ein Pflänzlein ist das neugeborene Kind, das mit Liebe gehegt und gepflegt sein will und das den Sonnenschein beglückten Blickes und die Wärme des liebenden Armes verlangt.

Wie eine schöngeistige ethische Forschung hört es sich an; Naturgesetz ist es, bewiesen duch den wissenschaftlichen Versuch. In der Einzelpflege gelingt es fast ohne Schwierigkeit, ein Kind ohne Muttermilch hochzuziehen. In Tausenden von Fällen ist diese Notwendigkeit eingetreten und überwunden worden. Raubt man dagegen einem Anstaltskind neben der Mutter auch noch dieses köstlichste Gut, das sie dem Kinde nächst dem Leben zu spenden hat, die Milch, die aus dem Borne ihres Busens ihm zufließt, so krankt das Kind nicht nur an jenem Hunger an Liebe, sondern geht rettungslos zugrunde. Bis vor wenigen Jahren ist es in keinem einzigen Fall gelungen, einen Säugling in einer Anstalt mit Fremdmilch allein am Leben zu erhalten. Es gelang erst, nachdem man in allerneuester Zeit als Ursache des Hospitalismus den Mangel an Liebe erkannte und in den Säuglingsanstalten die schematische Massenpflege durch individuelle Einzelwartung ersetzte. Damit war der Weg zur Überwindung des Hospitalismus und zugleich zur allgemeinen Reform der Säuglingspflege gewiesen: jedem Kinde eine Mutter! Ammenzauber in die nüchternen Räume der Anstaltstrachten und Soxlethkocher! Je eine Pflegerin erhält eine beschränkte Anzahl von Säuglingen, die sie, wie eine Mutter ihre Kinder, in ihren Eigenheiten kennen lernen und dementsprechend individuell liebevoll behandeln muß. »Je mehr wir«, sagt Professor Ibrahim in einer kürzlich gehaltenen akademischen Antrittsrede, der die Unterlagen zu diesem Aufsatz entnommen sind, »uns bewußt bleiben, daß wir im Säuglingsheim den Kindern die Mutter ersetzen sollen und je höher wir den Begriff der Mutter einzuschätzen gelernt haben, je bessere Erfolge werden wir erzielen, je weniger wird schließlich von dem Schreckgespenst des Hospitalismus übrigbleiben. Durch diese Wandlung in der Auffassung über Säuglingspflege, die sich in den letzten 20 Jahren vollzogen hat, sind die Heime, die noch im vorigen Jahrhundert mehr Totenstätten denn Pflegestätten für das Leben waren, zu Quellen der Säuglingsgesundheit und damit der Volkskraft geworden.«

Der Wert, der den Ergebnissen Ibrahims für unsere Probleme zukommt, beruht zu einem großen Teil in der Beweiskraft der vorgeführten Tatsachen für die Richtigkeit psychoanalytischer Lehren.

Vor allem ist durch sie ein Fundamentalsatz S. Freuds bestätigt, der mehr als irgendeiner dem Zweifel und Angriff ausgesetzt gewesen ist: der psychoanalytische Lehrsatz von der Existenz und vitalen Intensität der Sexualität bereits im aller-frühesten Kindesalter.

Sie bestätigen ferner unsere Definition der ersten, ursprünglichsten, autochthonen Sexualität des Kindes als Trieb nach Kontakt in jedem Sinne, im physischen wie im psychischen.

Sie eröffnen uns endlich einen besonders klärenden Einblick in die Entstehungs- und Entwicklungsbedingungen der großen Triebverschränkungen und ihrer wesentlichen Bindungen zu Gegensatzpaaren der souveränen inneren Konflikte in ihren typischen, von einem menschheitfassend gemeinsamen Schicksal geprägten Wesenszügen.

Ich habe mehrfach hervorgehoben, daß mir der Ursprung der neurotischen Angst und der pathogenen Konflikte in der Vereinsamung des Kindes gegeben erscheint. Jetzt, in der Kenntnis des konkreten Tatsachenmaterials durch Ibrahim, schauen wir unmittelbar die furchtbare Bedeutung der infantilen Einsamkeit. Die ganze, wirkliche Vereinsamung ist für das Kind letal. Die Angst vor der Einsamkeit ist echte, begründete Todesangst.

Die Liebe aber oder doch die Geste des Kontaktes erhält das Kind in keinem Fall bedingungslos: Das absolute kindliche Kontaktbedürfnis wird von der Umgebung als Zwangsmittel der Erziehung verwendet und die Erlösung von der Einsamkeit, die Herstellung des Kontaktes wird an die Bedingung des Gehorsams, der Anpassung, des Verzichtes auf eigenen Willen und eigene Art gebunden. Das ist der konsequente und schreckliche Herrschaftsantritt der Autorität über das einzelne Leben.

Die Absolutheit des Kontaktbedürfnisses im Kinde macht die Erfüllung jeder für die Gewährung von Kontakt gestellten Bedingung unvermeidlich; sie ist identisch mit der Unfähigkeit des Kindesalters zum Widerstand gegen Suggestionen, der infantilen Suggestibilität [8] und wirkt als Prädisposition zum pathogenen inneren Konflikt, der aus der Unvereinbarkeit des Wesensfremden mit dem Eigenen hervorwächst. An seinem Anfang steht die Unwiderstehlichkeit des äußeren Zwanges durch die vollkommene Unmöglichkeit des Verzichtens auf Liebe.

So wird im Kinde das Bewußtsein der völligen Ohnmacht geschaffen und eine nicht mehr schwindende Erinnerung daran, daß diese Ohnmacht von der Beziehung abhängig war und dem Kontaktbedürfnis der Größe nach proportional.

Der »Lebensplan« im Sinne Alfred Adlers, nach dem sich die Entwicklung des Neurotikers und des neurotischen Persönlichkeitsanteiles in jedem Menschen gestaltet, läßt sich nunmehr in seinen prinzipiellen Wesenszügen auf einen Ablauf typischer Erinnerung und Folgerung im Unbewußten reduzieren. Die Orientierung des Erwachsenen zum Gegenstand der Liebe überhaupt und insbesondere zum anderen Geschlecht konzentriert sich um das Sicherungsmotiv: nicht noch einmal, wie damals in der Kindheit, die eigene Individualität um der Beziehung willen und durch ein Übermaß von eigenem Liebesbedürfnis gefährden zu lassen.

Das Minderwertigkeitsgefühl, das solche Sicherungstendenzen weckt und hochpeitscht, ist das Bewußtsein des Seelenzustandes, der aus der Einsamkeitsangst des Kindes unmittelbar hervorgeht, also der Assoziation von Liebesbedürfnis und Unterwerfungsbereitschaft, als Ohnmacht und Erniedrigung. Mit dieser Selbstwahrnehmung der Entpersönlichung und Selbstanpassung als Minderwertigkeit ist eigentlich bereits die Korrektur und Überkorrektur begonnen; sie ist die erste in der Reihe der »Sicherungen«, wie sie Adler zeichnet, und führt im weiteren Ablauf überkompensierender Entwicklung zur Assoziation von Liebe und Furcht und weiterhin zur Triebverschränkung von Liebe und Haß, von Sexualität und Vergewaltigung.

