Migration gehört seit Jahrtausenden zum alltäglichen Leben vieler Menschen. getrieben durch Krieg, wirtschaftlichem Elend oder Vertreibung, konzentrieren sich viele Migrant*innen mehr und mehr auf die Länder, die meistens die Verursacher der Migrationshintergründe sind.


Für Anarchist*innen war die Migration schon fast selbstverständlich. Sie, die unnatürliche und eigentlich gegen den Menschen gerichtete Konstruktionen wie Staat und Nation ablehnten, sahen sich selber dadurch als Migrant*innen, ja, als Menschen im eigentlichen Sinne die herumschweifende sind, nomadische Existenzen, die in diesem Zusammenhang eine libertäre emanzipatorische Ausrichtung haben .So bildeten in den zwanziger Jahren viele „Landstreicher“ libertäre Gruppierungen, schufen Anarchisten wie Gregor Gor Kommunen und Siedlungen. Wenn sie sich nicht treiben ließen, nicht Treibgut wurden, dadurch eine Freiheit des wozu entdeckten, die ihnen andererseits egal ob verfolgt, vertrieben oder aus eigener Überzeugung emigriert. auch in der Migration immer wieder Räume der Selbstorganisation ließen, und sich jeweils an dem augenblicklichen Ort engagierten .Alle der wegen ihrer libertären Einstellung in der oben beschriebenen Zeit Emigrierten engagierten sich z.b. in den USA in der AntiSklaverei, gründeten syndikalistische und anarchistische Organisationen.

So kann die Migration durchaus schöpferisch sein, aber oft auch erst einmal riesiges Leid und schiere Not.

Gibt es bei den Libertären die Verbindung von Herrschaftsablehnung und selbstgewählter oder so gewendeter Migration, so werden die Menschen heute massenhaft zum Nomadisieren gezwungen – Migration ist hier in erster Linie eine Konsequenz des alltäglichen ökonomischen Terrors des Kapitals und des politischen Terrors der örtlichen Regime und ihrer lokalen Bourgeoisie, vor allem zu Gunsten der reichen Länder.

Die Immigranten, die die immer höher werdenden Mauern Europas versuchen zu überwinden,sind selten die Ärmsten und Schwächsten( diese werden nämlich permament zu Migration innerhalb ihres Kontinents zwischen den Städten oder den Nachbarländern gezwungen). Die enormen Kosten, die soziale oder kulturelle Selektion innerhalb ihrer Gemeinschaft und der eigentliche Weg an die Küsten z.b. Spaniens und Italiens erlauben es nur den Jungen und Kräftigen ,in der Regel Männern.

Viele unter ihnen sehen den Westen als Orte, wo gut gelebt wird, solange sie bereit sind, sich richtig anzustrengen, solange sie bereit sind, die gleichen ausbeuterischen Verhältnisse zu ertragen, wie die, vor denen sie eigentlich geflüchtet sind, sich nicht gegen den latenten Rassismus zu wehren, den täglichen Polizeikontrollen.
Unterstützt werden sie dabei von einer Vielzahl von Menschen, die eher aus Entrüstung über ihre spezielle Situation heraus handeln und weniger aus dem Erkennen der gemeinsamen Situation – weder in den Wohnvierteln, noch in den Kämpfen des Lebens gegen die Verwertung, oder in den vielfältigen Techniken des täglichen Überlebens...

Und werden so zum „unschuldigen Immigranten“, zum „Opfer“ - ausgebeutet, erschlagen oder verhaftet und deportiert, dem es zu helfen gilt – jeglicher Individualität entrissen, vom Objekt der Kriege, des Elends, der gewissenlosen Menschenhändler, ausbeutenden Fabrikanten zum Objekt des „gutwillligen“ und integrierbaren Opfers --- und dort auch gelassen - könnte doch das Erkennen der jeweiligen Subjektiviät des Immigranten den Unterstützer*innen der Schreck in die Glieder fahren, mit wem sie es dann im einzelnen zu tun haben. Z.b.Faschisten Nationalisten, oder Teile der wohlhabenden Klassen der Herkunftsländer, die aus politischen oder sozialen, oft auch aus symbolischen Gründen schon Herrschaft ausgeübt oder hier wieder Herrschende Rollen übernehmen...

So wird der Rahmen der Immigrant*in als Opfer gelassen und die Unterstützung bleibt in bestimmten sozialen Kategorien, getrennt von den subjektiven Erfahrungen und Kämpfen der jeweiligen Migrant*innen.

Und so sind es die Anarchistinnen und Anarchisten, die von der Gemeinsamkeit ihrer eigenen Situation als „nomadische Existenz“ eine Gemeinsamkeit im Kampf mit den anderen Migrantinnen und Migranten herstellen – in dem Erkennen und der Dynamik der jeweiligen Individualität. So fällt es aber dann auch schwer, zu Immigranten oder Illegalisierten solidarisch zu sein, die einzig und allein für sich und ihre Verwandten Papiere und Arbeit erlangen wollen, ohne den Kampf gegen die Flüchtlingslager, das Morden und Vertreiben, den täglichen Rassismus angehen zu wollen, – diese Basis ist aber Voraussetzung wie bei den gemeinsamen Kämpfen in den Fabriken, Knästen oder Stadtvierteln – gemeinsam in einer wilden Horde verantwortungsbewusster Individuen.

Alles andere überlassen wir dem demokratischen alternativen Rassismus der jeweiligen Unterstützer*innen.

Hungerstreiks in den Kirchen u.ä.sind die Bilder, mit denen die unterstützende einheimische Öffentlichkeit versorgt werden will – bitte keine Brandstifter, Ausbrecher, Steinewerfer, keine, die sich wehren, sich endlich widersetzen…da greift wieder die alltägliche Propaganda, die in Immigrant*innen den sozialen Feind sehen, der der die Ursache all der Gewalt ist ...

Die Illegalisierten werden gebraucht… für die Sklavenarbeit in den Plantagen und Baustellen und als regulativ für den alltäglichen sozialen Krieg, und wir Libertären , wir, die anderen nomadischen Existenzen, sind ihnen in so vielem nahe.

Lasst uns also alle jene, die nicht drin bleiben wollen, in den Lagern, in den täglichen Gefängnissen, nicht der Rache all jener Richter*innen überlassen, die jede Frage nach Herrschaft und Ausbeutung mit ihren Gewehren und ihrem Stacheldraht, aber auch mit ihren Spenden und ihrer Moral unterdrücken, denn es scheinen einige bereit, sich ihre Freiheit zusammen mit anderen zu nehmen und sie scheinen dies auf einem Weg der gemeinschaftlichen Aktionen zu tun, in die alltägliche Realitäten unser aller Leben.

Wir sollten diejenigen sein, die sich ganz klar für diese Seite entscheiden – sich dafür vereinigen – wenn es sein muss “kriminell“.