Wer hat Angst vor dem Coronavirus? Offenbar eine ganze Menge Menschen. Das scheint zumindest im öffentlichen Diskurs über die Thematik einige der widerwärtigsten autoritären Sehnsüchte zu erwecken und zugleich einem blinden Vertrauen in den Staat Vorschub zu leisten. Wohlgemerkt in genau den Staat, der, wenn es ihm nicht gelingt, eine*n vor einer Infektion mit dem Virus zu schützen, nicht davor zurückschrecken wird, eine*n in Quarantäne zu stecken, ganze Städte abzuriegeln und die Menschen darin gefangen zu halten und alle möglichen anderen Freiheitseinschränkungen durchzusetzen.

Nun, ich kann und will dir deine Angst – sofern du denn Angst hast – nicht nehmen. Sicher, ich könnte dich vielleicht mit ein wenig Mathematik beruhigen und dir erzählen, wie gering die Wahrscheinlichkeit ist, dass du dich ansteckst und wenn, dass das mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht deinen Tod bedeuten wird. Aber was nützt es einer*einem, zu wissen, dass 98 Prozent eine Infektion überleben, wenn mensch doch Angst hat, zu den 2 Prozent zu gehören, die diese nicht überleben werden. Es ist nichts falsch daran, Ängste zu haben. Ich zum Beispiel habe immer ein mulmiges Gefühl dabei, wenn ich in ein Auto steige. Rund 250 Menschen sterben in Deutschland jeden Monat bei Verkehrsunfällen. Das sind, wenn mensch nur mal spaßeshalber diesen unqualifizierten Vergleich ziehen will, etwa genausoviele Tote wie nun, fast einen Monat nach Entdeckung des Coronavirus, in China; In Deutschland dagegen sind es sogar rund 250 Tote mehr als Tote durch den Coronavirus. Dennoch steige ich immer wieder in ein Auto und vor allem käme ich niemals auf die Idee, von einer Regierung zu fordern/erwarten, dass sie irgendetwas unternimmt, um die Verkehrstoten zu senken.

Was sollte sie auch tun? Den Autoverkehr verbieten? Den Verkehr an sich abschaffen? Ähnlich ist es auch mit der Ausbreitung eines Virus im Allgemeinen und dem Coronavirus im Speziellen: Was mensch dagegen tun kann, um sicher zu gehen, dass mensch nicht infiziert wird, ist vor allem eines: Sich alleine oder in einer sehr kleinen Gruppe vollständig vom Rest der Gesellschaft abzuschotten, in einer sterilen Umgebung leben und darauf hoffen, dass es dem Virus nicht dennoch gelingt, eine*n zu infizieren. Das will freilich keine*r. Nun könnte mensch recht fatalistisch feststellen, dass das Leben eben gefährlich ist, aber dass es ja auch keinen Spaß macht jede Gefahr zu vermeiden. Aber so ganz wollen das diejenigen, die nun an Staat und Regierung appellieren, wohl nicht wahrhaben. Statt sich selbst einzuschränken, scheinen sie die ultimative Lösung gefunden zu haben: Sie schränken eben die anderen ein, diejenigen, die das Virus bereits in sich tragen, die verdächtigt werden, es in sich zu tragen, die Kontakt mit Menschen hatten, die das Virus vielleicht oder vielleicht auch nicht in sich trugen, die einfach nur zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Region waren, in der es vielleicht oder vielleicht auch nicht einen Verdachtsfall des Virusses gab. Zum Wohle der Mehrheit quasi soll eine Minderheit, wobei die Begriffe Mehrheit und Minderheit hier ja gar nicht quantitativ zu verstehen sind, sondern eigentlich mit Privilegiertheit und Nicht-Privilegiertheit besser beschrieben sind, unterdrückt werden.