Seitdem wir die ans Leben rührende Gewalt der Alternative »Einsamkeit oder Persönlichkeitsopfer« zu ermessen instand gesetzt sind, vermögen wir die Triebverschränkung von Liebe und Haß zurückzuführen auf ein psychisches Trauma, entstanden durch den Geist der bestehenden Ordnung, an Quantität und Extensität adäquat ihrer alles Empfinden durchsetzenden und gestaltenden Allherrschaft, die uns das Elend menschlicher Beziehungen, wie wir sie um uns herum sehen, fast schon aus kosmischer Polarität mann-weiblicher Urprinzipien heraus zu erklären verleitet hätte.

Fragen wir uns zuletzt noch nach prophylaktischen Möglichkeiten, so kommen wir zur Forderung eines umgestaltenden neuen Erziehungsprinzipes. Dem Kind muß Liebe absolut bedingungslos gegeben werden, befreit von jedem, auch nur scheinbaren Zusammenhang mit Forderungen welcher Art auch immer, als reines Bejahen der Individualität um ihres Eigenwertes willen und jeder keimenden Eigenart [9].

Daß dieser Forderung, so unaufgebbar sie auch für die Zukunft sei, einstweilen keine Hoffnung auf Erfüllung zukommt, ist wohl selbstverständlich. Denn sie ist unvereinbar mit dem Prinzip der Autorität, in der Familie sowohl als außerhalb. —


III.

Beitrag zum Problem des Wahnes


Ich habe in meiner Arbeit »Konflikt und Beziehung« zu zeigen versucht, daß sich der innere Konflikt, von dem die funktionellen Seelenstörungen ihren Ursprung nehmen, auf den Antagonismus zweier großer Triebmotive zurückführen läßt, die unter dem universell gleichsinnig wirkenden Druck der bestehenden Milieuschädlichkeiten ihre unzweckmäßige Ausgestaltung, ihre hypertrophische Intensität und ihr gegenseitiges antagonistisches Verhältnis erlangen: die Unterwerfungstendenz als Verbildungsform des Triebes nach Kontakt und die Vergewaltigungstendenz als Verbildungsform des Triebes zur individuellen Selbsterhaltung. Mit anderen Worten: den masochistisch-sadistischen Antagonistenkomplex.

Ich habe weiter zu zeigen versucht, daß auch die sexuelle Einstellung zum anderen oder zum gleichen Geschlecht, also die Orientierung in heterosexueller oder homosexueller Richtung im letzten Grunde durch die Triebkomponenten des masochistisch-sadistischen Komplexes bestimmt und fixiert wird, auf Grund des Alfred Adlerschen Gesetzes, daß die Typen Mann und Weib im Unbewußten als Symbolik eines Herrschafts- bzw. Unterwerfungsverhältnisses fungieren. Daß also die Unterwerfungstendenz sich immer auf ein männliches, die Vergewaltigungstendenz auf ein weibliches Sexualobjekt einstellen muß, unabhängig vom eigenen Geschlecht, so daß sich die homosexuelle Orientierung beim Mann mit der Unterwerfungstendenz, bei der Frau mit der Vergewaltigungstendenz verbindet, während der männliche Sadismus und der weibliche Masochismus — soweit nicht weitere Umwandlungen zu sekundärer Umgestaltung führen — in der heterosexuellen Richtung eingestellt sind.

Ich habe endlich zu zeigen versucht, daß jede Triebkomponente des antagonistischen Komplexes der anderen gegenüber als Überkompensation verwendet wird, daß jedem solchen Triebmoment die Tendenz zur Flucht in ihr Gegenteil innewohnt, daß sich dadurch die antagonistisch zueinandergestellten Triebe gegenseitig erhalten und verstärken und daß infolgedessen — mehr oder minder tief im Unbewußten verborgen, mit mehr oder minder dominierender Entwickelung der einen oder anderen Komponente — in jedem Menschen der typische Antagonistenkomplex zu finden ist: beim Mann heterosexueller Sadismus und passive Homosexualität, beim Weibe heterosexueller Masochismus und lesbische Aktivität.

An dieser Stelle möchte ich die Bedeutung besprechen, welche die Komponenten des masochistisch-sadistischen Antagonistenkomplexes in einigen Fällen von Wahnbildung zu haben scheinen, die ich zu sehen Gelegenheit hatte. —

Das höchste Resultat auf dem Gebiete des genetischen und inhaltlichen Verstehens der funktionellen Psychose überhaupt, welches bisher erreicht worden ist, sind die Entdeckungen S. Freuds und seines genialen Schülers, S[andor]. Ferenczi, über die Perversion als ätiologisches und inhaltliches Wesensmoment des Wahnes.

Wir haben dadurch erfahren, daß sich die Wahnbildung, in völliger Analogie mit der des Traumes, als eine symbolische, der Wirklichkeitskorrektur entrückte Wunscherfüllung eines perversen sexuellen Triebes vollzieht, der einerseits unüberwindbar intensiv geworden ist und andererseits einem so vollkommenen Widerstand von seiten des Bewußtseins und der Gesamtpersönlichkeit begegnet, daß seine Realisierung durch wirkliches Erleben unmöglich ist. —

Der Fall, den ich zuerst besprechen möchte, erscheint mir der Mitteilung vor allem deshalb wert zu sein, weil er mit vielleicht einzigartiger Klarheit die Richtigkeit der Freud-Ferenczischen Lehre vom Wesen des Wahnes als Realisierung eines verdrängten perversen Triebes illustriert. Im übrigen dürfte der Fall insofern eine Erweiterung der Freud-Ferenczischen Entdeckung bedeuten, als es sich nicht, wie in den Mitteilungen dieser Autoren, um Homosexualität gehandelt hat, sondern um eine andere Perversion, nämlich um heterosexuellen Sadismus.

Der Kranke ist ein Ingenieur A.G., leidend an Paranoia mit streng systematischer, auf Sinnestäuschungen und autochthonen Ideen aufgebauter Wahnbildung, mit vollkommener Erhaltung der Intelligenz. Sprachlicher Ausdruck, Gedankenablauf, Motilität, Benehmen sind ohne alle Besonderheiten. Der Zustand ist seit Jahren stationär. Krisen, Schwankungen, Periodizität sind nicht zu beobachten.

G. erkrankte in Amerika, wo er in Stellung war, unter Beziehungswahn und Halluzinationen. Es waren damals in New York, wo er lebte, mehrere Lustmorde vorgekommen und G. glaubte aus dem Benehmen der Leute und aus Gehörshalluzinationen schließen zu müssen, daß man ihn dieser Lustmorde bezichtige.

Er begann sich zu verbergen, wechselte Wohnung und Arbeitsgelegenheit, wagte nicht mehr ins Restaurant zu gehen und wurde von Ort zu Ort gehetzt durch die Wahrnehmungen, die er zu machen glaubte, daß man ihn überall erkenne, beobachte und davon rede, daß er der Lustmörder sei. Er reiste nach Europa zurück, fühlte sich im Schiff begleitet und beobachtet. In Deutschland angekommen, versuchte er beim Weg ins Hotel die Beobachter zu täuschen und ihnen zu entkommen. Endlich, in einem obskuren Hotel, glaubte er dies erreicht zu haben. Im Innern belauscht er durch die in den Nebenraum führende, versperrte Tür seine Zimmernachbarn. Er glaubt dabei die Worte zu verstehen: »Da hast Du einen Stich, da hat der einen Stich«, und glaubt das Fallen von Blutstropfen unterscheiden zu können. G. schießt durch die Türe.

