Titel: An die Tramps, Arbeitslosen, Enterbten und Elenden
AutorInnen: Lucie, Parsons
Datum: 1884
Quelle: https://digitalresist.blogspot.com/2023/02/auf-ein-wort-original-to-tramps-vlucy.html
Bemerkungen: Englisches Original Alarm, October 4, 1884

Auf ein Wort an die 30.000 Tramps, die die Straßen dieser großartigen Stadt bevölkern, die, die Hände in den Taschen, gleichgültig die Zurschaustellung von Reichtum und Vergnügen bestaunen. Daran habt ihr keinen Anteil, ja ihr besitzt noch nicht einmal genug Geld, um euch mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen und euren nagenden Hunger zu besänftigen. Deshalb wende ich mich an Euch. An die zahllosen Menschen, die in diesem Land des Überflusses in einer ähnlichen Situation leben. Habt ihr nicht euer gesamtes Arbeitsleben hart gearbeitet, seit ihr alt genug wart, eure Arbeitskraft zu verkaufen und anderen zu Reichtum zu verhelfen? All die Jahre der Plackerei ! Wisst ihr nicht, dass Ihr Werte von vielen tausend Dollar geschaffen habt, an denen Ihr, falls Ihr nicht handelt, niemals teilhaben werdet? Wisst Ihr nicht, dass wenn Ihr von 24 Stunden täglich 10,12 oder 16 Stunden an einer (Dampf)Maschine steht, Ihr während all dieser Zeit in all den langen Jahren, Ihr als Gegenwert für eure Arbeitskraft nur das absolute Minimum erhaltet? Dass wenn Ihr etwas für eure Familie kaufen wollt, es immer nur das Billigste sein muss? Dass, wenn Ihr etwas unternehmen wollt, es am Sonntag sein muss, denn euer Verdienst ist so gering,dass Ihr nicht den Lohn von einem Arbeitstag einbüßen könnt. Und wisst Ihr nicht, dass, wie viel Ihr auch immer spart, es niemals reichen wird, eure Wünsche zu erfüllen? Und dies zu guter Letzt: Wenn euer Arbeitgeber aus einer Laune heraus eine künstliche Verknappung schafft, in dem er die Produktion herunterfährt, wenn die Feuer in den Fabriken verlöschen, dann steht ihr auf der Straße und werdet zu „Tramps“, hungrig und in Lumpen. Doch der Arbeitgeber begründet die Schließung mit einer Überproduktion. Wer kümmert sich um die bitteren Tränen eurer geliebten Familie, wenn Ihr sie mit einem „Gott segne euch“ verlasst, um woanders Arbeit zu suchen.

Ihr seid jetzt verfluchte, nutzlose „Vagabunden“, von denen verachtet, die euch euer ganzes Leben ausgeraubt haben.Könnt Ihr denn nicht sehen, dass es keinen „good boss“ oder „bad boss“ gibt? Ihr seid die Beute von beiden und ihr Ziel ist es, euch zu berauben. Seht Ihr denn nicht, dass das industrielle System und nicht der Arbeitgeber verändert werden muss? Wenn nun die goldenen Sommer-und Herbsttage vorbei sind, Ihr arbeitslos seid und konntet deshalb nichts sparen, wenn die Winterstürme aus dem Norden über euch hinwegfegen, der Boden mit Eis bedeckt wird – dann lauscht nicht der Stimme der Heuchler, die euch erzählen, es sei „Gotteswille“ arm zu sein. Hört nicht auf die arroganten Ausbeuter, die behaupten, dass während der Sommermonate, als ihr Arbeit hattet, Ihr euren ganzen Lohn vertrunken habt und Ihr deswegen pleite seid., dass deshalb das Arbeitshaus noch viel zu gut ist und Ihr erschossen gehört. Und erschießen werden sie euch, wenn Ihr eure Forderungen zu nachdrücklich vorbringt. Lasst euch nicht einlullen, sondern hört zu! Wenn im nächsten Winter die Kälte durch die Risse eurer Kleider und der Frost durch die Löcher in euren ausgetretenen Schuhen dringt, dann glaubt ihr, dass alles Unglück dieser Erde auf euch herabfällt und das Leben nur noch Spott und Hohn für euch übrig habt. Wenn ihr tagsüber durch die Straßen gelaufen und nachts auf harten Brettern geschlafen habt und ihr euch entschlossen habt, lieber von eigener Hand zu sterben als dieses Leben weiter zu erdulden, dann denkt ihr vielleicht darüber nach, „ins Wasser“ zu gehen.

Aber stopp! Bevor Ihr diesen letzten Akt des Dramas begeht, bedenkt, dass ihr durch diese überstürzte Aktion nur Hohn und Spott ernten werdet. Aber wenn ihr durch die Viertel der Reichen schlendert und durch große Fenster in ihre verschwenderisch ausgestatteten Häuser schaut, dann seht ihr die gleichen Ausbeuter, die euch ins Elend gestürzt haben. Deshalb lasst die Tragödie hier stattfinden! Beendet ihren bösartigen Zeitvertreib auf Eure Kosten, legt ihnen Eure Petition vor, auf das sie diese im Feuerschein der Zerstörung lesen. Und wenn Ihr auch einen zögernden Blick zurückwerft, seid sicher, dass Ihr zu diesen Ausbeutern in der einzigen Sprache sprecht, die sie verstehen.Denn sie waren niemals gezwungen, sich mit einer Petition ihrer Arbeitssklaven, von Kanonendonner unterstützt, auseinanderzusetzen. Wenn Ihr euch für diese Art der Petition entscheidet, braucht ihr keine Organisation, tatsächlich wäre sie sogar schädlich. Also ihr hungrigen Tramps: Jeder, der diese Zeilen liest, kann die einfachen Methoden der Kriegsführung, die uns die Wissenschaft an die Hand gegeben hat, nutzen. Dann wird euch überall die Macht gehören. Lernt den Umgang mit dem Sprengstoff ! Gewidmet den Tramps !