Irgendwo habe ich ein Interview mit einem Virologen gelesen, dem bei der Vorstellung, mit welch wirksamen Mitteln ein „autoritärer Staat“ wie China eine Epidemie bekämpfen könne, nämlich indem der Staat einfach alle sozialen Beziehungen kappt, förmlich der Sabber aus dem Mundwinkel tropfte. Ja, da wäre er wohl gerne dabei, dieser Virologe, würde es genießen, die absolute Kontrolle über die Menschen zu haben, um einen Feldversuch zu seinen Viren zu machen, so zumindest las sich das Ganze für mich. Entsprechend kritisierte der Wissenschaftler auch die deutsche Bundesregierung dafür, dass sie seiner Meinung nach zu wenig in Panik verfallen sei, dass sie nicht alle Flüge aus China gestrichen hat, dass sie nicht alle Einreisenden unter Quarantäne gestellt hat, usw. Dabei ist es nicht so, dass wir es hier mit einem durchgeknallten Wissenschaftler zu tun haben, der ein wenig aus der Reihe tanzt. Zusammen mit dem Staat hat die gesamte (medizinische) Wissenschaft schon seit Jahren Masterpläne entwickelt, die im Falle eines Ausbruchs einer Epidemie dazu dienen sollen, eine „Ausbreitung“ dieser Epidemie zu verhindern. Dabei sind es immer dieselben Forderungen nach absoluter Kontrolle über die Menschen. Dabei entspricht das, was zumindest Gerüchten in der hiesigen Presse zufolge, gerade in China umgesetzt wird, nämlich ganze Regionen abgeriegelt werden, Ausbruchsversuche daraus mit Waffengewalt unterbunden werden und Drohnen eingesetzt werden, um die Menschen permanent zu überwachen und zu kontrollieren, ungefähr den Maßgaben dieser Masterpläne. Das hat nichts damit zu tun, dass Chinas Regierung „autoritärer“ wäre, als die hiesige, ja nicht einmal damit, dass sich die Herrschaft des Staates hier in der Regel etwas subtiler ausdrückt, sondern ausschließlich damit, dass das Coronavirus eben in der Stadt Wuhan ausgebrochen ist und nicht etwa hier in München. Denn welche anderen Möglichkeiten als die in China etablierten blieben einem Staat denn, wenn er eine Quarantäne gegen den Willen der Betroffenen durchsetzen will?

Der Staat, dem die*der eine oder andere gerade am liebsten blind vertrauen würde, von dem gefordert wird, dass er die Ein- und Ausreise noch strenger überwacht als sonst, der jedoch im Wesentlichen nicht in der Lage sein kann irgendetwas zu tun außer Propagandaaktionen wie die medial inszenierte „Rückholung deutscher Staatsbürger*innen“ durch die Bundeswehr, bei der mensch lustigerweise auch gleich den Coronavirus mitgebracht hat (LOL), wird für all diejenigen, die vom Coronavirus infiziert sind oder dessen verdächtigt werden, schnell zum mächtigen Feind. Wer zum Zwecke der vermeintlichen eigenen Sicherheit anderen deren Freiheit rauben (lassen) will, die*der sollte sich vor Augen halten, dass ebenso schnell auch ihr*ihm selbst die Freiheit geraubt werden kann.

Wer derzeit nach China blickt und die dortigen Zustände darauf schiebt, dass der chinesische Staat angeblich im Gegensatz zum deutschen Staat ein autoritärer sei, macht sich nur selbst etwas vor. Auch die in Deutschland erarbeiteten Pläne zur Eindämmung einer Epidemie sehen Ähnliches vor. Ist ja auch logisch: Wer absolute Kontrolle über Menschen erlangen will, die*der muss diese auch mit Gewalt durchsetzen, denn zumindest einige Menschen, mich eingeschlossen, werden sich niemals freiwillig unterwerfen!

In Hong Kong sind zumindest einige Menschen uneinverstanden, dass der Staat unter Vorwand des Coronavirus seine soziale Kontrolle ausweiten will. Bei Protesten gegen die geplanten Quarantänemaßnahmen wurden Straßenbarrikaden errichtet und ein für Quarantänemaßnahmen geplantes Gebäude mit Brandsätzen zerstört. Die rebellierenden Menschen dort wissen, dass es dem Staat ausschließlich darum geht, seine Bevölkerung zu kontrollieren. Vielleicht können sich ja all diejenigen, die Zuflucht beim Staat suchen, ein Beispiel an ihnen nehmen. Denn es ist kein Virus, der ihre Freiheit bedroht.