Er verbarrikadiert sich sodann in seinem Zimmer, liefert der herbeigeführten Polizei ein Feuergefecht, wird schwer verwundet ins Spital und von dort nach der Irrenanstalt gebracht.

In der Anstalt ruhig, entwickelt er auf Befragen in übersichtlicher, sehr intelligenter Weise sein Wahnsystem, an dem er nunmehr schon lange ohne Veränderung festhält.

Er glaubt sich in telepathischer Verbindung mit einer Bande von Verfolgern, die er als »Telepathen« bezeichnet und die ihn beseitigen — vor allem: in der Irrenanstalt unschädlich machen wollen, da er ihre Geheimnisse kennt. Der Direktor der Irrenanstalt sei einer der Führer der Telepathen. Er glaubt denselben »in veränderter Gestalt« schon früher, auch in Amerika schon gesehen zu haben.

G. behauptet, die Telepathen haben unter der Irrenanstalt Katakomben angelegt und treiben dort ihr Wesen. Alles, was sie dort tun, sprechen, denken und empfinden, erlebt er mit, durch Telepathie.

Die Telepathen feiern in den Katakomben »schwarze Messen«; sie schleppen Frauen hin, ermorden sie »und dabei kommt es ihnen«.

Und auf die Frage, wie er denn dies wissen könne, erwidert G.: »Das ist durch Telepathie, denn wenn es denen kommt, so kommt es natürlich auch mir.«

Dies aber ist der Schlüssel zu seiner Psychose. G. ist Sadist. Er realisiert in der Psychose die volle Erfüllung seiner unbewußten sadistischen Wünsche. In der Psychose gelingt ihm das Ausleben der sadistischen Perversion — man denke an Stekels Ausdruck »Lust ohne Schuld«. Denn die eigene sexuelle Befriedigung bei der Lustmordphantasie erklärt sich G. als durch »Telepathie« bewirkt.

Der Fall illustriert in souveräner Weise die Wesensgleichheit des Wahnes mit dem Traume, den Charakter des Wahnes als Wunscherfüllung für verdrängte Triebe und die Richtigkeit von Freuds Prinzip vom »Krankheitsgewinn«.

Wenn wir den Fall auf das Bestehen von antagonistischen, einander inhaltlich entgegengesetzten Triebkomponenten untersuchen, so sehen wir zunächst nichts anderes vor uns als reinen heterosexuellen Sadismus, die Angst vor diesem Trieb, die Unmöglichkeit, ihm zu entfliehen und endlich die wahnhafte Wunscherfüllung: Zuerst das Moment der Identifizierung mit dem Lustmörder und dessen Taten, später die sexuelle Befriedigung beim wahnhaften Mitleben halluzinierter Lustmordszenen.

Es scheint zunächst, als fehle hier jeder andere Fluchtversuch als der in die Psychose. Wir sehen anscheinend nur den Konflikt: Sadismus und einfacher Verdrängungsversuch gegenüber dem Sadismus. Es mag dies damit zusammenhängen, daß G. bei aller Intelligenz eine einfache Natur, ohne Veranlagung zur Kompliziertheit ist. Er hat seinen perversen Trieb, solange dies möglich war, verdrängt und sich dann in die Psychose geflüchtet.

Allein beim näheren Zusehen bemerken wir doch ein Symptom, hinter welchem sich die typische Kompensationstendenz gegenüber dem heterosexuellen Sadismus, nämlich der homosexuelle Masochismus, zu verbergen scheint. Es sind dies die Wahnbildungen in seinem Verhältnis zum Anstaltsdirektor.

Auffallend sind hier zunächst die Erinnerungsfälschungen, den Direktor schon früher gesehen zu haben, und der Wahn der veränderten Gestalt. Wir fragen uns, welche Symbolik hier vorliegen kann.

Die Idee, daß ein Mensch seine äußere Erscheinung verändere, setzt das Empfinden voraus, daß der Eindruck, den man von ihm empfängt, ein nicht eindeutig bestimmter, ein in irgendeinem Sinne wechselnder sei. Dieser Wechsel kann begreiflicherweise nicht primär in den Wahnerscheinungen als solchen, sondern muß in der subjektiven Gefühlsreaktion gelegen sein.

Und zwar muß hier ein wichtiges Gefühlsmoment in Frage stehen, wichtig genug, um eine fixierende Fälschung der Wahrnehmung bzw. der Erinnerung erzeugen zu können. Es drängt uns dies zur Annahme, daß eigentlich das sexuelle Gefühl des Patienten es ist, das in verschiedenen Richtungen auf den Eindruck der in Rede stehenden Persönlichkeit reagiert. Das heißt, daß neben der Indifferenz oder Abwehr von seiten eines heterosexuellen Empfindens ein homosexuelles Moment zum Durchbruch gelangt.

Ferner: Daß G. dem Direktor eine führende Rolle unter seinen Verfolgern zuschreibt, erinnert vielfach an das von Freud beschriebene Verhalten des Kranken Schreber seinem Arzt gegenüber. In jenem Fall hat Freud die homosexuelle »Übertragung« vom Vater des Patienten auf den Arzt eindeutig nachgewiesen. Die homosexuelle Einstellung zum Vater und deren Weiterübertragung ist nun wohl zweifellos die klassische Ausdrucksform des homosexuellen Masochismus. Merkwürdig ist auch in unserem Fall die Einstellung der überkompensierenden Abwehr, also eigentlich der unterdrückten Homosexualität auf die Persönlichkeit, von der er sich am meisten in Abhängigkeit befindet. Es liegt hierin ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit, daß es sich im letzten Ende um eine — von der Abwehrstellung oberflächlich verdeckte — Unterwerfungstendenz handelt, die ja aus den vorhin erwähnten Gründen beim Mann zur homosexuellen Orientierung tendieren muß.

Wir hätten also auch in unserem Falle eine Andeutung des typischen Antagonistenkomplexes: heterosexueller Sadismus und homosexueller Masochismus beim Mann.

Das heißt, auch in G. zeigen sich Spuren des Versuches, aus dem Sadismus in die entgegengesetzte, kompensierende Sexualempfindung zu flüchten, also in die Unterwerfungstendenz, und da diese im Unbewußten als Einstellung zu einem männlichen Objekt dargestellt ist, in die Homosexualität. Jedenfalls aber hat dieser Kompensierungsversuch nur geringe Ausbildung erfahren und spielt in der Psychose eine untergeordnete Rolle.

Das dominierende Motiv der Wahnbildung ist zweifellos der heterosexuelle Sadismus. —

Der zweite Fall, den ich skizzieren möchte, bringt das Motiv des homosexuellen Masochismus beim Mann an die Oberfläche der Psychose. Er scheint mir insofern interessant, als sich an ihm die Ausbildung dieser Perversion im Antagonistenspiel mit der ihr entgegengesetzten ziemlich klar erweisen läßt.

Es handelt sich um einen 33jährigen Matrosen T., im Zivilberuf Werkmeister. Über den Ausbruch der Krankheit habe ich leider nichts Genaues erfahren können.

