Wenn Freiheit keine Grenzen, Maße und Gesetze kennt;

wenn Freiheit heißt frei von äußeren Mächten, Zwängen und Pflichten zu sein;

wenn Freiheit etwas ist, das ich im Bestehenden vergeblich suchen kann;

wenn Freiheit weder konsumiert oder gewählt, noch konserviert oder erzwungen werden kann;

wenn Freiheit in kein Programm oder Stundenplan, in keine Schublade oder Identität passt;

wenn Freiheit nicht in ein über mir hängendes Ideal oder Prinzip gequetscht werden kann;

wenn Freiheit kein in einem Tresor aufbewahrter Zustand und noch weniger ein Facebook- Status ist;

wenn Freiheit mir durch keine Gesellschaft, keine Gruppe, Kommune oder Szene garantiert werden kann;

wenn Freiheit keine Utopie, kein Wunschtraum oder bloße Theorie ist;

wenn Freiheit die Abwesenheit all dessen ist,

dann ist Freiheit der Raum, den ich durch mich, meine eigene Art zu leben und zusammenzuleben ausfülle;

dann ist Freiheit eine Beziehung, die ich erkämpfe und erarbeite;

dann ist Freiheit das Unbekannte, das der Bruch mit der Herrschaft birgt;

dann ist Freiheit eine permanente Spannung, die ich nur im permanenten Konflikt mit meinen Feinden realisiere;

dann ist Freiheit eine fortwährende Bewegung, eine Reise ohne Ankunft, eine Brief ohne Adressat;

dann ist Freiheit die unerschöpfliche Möglichkeit mich und die Umstände meines Daseins in jedem Moment aufs neue ohne Grenze, Maß und Gesetz neu zu erfinden, neu zu erfahren und neu zu kreieren;

dann können nur die Grenzenlosen, die Maßlosen und Gesetzlosen frei sein.