T. macht bei seiner Einlieferung ins Garnisonsspital den Eindruck eines katatonen Stupors leichteren Grades. Er sitzt mit gespanntem, unbeweglichem Gesicht, verändert auch sonst seine Haltung sehr wenig, gibt auf Fragen kurze, sinngemäße Antworten, sonst sehr wortarm. Stets scheint er von inneren Vorgängen abgelenkt, manchmal scheint er, dem Mienenspiel nach, zu halluzinieren.

Nach einigen Tagen wesentlich freier, läßt sich in ein längeres Gespräch ein. Er ist vollkommen orientiert, spricht sinngemäß, zusammenhängend, aber mit eigenartiger Diktion. Fortwährend kommt er auf religiöse Motive zu sprechen, mischt religiöse Wendungen in jedes Thema ein. Wenn er länger redet, so wird die Ausdrucksweise geheimnisvoll, ziemlich unverständlich, doch läßt sich immer nachweisen, daß er einen Zusammenhang festhält und mit den Worten einen besonderen Sinn verbindet.

Als Beispiel seiner eigentümlichen Ausdrucksweise führe ich an: T. hat Stücke von seinem Brot zwischen den Händen zerrieben und zum Fenster hinausgestreut, befragt, was er da tue, antwortet er: »Da ist das mit der linken Hand — das muß man wissen.« Ich errate: ob er die Bibelstelle meine »Wenn du gibst, so soll die Rechte nicht wissen, was die Linke tut?« T. bejaht: »Wohl will jeder etwas für sich zurückbehalten, aber auch die Vögel des Himmels wollen Nahrung.«

Über sein Leben und seine Gedanken befragt, gibt T. recht bereitwillig Auskunft. Er sei ein armer Sünder gewesen, »ein großes Schwein«, aber die Gnade Gottes habe ihm geholfen. »Nichts steht bei uns, alles kommt vom Herrn.«

Er erzählt, daß er als Knabe sexuelle Akte mit Tieren versucht habe, einmal mit einer Kuh, einmal mit einer Gans. Als großer Junge habe er sexuelle Gewaltakte mit ganz kleinen Mädchen begangen.

Dann später sei die Gnade Gottes auf ihn gekommen, so daß er von seinen Sünden abgelassen habe. Er habe angefangen, »die Schweinereien« zu lassen, Schriften zu lesen, die Bibel, auch über Heilmagnetismus.

Es sei ihm dann einmal geschehen, daß ein Kamerad krank gewesen sei und Gott habe ihm gegeben, daß er ihm helfen könne. Er habe hinter ihm magnetische Striche in der Luft gemacht und der Kamerad sei einige Tage später gesund gewesen. Das sei nicht sein Verdienst, sondern die Gnade Gottes. Man müsse immer an Christus denken.

Etwas später, als er Matrose war, sei ihm das erste Mal Christus erschienen. Nach weiteren Halluzinationen befragt, lenkt T. das Gespräch ab. Vorläufig keine Auskunft darüber zu erlangen.

Am nächsten Tage wieder ist T. wie unorientiert, reagiert erst auf mehrmaliges Ansprechen, dann aber mit großer Freundlichkeit, wenn auch sehr kurz. Sich selbst überlassen, schaut er mit gespanntem, extatischem Gesichtsausdruck zum Fenster hinaus ins Leere, sichtlich halluzinierend. Plötzlich wirft er sich wortlos zu Boden, nimmt eine eigentümliche Stellung ein, so, als ob ihm Hände und Füße gefesselt wären, wälzt sich hin und her, küßt dem Personal, das um ihn herumsteht, die Füße.

Er setzt dies mit Unterbrechungen stundenlang fort, vollkommen mutistisch. Endlich gibt er auf vielfaches Befragen, was er da gemacht habe, Antwort: Das sei eine Buße und ihm so von Gott befohlen worden. Weitere Äußerungen sind nicht mehr zu erlangen. Etwas später, im Krankenzimmer, als sich ein Patient entblößt, wendet T. sein Gesicht mit starrer Miene ab und äußert plötzlich: »Das sollte nicht erlaubt sein, das ist eine Erhitzung des Blutes, es können unnatürliche Dinge daraus entstehen, zum Schaden der kommenden Generation.« —

Es handelt sich bei T. wohl zweifellos um einen Fall von Schizophrenie mit religiöser Wahnbildung.

Daß der religiöse Wahn — bei einem Mann — eine homosexuelle Symbolik bedeutet, hat Freud im Fall Schreber wohl endgültig nachgewiesen. Freilich ist die sexuelle Symbolik in der religiösen Exaltation bei T. nicht so kraß wie bei Schreber. Allein die sexuelle Grundnote — besser gesagt: die sexuelle Symbolik — in der religiösen Psychopathie bedarf, sobald einmal darauf aufmerksam gemacht worden ist, kaum eines Beweises mehr. Und daß sie bei einem Mann homosexuell orientiert sein muß, sobald als männlich gedachte göttliche Wesen im Vordergrund stehen, ist selbstverständlich.

Außerdem zeigt die zuletzt erwähnte Äußerung T.s über den Patienten, der sich entblößte, wie stark das homosexuelle Motiv in seinem Empfinden vertreten ist.

Ganz unzweideutig ausgesprochen ist in der Psychose T.s das masochistische Element. Die Szene, wie er auf Gottes Befehl sich zu Boden wirft und Männern die Füße küßt, ist wohl die klassische psychische Realisierung einer homosexuell orientierten masochistischen Wunscheinstellung. Man stelle sich diese Situation als Inhalt eines Traumes vor, und man wird über den Sinn ihrer Symbolik nicht einen Augenblick zweifelhaft sein.

Den homosexuellen Masochismus müssen wir also bei T. als die der Psychose unmittelbar zugrunde liegende, in ihr realisierte Perversion betrachten.

Die Erzählung des Kranken aus seiner Kindheit zeigt uns nun mit besonderer Deutlichkeit das Bestehen auch der entgegengesetzten Tendenz. Die sodomitischen und noch mehr die an kleinen Mädchen begangenen Akte haben wohl ausgesprochen den Charakter der Vergewaltigung, es sind in ihrem Wesen sadistische Akte. Und dieser Sadismus war heterosexuell orientiert.

Aus seinem Sadismus hat sich dann T. voll und ganz in die Unterwerfungstendenz geflüchtet: also in den Masochismus und damit zugleich — als Mann — in die Homosexualität. Er hat diese Tendenz, die in ihm übermächtig wurde, nach Möglichkeit zu verdrängen versucht. Als Kompromißgebilde entstand die pathologische Religiosität. Und endlich ist es innerhalb dieses letzten Gebietes zu einer wahnhaften Realisierung des homosexuellen Unterwerfungsbedürfnisses in einer direkten, wunscherfüllenden Form gekommen: Gott befiehlt ihm, den Männern seiner Umgebung die Füße zu küssen.

Ich möchte es aussprechen, daß ich hier als das eigentliche entscheidende Motiv der ganzen zur Psychose führenden Entwicklung nicht die Homosexualität, sondern die Unterwerfungstendenz an sich betrachte. Die Homosexualität ist ihre beim Mann symbolisch gegebene Ausdrucksform.

Der dritte Fall, von dem ich sprechen möchte, betrifft wieder, soweit das für die Erkrankung entscheidende Moment in Frage kommt, eine heterosexuelle Perversität, den heterosexuellen Masochismus einer Frau.

Es handelt sich um eine Dame von selten hoher, geistiger Veranlagung, Künstlerin, über deren Leben mir folgendes bekannt ist:

In ihren Entwicklungsjahren bestand eine ausgesprochene masochistische Neigung zu ihrem um vieles älteren Bruder, welcher in ihr einen nachhaltigen Eindruck zurückgelassen hat. Charakteristisch ist ein Spiel, das er mit seinen kleinen Schwestern getrieben hat. Er jagte sie mit einer Peitsche zu einem Wettlauf und küßte dann die, welche als erste wieder bei ihm angekommen war.

Siebzehnjährig, verließ [die] Patientin das Elternhaus und ging, um sich als Künstlerin auszubilden, in eine größere Stadt. Da lernte sie eine Freundin kennen, mit der sie durch einundeinhalb Jahre in einem lesbischen Verhältnis stand.

Dann verließ sie die Freundin und ging ein Verhältnis mit einem Manne ein. Dieser, ein pathologischer Charakter und ausgesprochen gewalttätig, brachte den masochistischen Impuls in ihr wieder an die Oberfläche. Doch begann sie an dieser Situation bald zu leiden und wandte sich allmählich von jenem ab.

Sie lernte dann ihren späteren Mann kennen, und dieser, dessen Charakter jede masochistische Beziehung der Frau zu ihm vollständig unmöglich machte, bot ihr zunächst die Rettung vor sich selbst. Nach einigen Jahren aber begann sie zeitweise sich unglücklich zu fühlen, ging dann vorübergehend andere Beziehungen ein, die durchwegs als masochistische Erlebnisse zu betrachten waren, kehrte aber immer bald zu ihrem Mann zurück. In den Zwischenzeiten war sie mit ihm zusammen fast stets sehr glücklich, gedieh in ihrer geistigen Entwicklung immer mehr.

Nach mehrjährigem Zusammenleben wieder ein masochistisches Erlebnis mit einem anderen Mann, das diesmal den Charakter einer wirklichen Vergewaltigung gehabt zu haben scheint und ihrem inneren Leben die entscheidende Wendung gab.

Von da an war sie ihrem Mann gegenüber ungleichmäßig bald expansiv glücklich, bald ohne äußerlich erkennbaren Grund verzweifelt, in ihrem Verhalten zu ihm manchmal unverständlich gereizt. In den letzten Wochen vor dem Ausbruch der Psychose Stimmungsschwankungen, welche damals noch als innerhalb der physiologischen Breite liegend betrachtet wurden, retrospektiv aber als prodromal symptomatische zirkuläre Schwankungen betrachtet werden mußten. (Bekanntlich eine relativ häufige Einleitung schizophrener Erkrankungen.)

Nachdem sie durch einige Tage auffallend heiter und etwas ekstatisch gewesen war, folgte des Nachts ein Anfall von Verzweiflung, indem sie ihren Mann beschwor, mit ihr zusammen zu sterben. Gegen Morgen Beruhigung.

Über den Ausbruch der manifesten Psychose, welcher am anderen Tag erfolgte, habe ich das Folgende erfahren. Sie ist scheinbar ruhig, freundlich und heiter, läßt sich vom Mann aus einer Zeitschrift vorlesen. Er erzählt ihr von der Thronprätendenz eines ausländischen Prinzen, welcher seine Jugend als ziemlich gewalttätiger Abenteurer verbracht hatte, und schließt die Bemerkung an, was der wohl machen würde, wenn er wirklich zur Regierung käme. Darauf antwortet die Frau ganz unvermittelt: »Dann wird er Gott sein.«

Er sieht, daß ihr Gesicht einen gänzlich fremden Ausdruck angenommen hat, sie spricht verwirrt, inhaltlich unverständlich, wird ängstlich, läuft plötzlich davon. Er findet sie erst nach Stunden wieder, wie sie im Selbstgespräch auf der Straße sitzt. Er erfährt später, daß sie in einer Weinwirtschaft Briefe geschrieben hat und dabei so auffällig geworden sei, daß man ihr aus Besorgnis, sie könne sich verletzen, die Feder weggenommen habe. Das Geschriebene findet sich noch bei ihr, es ist vollkommen unverständliches Gekritzel.

In der nächsten Zeit [ist sie] traumhaft abwesend, spricht mehr oder weniger verwirrt, meist still, lenkbar, anscheinend schlecht orientiert und traumhaft halluzinant. Von den Verkennungen der Situation ist meist erst nachträglich, in etwas freieren Zuständen, etwas Näheres zu erfahren, so z. B. daß sie die Insel, auf der sie wohnten, für eine »Toteninsel«, das Schiff, auf dem sie zurückfuhren, bzw. den Maschinenraum für die Hölle gehalten hat.

Oft deprimiert und geängstigt, einmal Versuch, sich zu ertränken. Fürchtet sich vor den Eindrücken der Natur, vor der Vegetation, dieselbe habe eine heimliche symbolische Bedeutung. Einmal äußert sie, alles in der Natur sei mit Eiter bedeckt, so wie sie selbst. Auf diese Äußerung fixiert, kommt sie darauf zu sprechen, daß sie — bei ihrem ersten Zusammensein mit einem Mann — gonorrhoisch [mit Tripper] infiziert worden ist. Sie habe diese Erinnerung wie einen Fluch auf sich liegen. (Es ist dies in den ganzen Jahren das erste Mal, daß sie sich in diesem Sinne über jene längst abgeheilte Krankheit geäußert hat.)

Zwischendurch still traumhaft, mit abwesendem, oft deutlich eknoetischem Gesichtsausdruck. Manchmal bizarre Handlungen. So hat sie einmal alle Gegenstände im Hotelzimmer in der seltsamsten Weise umgeräumt, gibt nachher an, sie habe dies so tun müssen. Einmal, in einem unbewachten Augenblick, setzt sie sich nackt auf das Fenstergesims und grüßt mit traumhaftem Lächeln auf die Straße hinunter, dabei still und wie abwesend.

Einige Wochen später wird sie freundlich, in ruhiger Weise mitteilsam, schließt sich nicht mehr von ihrem Manne ab, behält aber das fremdartige, deutlich eknoetische Wesen bei. Es ist nunmehr zu einer geordneten, vorläufig stationären Wahnbildung gekommen.

Sie glaubt, daß sie bereits gestorben sei und sich mit ihrem Mann zusammen im Jenseits befinde. Hier sei »alles gut geworden«. Den Namen des Landes, in dem sie sich aufhalten, hält sie für einen symbolischen Ausdruck für Jenseits. Sie verläßt ihre Zimmer nie, vermeidet den Blick aus den Fenstern, wo sie ins Land hineingehen, sitzt aber stundenlang mit dem Blick auf das Meer. Immer still, liebevoll, verträumt, eknoetisch. So blieb der Zustand durch Monate ohne Veränderung.

Dann plötzlich ablehnend, in der Mimik und Bewegungen, wie erstarrt. Macht den Eindruck einer kataton Stuporösen. Der Gesichtsausdruck ist meist hart, manchmal etwas leer. Depressive Ausbrüche fehlen.

Jetzt trifft sie mit dem Mann zusammen, mit dem sie das letzte masochistische Erlebnis gehabt hatte. Sie beginnt sich zu erholen. Lebt dann durch mehrere Wochen mit jenem Mann zusammen. Die psychomotorische Starre, der Mutakismus, die Wahnbildung sind vollkommen verschwunden. Die Stimmung ist ungleichmäßig, hat manchmal etwas Exaltiertes mit einem Unterton von Angst.

Nach einigen Wochen bricht sie mit ihm und kommt wieder zu ihrem Manne zurück. In den ersten Stunden wieder eine psychotische Exazerbation, diesmal von ganz anderem Charaker als jemals früher. In großer Erregung behauptet sie plötzlich, ihr Mann habe ihr vergiftete Zigaretten gegeben.

Nachher Beruhigung. Gegen Morgen erklärt sie, sie fühle sich im Verkehr mit ihrem Mann sexuell vollkommen anästhetisch geworden. Ausdruck von Verzweiflung, äußert plötzlich, sie sei schuld an der Erbsünde der Welt. Wenige Minuten später benutzt sie einen Moment, als der Mann sich umgewendet hat, und vergiftet sich. —

Fragen wir uns zunächst nach der klinischen Rubrizierung dieser Psychose, so kann der Gedanke an manisch-depressives Irresein auftauchen.

Die Psychose hat sich mit eindeutigen, zirkulären Stimmungsausschlägen eingeleitet. Dies aber sehen wir oft als Prodrom schizophrener Erkrankung und haben darin wohl nur den Ausdruck des letzten, vergeblichen Versuches zum Verdrängen des aus dem Unbewußten Aufsteigenden zu erblicken [10].

Auch die späteren, während der Psychose selbst auftretenden Stimmungsschwankungen sind wohl kein irgendwie pathognomonisches Moment und bei einer, von den übermächtig werdenden Gestaltungen des Unbewußten hin- und hergerissenen Psyche ziemlich selbstverständlich. In der Zeit, in welcher es zur wahnhaften Realisierung gekommen war, verschwanden sie und machen einer gleichmäßigen, ihre charakteristischen Züge einhaltenden Stimmung Platz.

Schwieriger ist die Frage, ob es sich um eine sogenannte hysterische Psychose oder um Schizophrenie gehandelt hat. Es ist bekannt, daß beginnende Schizophrenie oft so weitgehende Ähnlichkeit mit hysterischer Psychose besitzt, daß eine diagnostische Unterscheidung im Anfangsstadium oft eine Unmöglichkeit ist. Entscheidend ist ja hier nur der weitere Verlauf.

In unserem Fall haben alle eigentlich psychogenen Stigmata — also somatische Konversionen im Sinne Freuds — vollkommen gefehlt und andererseits hat die erkrankte Dame in der Periode ihrer motorischen Erstarrung mit weitgehendem Mutakismus und Abwehrstellung ein Bild geboten, das wir wohl nur bei Schizophrenie zu finden gewohnt sind. Was für Hysterie sprechen konnte, ist einzig und allein das Auftreten einer mehr oder minder vollkommenen Remission in eindeutiger Abhängigkeit von einer äußeren Einwirkung, einem realen Erlebnis. Wir werden auf dieses Moment noch später zurückkommen.

Befassen wir uns nun mit dem inhaltlichen Moment der Psychose und mit dem Impulsleben der Erkrankten, so finden wir in der Vorgeschichte die früh angesprochene masochistische Einstellung in heterosexueller Richtung: die Beziehung zum Bruder. Das heterosexuell-masochistische Empfinden ist also sehr frühzeitig das dominierende gewesen.

Später der typische Versuch zur Überkompensation, die Flucht ins Gegenteil: das lesbische Erlebnis. Im Gegensatz zum vorher besprochenen Kranken R., bei welchem das kompensierende, homosexuelle Empfinden das ausschlaggebende geworden ist, kehrt jene Frau nach kurzem wieder zu ihrer früheren Einstellungsart, der heterosexuell-masochistischen, zurück, und diese wird fortan das beherrschende Motiv in ihrer Perversion und endlich in ihrer Erkrankung.

Das nächste Erlebnis also ist wieder ein heterosexuell-masochistisches. Die Frau kämpft mit aller Kraft gegen diesen, ihrem eigentlichen Grundcharakter absolut widerstrebenden Impuls, sie findet vorübergehend Befreiung in einer Beziehung, welche ihr keine Gelegenheit zur masochistischen Selbstentäußerung gewährt. Allein sie muß zeitweise immer wieder in den Masochismus zurückkehren und nach einem letzten entscheidenden solchen Erlebnis war ihr die Rückkehr in die normale Beziehung innerlich nicht mehr gelungen. Sie versucht es mit allen Kräften, allein der masochistische Impuls wird übermächtig, und als sie ihn mit aller Anspannung zu verdrängen strebt, kommt es zum Ausbruch der Erkrankung.

Charakteristisch, ich möchte sagen, für den Sinn der Psychose, scheint mir der erste Ausdruck zu sein, mit dem sie sich kundtat. Die Äußerung, jener gewalttätige Abenteurer, der zur Macht gelangen soll, würde dann Gott sein, scheint mir kaum einer weiteren Erklärung zu bedürfen. Sie ist der herausgeschriene Ausbruch des Willens zur Unterwerfung unter die Macht und der Hingabe an diese als an etwas Göttliches.

Weiteren Aufschluß gibt uns dann erst wieder die Periode der zeitweilig stationären Wahnbildung: Die Tatsache, daß die bisher absolut unreligiöse Frau ihren Wahn auf religiöse Vorstellungen aufbaut, scheint uns fast nur des Hinweises auf den vorher beschriebenen Fall zu ihrer Erklärung zu bedürfen.

Es handelt sich weiter um die symbolische Bedeutung der Idee, tot zu sein. Der Wunsch nach dem Sterben — ich schlage für diese Erscheinung den Ausdruck vor: »Thanatophilie« — ist für die Erkrankte sehr charakteristisch. Ich erinnere daran, daß sich das eklatante Manifestwerden der Psychose mit dem Wunsche verbunden hatte, mit dem Mann zusammen zu sterben.

Ich glaube, daß es sich bei der Thanatophilie überhaupt um die Idee der Hingabe an den Tod zu handeln scheint, und daß dabei das Motiv des Todes genau dieselbe Rolle spielt, wie in vorher beschriebenen und ähnlichen Fällen religiösen Wahnes die Hingabe an Gott.

Es handelt sich wohl in allererster Linie um das Motiv der Hingabe selbst, der Passivität gegenüber etwas Überstarkem, des Ausschaltens alles eigenen Widerstandes gegenüber einer fremden Gewalt.

Insofern also wäre der Inhalt des Wahnes, gestorben zu sein, die symbolische Realisierung der Hingabetendenz als solcher, symbolisiert durch die Idee des Todes als einer Übermacht, der man sich unterworfen hat und wohl auch mit dem Hintergrund der Idee von einem göttlichen Wesen, dem man nun überantwortet ist.

Die ganze Gefühlssphäre, auf welcher Vorbereitung, Ausbruch, Remission und Rezidiv der Psychose aufgebaut sind, die Erlebnisse, welche sie ausgelöst haben, endlich die Symbolik des Wahnes selbst — all dies gehört ganz und ausschließlich dem heterosexuellen Masochismus zu. Von einem homosexuellen Moment im Inhalt der Psychose und ihrem nachweisbaren Motivenaufbau finden wir hier noch weniger als im zuerst beschriebenen Fall. Der Versuch zur lesbischen Überkompensierung des heterosexuellen Masochismus ist zwar im Leben der Frau einmal vorgekommen, hat sich in der Realität bestätigt, ist aber dann dem übermächtigen heterosexuellen Masochismus gegenüber wieder versunken und läßt sich in den weiteren Schicksalen, im Aufbau und im Inhalt der Psychose nirgends mehr nachweisen.

Wir sehen also in diesem Falle mit voller Klarheit, daß der Ausbruch der Psychose und die Ausbildung des Wahnes ohne Mitbeteiligung eines homosexuellen Motivs auf das Übermächtigwerden einer anderen Perversion, des Masochismus als solchen, zurückzuführen sind.

Wir kommen nun noch einmal auf die Fragen nach dem klinischen Charakter der letztbesprochenen Erkrankung zurück.

Wir haben gesehen, daß die Symptome der Psychose in den schizophrenen Erkrankungstypus passen, anderseits aber auch, daß die Beeinflussung des Krankheitsverlaufes durch ein reales Erleben auf einen hysterischen Charakter der Psychose schließen läßt.

Wenn wir nun versuchen, zwischen Schizophrenie und Hysterie einen prinzipiellen, aus den inneren seelischen Bedingungen erwachsenen Unterschied aufzustellen — ich selber glaube, daß man hier nur Hauptgruppen trennen kann, die fließend ineinander übergeben — so möchte folgendes in Frage kommen.

Überall dort, wo der Krankheitsgewinn im Sinne Freuds ein absoluter ist, d.h. also, wo die Realisierung des bekämpften Wunschmotives nunmehr in der Psychose allein noch möglich erscheint, überall dort kommt es zu einer definitiven Flucht in das Irreale, von welcher aus, der Dynamik der Affektgrößen nach, kein Rückweg mehr möglich ist. In einem solchen Falle ist alle Möglichkeit, das übermächtige Triebmotiv zur Erfüllung zu bringen, außerhalb der Realität gelegen, von realen Erlebnissen kann nichts mehr erhofft und von solchen auch kein Einfluß auf den Verlauf der Krankheit mehr ausgeübt werden.

Zu den definitiven Psychosen — der Schizophrenie und Paranoia — müßte es also in jenen Fällen kommen, in denen nicht nur der bekämpfte Trieb, sondern auch die Widerstände, die sich seinem Ausleben in der Realität entgegenstellen, absolut geworden sind.

In jenen Fällen, in denen noch eine letzte Hoffnung, die bekämpfte Perversion in der Realität gewähren zu lassen, im Unbewußten festgehalten wird, kann die Flucht ins Irreale noch keine unwiderrufliche, definitive geworden sein.

In solchen Fällen also werden herantretende Realitäten, welche im Sinn des bekämpften Triebes wirken, dem Krankheitsgewinn, der in der Psychose gelegen ist, ein entsprechendes Gegengewicht zu stellen vermögen.

Ob es also zu einem definitiven, unheilbaren, von der Realität nicht mehr beeinflußbaren Zustand kommt, also zu einer Schizophrenie oder Paranoia, oder zu einem der Beeinflussung durch eine von außen her wirkende Realität zugänglichen und eventuell noch heilbaren — also einer Hysterie — das scheint abhängig zu sein von der Frage, wie weit die Unterdrückung des bekämpften Triebes, soweit sein Ausleben in der Realität in Frage kommt, eine vollständige und damit der durch die Flucht in die Psychose der Realität gegenüber erzielte Krankheitsgewinn ein absoluter geworden ist.

Es ist demnach begreiflich, daß — wie im letztbeschriebenen Fall — die psychogenen und schizophrenen Charaktere einer Krankheit ineinander übergehen können. Auch das wird verständlich, daß eine Psychose als Hysteriebeginn und später, wenn die bekämpften Triebe endlich als in der Realität doch nicht verwirklichbar empfunden werden, in eine Schizophrenie sich verwandeln kann. —

Wir haben gesehen, daß in den drei beschriebenen Fällen die geistige Erkrankung, resp. Wahnbildung Ausdruck einer der Unterdrückung ausgesetzten Komponente des masochistisch-sadistischen Antagonistenkomplexes war. In zwei Fällen war diese heterosexuell, in einem homosexuell eingestellt.

Wir haben weiter gesehen, daß sich in den beschriebenen Fällen die Einstellungsrichtung auf das eigene oder fremde Geschlecht streng nach dem Adlerschen Symbolgesetz richtet. Das Verhältnis zwischen einem die Macht repräsentierenden und einem sich unterwerfenden Element ist immer als Verhältnis des männlichen und weiblichen Prinzipes dargestellt. Die Unterwerfungstendenz findet sich in jedem Fall beim männlichen, die Vergewaltigungstendenz beim weiblichen Objektsymbol, unabhängig vom eigenen Geschlecht.

Infolgedessen ist bei unseren Fällen der Sadismus eines Mannes und der Masochismus einer Frau in dem Gebiet der Heterosexualität geblieben, der Masochismus eines Mannes hat sich mit der Homosexualität kombiniert. Wir können annehmen, daß in diesem Fall die Homosexualität eine Konsequenz aus der masochistischen Einstellung ist.

Ich möchte versuchen, diesen Schluß zu verallgemeinern und in der Homosexualität überhaupt im letzten Grunde die Funktion einer dem masochistisch-sadistischen Antagonisten komplex angehörigen Triebkomponente zu vermuten, so wie ich es in der erwähnten Arbeit »Konflikt und Beziehung« durchzuführen versucht habe.

Versuchen wir nun die Fälle von Wahnbildung, unabhängig von der heterosexuellen oder homosexuellen Orientierung, auf die grundgebende masochistische oder sadistische Einstellung hin zu betrachten, so scheint sich mir ein Prinzip eruieren zu lassen, das eine Wesensunterscheidung zwischen der Paranoia und den zur Schizophrenie gehörigen Gruppen ermöglichen könnte und das ich hier hypothetisch aufstellen möchte.

Von unseren drei Fällen gehört der erste, als dessen ausschlaggebende Perversion wir einen auffallend rein entwickelten Sadismus gefunden haben, eindeutig der Paranoiagruppe an. Die beiden anderen Fälle, deren Psychose auf Masochismus aufgebaut ist, gehören zur Schizophrenie bzw. einem der Schizophrenie verwandten Krankheitstypus.

Ich glaube, daß es sich hier nicht um ein zufälliges Zusammentreffen handelt, sondern daß weitere Untersuchungen einen inneren Zusammenhang erweisen werden.

Dem Willen zur Macht inhärent ist das Bestreben nach Beherrschung der Realität. Wo die Flucht ins Irreale geschehen ist, wo die Wahnbildung und die gefälschten Wahrnehmungen das Wirklichkeitsbild verändern müssen, da wird der Versuch nicht aufgegeben, die Neueindrücke mit der Realität und untereinander in Verbindung zu bringen. Die logische Geistestätigkeit arbeitet fort, sie sucht das scheinbar Geschehene mit der Realität zusammenzufassen, sie strebt eine Realität um sich herum herzustellen, in der man sich orientieren kann. Der Machtwillen sucht auch in der Psychose an der Errungenschaft festzuhalten, welche dem menschlichen Geist die Herrschaft über die Umwelt verleiht: an der Konzeption ihrer Kontinuität [11].

Dem Masochistischen eigen ist die Tendenz zur Selbsthingabe an alles; an die Menschen, an die religiösen Gestalten, an den Tod, an die Gebilde aus dem eigenen Unbewußten.

Dort, wo die masochistische Komponente die bewegende Kraft ist, fehlt demnach auch die Beherrschung der Realität. Es wird nichts unternommen, die aus dem Unbewußten auftauchenden Wahnideen, Scheinwahrnehmungen, Stimmungen in einen inneren Zusammenhang zu bringen, die Kausalität geschlossen zu erhalten und eine Wirklichkeit, die sich beherrschen ließe, herzustellen. Es unterbleibt der Versuch der Selbstbehauptung durch das verstandesgemäße Begreifen der Dinge.

Nichts scheint mir charakeristischer als der extatische Gesichtsausdruck solcher Kranken, den man sich in die Worte übersetzen möchte: »credo, quia absurdum est.«

Beherrscht also der Wille zur Macht, der Sadismus die Entstehung der Psychose, so kommt es zur Paranoia mit Erhaltung der orientierenden, die Umwelt beherrschenden Geistesfunktionen. Ist Masochismus das gestaltende Prinzip der Psychosenbildung, so kommt es zur Schizophrenie mit Selbstüberlassung an das, was aus dem Unbewußten überwältigend aufsteigt und andere Gesetze hat als die des Verstandes und des Geschehens in der äußeren Welt.




[1] Über psychopathische Minderwertigkeiten.

[2] Anm. d. Transkriptors: Dieser Absatz wurde in Von geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe, Edition Nautilus 2000, ausgelassen; wahrscheinlich einfach vergessen.

[3] Über Destruktionssymbolik. [Anm. d. Transkriptors: Ein Teil dieses Artikel wurde auch »entkleidet vom fachwissenschaftlichen Beiwerk« als Vom Konflikt des Eigenen und des Fremden veröffentlicht.]

[4] Ich gebe als Beispiel des Flüchtens vom heterosexuellen Sadismus in die Homosexualität eine charakteristische Traumanalyse: / Bei einem Angstneurotiker, den ich vor kurzem zu behandeln Gelegenheit hatte, ließ sich der folgende, mehrfach wiederholte Traumtypus erweisen. / Es handelte sich darum, daß von zwei Träumen einer Nacht — deren Inhalt ja nach der Konstatierung Freud's gesetzmäßig im engsten Zusammenhange steht — der eine Traum heterosexuell-sadistisch und der andere homosexuell orientiert war. / Ich führe einen solchen Doppeltraum als Beispiel an: / 1. Er geht mit seiner Freundin durch einen Wiesengrund. Die Gegend ist von eigenartiger Schönheit, er fühlt sich in seltsamer Weise eins mit der Frau. Er sagt zu ihr: »Hier ist es wie im Paradies.« / Er bleibt an einem Wasserlauf zurück, betrachtet die Tiere, welche im Wasser sind. Am Rande des Baches sind riesengroße Regenwürmer. / Er hat auf einmal ein beklommenes Gefühl, fühlt eine drückende Einsamkeit. Die Frau ist weit von ihm weggegangen, er geht ihr nach, aber die Stimmung von vorher ist nicht mehr da. Sie fangen an, davon zu reden, daß die Zeit drängt, daß sie nicht länger mehr hier bleiben können, er fühlt sich allein und gedrückt bei diesem Gespräch. Erwachen mit Angst und sexueller Erregung. / 2. Er sitzt an einem Wirtshaustisch, bei ihm sind junge Leute, er erkennt in ihnen seine ehemaligen Couleurbrüder aus der Studentenzeit. Einer von ihnen beugt sich zu ihm und küßt ihn auf den Mund. — / Einfälle zu den Regenwürmern: So große Regenwürmer hat er vor vielen Jahren in Brasilien gesehen. Dann: Als ganz kleiner Knabe hatte er die Gewohnheit, wenn er spielend in der Erde grub, die Regenwürmer in zwei Teile zu schneiden und sich zu freuen, daß beide Teile sich bewegten. Dann, unter lebhafter Angst, eine Reihe sadistischer Impulse aus frühester Kinderzeit. / Der übrige Trauminhalt bedarf wohl keiner weiteren Erklärung. Im Zusammenhang sehen wir, wie das Auftauchen des sadistischen Impulsmotivs das Beziehungsgefühl zum Weib durchkreuzt und lebhafte Angst erzeugt, und wie sich der Träumende beim Wiedereinschlafen von dem eigenen sadistischen Moment und damit überhaupt vor der Heterosexualität in eine homosexuelle Phantasie geflüchtet hat. — / Über Homosexualität als Deckung von heterosexuellem Sadismus überzeugend bei W. Stekel, Onanie und Homosexualität

[5] Die Psychologie des lesbischen Motives hat ihren Ausdruck meines Wissens zum erstenmal in Ch. Baudelaire's Gedicht »Lesbos« in einer die ganze Tiefe des Problems erfassenden Form gefunden.

[6] Über Existenz und Wesensart der homosexuellen Züge bei heterosexueller Objekteinstellung orientiert das Meisterwerk von W. Stekel »Onanie und Homosexualität«.

[7] Eine geradezu einzigartige Darstellung eines solchen Seelenzustandes bietet die psychologisch vollendete Novelle von H. H. Ewers: »Der Tod des Barons Jesus Maria von Friedel« (in der Novellensammlung »Die Besessenen«). Sie befaßt sich mit dem Seelenleben eines Mannes, der sich periodisch als Weib empfindet und auch als Transvestierter auftritt, während die anderen Perioden den Kontrastcharakter hervortreten lassen, so daß ein »second etat« auf Basis eines zweispältigen sexuellen Empfindens zustandekommt. In seinen weiblichen Perioden ist dieser Mann zu lesbischen Frauen orientiert. Für uns ist wichtig, daß der Geschilderte sich (in diesem Seelenzustand) selbst als Weib empfindet und qualitativ auch als solches fühlt, während seine Objektwahl eine heterosexuelle bleibt.

[8] Siehe meine Arbeit »Über psychopathische Minderwertigkeiten«.

[9] Das Drachentöterepos der Sudanneger, die herrliche Dan-auda-Dichtung, zeigt einen Knaben, der scheinbar durch ein Erziehungsprinzip des absoluten Gewährenlassens grotesk verdorben, in Wirklichkeit dadurch vor Einsamkeit und Ohnmacht und Minderwertigkeitsgefühl bewahrt, als Retter und Befreier berufen wird. — Dan-auda-Dichtung siehe bei Leo Frobenius »Und Afrika sprach«.

[10] Vgl. meine Arbeit über »Das Ideogenitätsmoment Freuds und seine Bedeutung im manisch-depressiven Irresein Kraeppelins«, F. W. Vogel 1907.

[11] G. hat in der Irrenanstalt ganze Bände über das Wesen der Telepathie geschrieben und sich dieselbe naturwissenschaftlich zurechtzulegen versucht.